Vanessa Sacchet im Gespräch mit Beatrice Wettstein
21.02.2026 ElggBeatrice Wettstein, geboren am 2. Januar 1961 in Wangen bei Brüttisellen, wuchs zusammen mit ihren zwei Schwestern auf. Nach der Ausbildung zur Zierpflanzengärtnerin fand sie ihre berufliche und persönliche Heimat in der Landwirtschaft. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann ...
Beatrice Wettstein, geboren am 2. Januar 1961 in Wangen bei Brüttisellen, wuchs zusammen mit ihren zwei Schwestern auf. Nach der Ausbildung zur Zierpflanzengärtnerin fand sie ihre berufliche und persönliche Heimat in der Landwirtschaft. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Max und einem ihrer Söhne die Gemüsegärtnerei Wettstein an der Ettenbühlstrasse in Elgg. Dabei ist ihnen Regionalität, Qualität und den Direktkontakt zu den Kunden wichtig.
«Ich bin in Wangen bei Brüttisellen aufgewachsen und hatte schon als Kind einen engen Bezug zur Natur und zu Pflanzen, da meine Eltern eine Blumengärtnerei führten. Bereits in der sechsten Klasse wusste ich, dass ich Zierpflanzengärtnerin werden möchte. Eigentlich hätte ich gleich mit der Schule aufhören und loslegen können. Auch meine beiden Schwestern entschieden sich aus eigenem Interesse dafür, Floristinnen zu werden. Wir alle hatten nie Druck von unseren Eltern, diese Berufe zu wählen, es war einfach unsere gemeinsame Leidenschaft. Oft begleitete ich meine Eltern an den Markt in Oerlikon. Dort lernte ich meinen heutigen Mann Max kennen, da unsere Marktstände nebeneinander waren. Wir kamen ins Gespräch und verabredeten uns. Es hat auf Anhieb gefunkt und war Liebe auf den ersten Blick.
Im Jahr 1981 übernahm Max zusammen mit seinen Eltern den Betrieb in Elgg. 1987 haben wir geheiratet und ich zog zu ihm. Man kann sagen, dass für mich damals die Welt in Winterthur endete, und anfangs fiel es mir nicht leicht, mich in Elgg einzuleben. Doch mit der Zeit, als die drei in den Kindergarten gingen und ich später im Frauenturnverein aktiv war, fand ich Anschluss und fühlte mich immer mehr zuhause. Den Betrieb und das Familienleben mit unseren drei Buben unter einen Hut zu bringen war nicht immer einfach, funktionierte aber gut. Da ich noch nicht so stark im Verkauf eingebunden war wie heute, konnte ich viel Zeit mit den Kindern verbringen. Zudem erhielt ich Unterstützung von meiner Familie und meinen Schwiegereltern.»
Vom Stall zum Hofladen. Der Familienbetrieb wächst
«Damals hatten wir noch keinen richtigen Hofladen. Der Verkauf fand im alten Stall statt, wo früher die Kühe untergebracht waren. Es gab auch noch eine alte Güllen Sickergrube, und es roch entsprechend. Offen hatten wir jeweils am Montag, Donnerstag und Freitagnachmittag. Anfangs lief es noch nicht so richtig, es kamen nur vereinzelt Kunden. Nach und nach bauten wir die Gärtnerei weiter aus. Wir errichteten ein zweites Gewächshaus und pflanzten immer mehr Gemüsesorten an. Mit der Zeit wurde der Betrieb grösser, und dadurch kamen auch mehr Kunden.
An den Nachmittagen war ich im Stall mit dem Verkauf beschäftigt. Zudem mussten wir dort das Gemüse waschen und rüsten. Da es eng war und der Platz fehlte, zog sich die Arbeit teilweise bis in den späteren Abend hinein. Es war einfach keine ideale Lösung. Deshalb überlegten wir lange, wo wir einen neuen Laden einrichten konnten. Schliesslich kamen wir auf die Idee, die ehemaligen Garagen umzubauen. So entstand im Jahr 2001 unser heutiger Hofladen. Unser Sohn Thomas arbeitet seit 2005 bei uns im Betrieb mit. Wie ich hat er die Lehre als Zierpflanzengärtner absolviert und anschliessend den Meister im Gemüsebau gemacht. Er merkte bald, dass er sich in der Gärtnerei zuhause fühlte, und ist seither fest mit dabei. Wir sind ein eingespieltes Team, und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.»
Handarbeit, Herzblut und Teamwork
«Wir bewirtschaften rund neun Hektaren Land und betreiben hauptsächlich Gemüseanbau, sowohl im Freiland als auch in den Gewächshäusern. Was mit viel Handarbeit verbunden ist. Max und Thomas kümmern sich um das Anpflanzen. Ich selbst bin vor allem für das Rüsten, den Laden und den Verkauf zuständig. Nur wenn es ums Putzen im Betrieb geht, sind wir uns nicht einig. Denn das macht keiner von uns besonders gern.
Wir bauen nebst dem Gemüse auch Kartoffeln, Mais und Winterweizen an. Vom Bund ist vorgeschrieben, dass ein Teil der Fläche als ökologische Wiese betrieben wird. Wir sind stolz darauf, dass all unsere Produkte hier in Elgg wachsen. Regional, frisch und ohne lange Transportwege bis in den Verkauf. Zudem beschäftigten wir 13 Jahre lang Saisonkräfte aus Portugal, die während dieser Zeit bei uns auf dem Hof lebten. Inzwischen findet man kaum mehr portugiesische Saisonarbeiter, da in ihrem Heimatland die Wirtschaft angezogen hat und sie dort wieder vermehrt Arbeit finden. Später kamen Mitarbeitende aus Polen und Rumänien dazu. Heute unterstützt uns ein Schweizer Mitarbeiter aus Elgg, eine langjährige polnische Arbeitskraft und ein bis zwei Kurzaufenthalter. Für den Verkauf und den Wochenmarkt haben wir zudem mehrere Frauen, die stundenweise für uns arbeiten und uns tatkräftig unterstützen. Unser Engagement auf den Märkten entstand zu einer Zeit, als es in den Städten deutlich weniger Hausgärten gab als heute. Das Bewusstsein für den Eigenanbau war damals noch kaum vorhanden. Inzwischen wird zunehmend selbst angebaut, oftmals in Hochbeeten».
Gemüse aus Elgg und eine Corvette aus Leidenschaft
«Wir sind unglaublich dankbar für unsere grossartige Kundschaft. Der direkte Kontakt zu den Menschen ist uns sehr wichtig. Besonders gerne kümmere ich mich um den Verkauf und lege grossen Wert auf die Gestaltung des Ladens. Ich präsentiere unsere Produkte mit viel Sorgfalt». Wie es der Zufall will, hat Max Wettstein vor 24 Jahren bei meinem Vater eine Chevrolet Corvette aus dem Jahr 1961 gekauft.
Auf die Frage, ob sie das Auto noch besitzen, erhalte ich die Antwort: «Ja klar! Wenn am Sonntag schönes Wetter ist und Max Zeit hat, nimmt er die Corvette raus und dreht eine Runde. Er liebt alte Autos, das ist seine grosse Leidenschaft. Ich fahre manchmal mit, lasse ihm aber gerne die Freiheit, allein loszufahren. Ich selbst pflege als Ausgleich zur Arbeit auf dem Hof, gerne den Kontakt zu unserer Familie und Freunden. Ein spezielles Hobby habe ich nicht, dafür fehlt mir schlicht die Zeit. Wir haben beide lange für unsere Eltern gesorgt, die gesundheitlich angeschlagen waren. Ich kann aber sehr gut abschalten und brauche dazu nicht drei Tage wie manch anderer. Ich fahre beim Hof um die Kurve, und schon bin ich entspannt. Wenn ich jedoch einmal Lust auf einen kleinen Ausflug habe, zieht es mich Richtung Zürich, wo ich aufgewachsen bin. Das bleibt mein erstes Zuhause.»
VANESSA SACCHET


