Vanessa Sacchet im Gespräch mit Bernhard Engeler
05.09.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Bernhard Engeler
Bernhard Engeler wurde 1945 in Guntershausen geboren und wuchs gemeinsam mit seinem ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Bernhard Engeler
Bernhard Engeler wurde 1945 in Guntershausen geboren und wuchs gemeinsam mit seinem älteren Bruder auf. Nach einer Lehre als Landwirt erlernte er den Beruf des Maurers und absolvierte zusätzlich eine weitere Ausbildung als Gürtler, ein Beruf, der heute als Metallbildner bezeichnet wird. Er ist pensioniert und engagiert sich seit 15 Jahren als Hüttenwart der Huggenbrunnen Hütte am Rüetschberg.
«Nach einer turbulenten Zeit ging ich in Pension. Kurz darauf trat der Präsident der Bürgergemeinde Aadorf, damals noch Ettenhausen, an mich heran und fragte, ob ich die Aufgabe des Hüttenwarts übernehmen möchte. Nach kurzem Überlegen sagte ich zu. Zu Beginn gab es noch wenige Buchungen, sodass der Aufwand deutlich geringer war als heute. Im Laufe der Jahre konnte ich mir jedoch eine treue Stammkundschaft aufbauen. Viele Gäste kommen seit inzwischen 15 Jahren regelmässig in die Hütte, mieten sie immer wieder und sind sehr zufrieden. Einige buchen die Waldhütte jedes Jahr für Weihnachten, andere nutzen sie regelmässig für Familienfeiern, Hochzeiten, Taufen oder Firmenevents. Die Hütte bietet Platz für rund 60 Personen und verfügt über ein WC, das inzwischen behindertengerecht umgebaut wurde. Im Aussenbereich befindet sich eine Feuerstelle ohne feste Grillstelle, bewusst so gestaltet, dass man mit Stecken direkt über dem offenen Feuer grillieren kann. Ein Ausbau mit einer fixen Grillstelle ist absichtlich nicht vorgesehen, damit keine Spaziergänger dort grillieren und es zu keinen Konflikten mit den Mietern der Hütte kommt.»
Vom einfachen Betrieb zur stark genutzten Hütte
«Die Buchungen werden über den Präsidenten Roman Engeler, der Bürgergemeinde Aadorf abgewickelt. Von ihm erhalte ich jeweils mehrere Wochen im Voraus die entsprechenden Unterlagen, aus denen ersichtlich ist, welche Gruppen die Hütte von Freitag bis Sonntag gemietet haben. Die jeweiligen Mieter nehmen anschliessend direkt mit mir Kontakt auf, um die Schlüsselübergabe zu organisieren. Danach gehe ich zur Hütte hinauf und erkläre ihnen die wichtigsten Punkte zur Nutzung. Da kein Netzanschluss vorhanden ist, zeige ich insbesondere das Notstromaggregat im Keller und erläutere dessen Bedienung. Gleichzeitig weise ich auf die geltenden Regeln hin, was erlaubt ist und was nicht. Auch wenn diese leider nicht immer konsequent eingehalten werden. In der Regel funktioniert alles gut, doch es kommt gelegentlich vor, dass sich einzelne Gäste nicht daranhalten. Bei der Reinigung gilt, dass die Hütte besenrein zu übergeben ist und grössere Verschmutzungen von den Mietern selbst zu beseitigen sind, während die Grundreinigung in meiner Verantwortung liegt. Im Laufe der Jahre hat sich vieles verändert. Als ich begonnen habe, gab es deutlich weniger Buchungen und entsprechend auch weniger Aufwand. Heute, bei der höheren Auslastung, habe ich jedoch den Eindruck, dass die Gäste teilweise anspruchsvoller geworden sind und weniger Rücksicht nehmen oder weniger sorgfältig aufräumen. Ein wiederkehrendes Problem sind Zigarettenstummel, die trotz ausreichend vorhandener Aschenbecher häufig einfach achtlos weggeworfen werden.»
Wenn Natur und Technik aufeinandertreffen
«Es gibt auch viele schöne Erlebnisse, wenn mir Gäste zurückmelden, dass sie in der Waldhütte eine grossartige Zeit verbracht und ein gelungenes Fest gefeiert haben. Daneben gibt es aber auch immer wieder Herausforderungen, die zu bewältigen sind. So erinnere ich mich an einen Winter, als eine junge Frau mit rund 30 Personen anreiste. Die Gäste waren festlich gekleidet, die Männer im Anzug mit Hemd und Krawatte. In der Nacht zuvor war es sehr kalt gewesen, wodurch die Wasserleitung eingefroren war. Die Dame war entsprechend besorgt und meinte, sie feiere hier mit einer vornehmen Gesellschaft und nun stehe nicht einmal Wasser für die Toiletten zur Verfügung. Ich musste sie beruhigen und ihr erklären, dass es etwas Zeit brauche, bis die Leitung wieder auftaut, danach aber alles wie gewohnt funktionieren werde und kein Grund zur Sorge bestehe. Nach einiger Zeit lief das Wasser tatsächlich wieder, und schliesslich war die ganze Gesellschaft zufrieden. »
Von ruhigen Momenten bis zu hektischen Übergaben
«Die Tätigkeit als Hüttenwart ist eine Aufgabe, die man aus Überzeugung und mit viel Herzblut ausübt. Der Verdienst steht dabei nicht im Vordergrund; vielmehr handelt es sich um einen kleinen Zustupf, im Vergleich zu heutigen Löhnen. Besonders schätze ich die Momente, in denen ich allein in der Hütte bin und sowohl drinnen als auch draussen alles in Ordnung bringen kann. Oft ist man für sich, kommt aber dennoch immer wieder mit Spaziergängern ins Gespräch. Es erfüllt mich jeweils mit Zufriedenheit, wenn nach getaner Arbeit alles wieder sauber und in einwandfreiem Zustand ist. Die grösste Herausforderung im Hüttenbetrieb ist jedoch, wenn ich morgens um 9 Uhr die Hütte übernehmen möchte und die vorherigen Mieter noch am Aufräumen sind, alles noch herumsteht und die nächsten Gäste bereits darauf warten, einrichten zu können. In solchen Momenten ist mit mir nicht gut Kirschen essen. Es gibt sogar Fälle, in denen behauptet wird, es habe ja noch Zeit. Dann muss ich klarstellen, dass es sehr wohl eilt, da die nächsten Gäste bereits vor Ort sind. Ich habe auch schon erlebt, dass Eltern anrücken mussten, um die Hütte zu reinigen, während die Jugendlichen draussen sassen und nicht mehr in der Lage waren, selbst aufzuräumen. Zudem kommt es vor, dass Gäste angeben, alles sauber hinterlassen zu haben, sich später jedoch herausstellt, dass beispielsweise im WC noch Verschmutzungen vorhanden sind. In solchen Situationen heisst es für mich oft Augen zu und durch. Dann muss ich selbst Hand anlegen und alles wieder in Ordnung bringen.»
Von Sprüchen, Begegnungen und der Liebe zur Hütte
« Als ich eines Morgens die Hütte von einem Vater und seinem Sohn, einem Zweit- oder Drittklässler, zurücknahm, machte ich einen scherzhaften Kommentar und sagte: «Von der Wiege bis zur Bahre schreibt der Schweizer Formulare.» Am nächsten Tag kam der Junge zusammen mit seinem Vater nochmals vorbei und fragte mich, ob ich diesen Spruch noch einmal sagen könne, er wolle ihn unbedingt seiner Lehrerin erzählen. Ein anderes Mal stand ein kleines Mädchen vor mir, schaute mich mit grossen Augen an und sagte: «Sie wohnen aber an einem schönen Ort.» Solche Momente bleiben besonders in Erinnerung. In all den Jahren ist mir die Huggenbrunnen Hütte sehr ans Herz gewachsen, ich kenne sie in- und auswendig. Vom Alter her hätte ich die Tätigkeit als Hüttenwart eigentlich längst aufgeben sollen, doch ich habe mich entschieden, sie weiterzuführen, solange es möglich ist. Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem ich sagen muss: Jetzt ist Schluss. Dann gilt es, Platz für eine jüngere Person zu machen. Nach heutiger Situation haben wir bereits einen möglichen Nachfolger. Das gibt mir ein gutes Gefühl, denn es bedeutet, dass die Hütte in gute Hände übergeben werden kann, wenn die Zeit dafür gekommen ist.»
VANESSA SACCHET


