«Und plötzlich habe ich so viel Zeit»
29.09.2026 ElggNach 37 Jahren als Sekundarlehrer ist Christoph Ziegler seit diesem Sommer pensioniert. Der ehemalige Elgger Gemeindepräsident und ehemalige Kantonsrat der Grünliberalen Partei (GLP) hat nun mehr Zeit – doch von Ruhestand im klassischen Sinn kann keine Rede sein.
Am 1. ...
Nach 37 Jahren als Sekundarlehrer ist Christoph Ziegler seit diesem Sommer pensioniert. Der ehemalige Elgger Gemeindepräsident und ehemalige Kantonsrat der Grünliberalen Partei (GLP) hat nun mehr Zeit – doch von Ruhestand im klassischen Sinn kann keine Rede sein.
Am 1. September wurde Christoph Ziegler in Zürich gemeinsam mit rund 50 Lehrpersonen geehrt, die mehr als 35 Jahre unterrichtet haben. Den Anlass und die Würdigung genoss er sichtlich. Nach 37 Jahren als Sekundarlehrer ist er seit Juli pensioniert. So ganz hat er sich daran allerdings noch nicht gewöhnt. «Manchmal sitze ich beim Frühstück und denke: Was mache ich heute den ganzen Tag? Dann schaue ich auf meine To-do-Liste und merke, dass ich schnell wieder den ganzen Tag ausgefüllt habe», erzählt er.
Computerarbeiten, jahrelang aufgeschobene Hausarbeiten erledigen oder Projekte angehen – langweilig wird es ihm nicht. Im September verbrachte er zudem einige Zeit am Lago d’Orta in Italien. Besonders geniesst er, nicht mehr jede Stunde planen zu müssen. «Man muss nicht mehr loshetzen und kann die Zeit geniessen», sagt er schmunzelnd.
Vom Sportlehrer zum Sekundarlehrer
Ursprünglich wollte Christoph Ziegler Bauer werden. Sein Vater erklärte ihm jedoch, dass dafür der eigene Bauernhof fehle, erzählt er schmunzelnd. Auch eine Laufbahn als Sportlehrer oder Tennisspieler stand zur Diskussion. Vor der Matura entschied er sich schliesslich für den Beruf des Sekundarlehrers. Ausschlaggebend war die Arbeit mit Menschen und die Möglichkeit, mit Jugendlichen zu kommunizieren und sie zu begleiten.
In 37 Jahren hat sich der Schulalltag stark verändert. Vor allem die digitalen Medien haben Einzug gehalten. Heute meldet man sich morgens am Computer an und sieht beispielsweise, ob Schülerinnen oder Schüler abgemeldet sind. Auch die Kommunikation mit Eltern und Fachlehrpersonen ist digitaler und dadurch teilweise aufwendiger geworden. «Am wenigsten verändert haben sich die Schülerinnen und Schüler», stellt Ziegler fest.
Was ihm nach der Pensionierung fehlt, sind genau diese Jugendlichen. Besonders schätzt er, dass er vielen ehemaligen Schülerinnen und Schülern auch später in Elgg begegnet. «Es ist schön, ihre Entwicklung zu sehen. Ich bin stolz, dass ich sie ein Stück begleiten durfte.»
Elgg als Heimat
Ziegler ist eng mit Elgg verbunden und kennt viele Menschen im Dorf. Elgg bedeutet für ihn vor allem Vertrautheit. Er hat zahlreiche Veränderungen miterlebt und freut sich, wenn es der Gemeinde und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern gut geht.
Zu seinen Lieblingsorten gehören unter anderem der Schauenberg und die Sandhöhle. Auch der Meisenplatz hat für ihn eine besondere Bedeutung. «Wenn am Samstag Menschen auf dem Markt auf dem Meisenplatz unterwegs sind, ist das für mich ein schönes Bild vom Dorfleben. «Für solche Begegnungen kann ich mir jetzt mehr Zeit nehmen.»
Sein Engagement für das Dorf ging weit über die Schule hinaus. Als ehemaliger Gemeindepräsident war er an verschiedenen Projekten beteiligt. Besonders geblieben sind ihm der Umbau des ehemaligen Schulhauses zum Gemeindehaus, der Saal im Werkgebäude, die Fusion Elgg-Hofstetten und die Feierlichkeiten zum 1250-Jahr-Jubiläum. Auch das Fest zur Verleihung des Stadtrechts während der Corona-Zeit ist ihm in Erinnerung geblieben.
«Es ist schön, wenn ich heute an diesen Projekten vorbeikomme und sehe, was daraus geworden ist. Ich bin stolz, dass ich bei diesen Entwicklungen dabei sein durfte.»
Viel Engagement für das Dorf
Was Ziegler an Elgg besonders schätzt, sind die Menschen und deren Bereitschaft, sich am Dorfleben zu beteiligen. Bei Veranstaltungen erlebe er immer wieder, wie viele Menschen mitmachen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Besonders beeindruckt hat ihn die Beteiligung an den Feierlichkeiten zum 1250-Jahr-Jubiläum.
Auch nach seiner Pensionierung möchte Ziegler aktiv bleiben. Unter anderem schreibt er für die «Elgger/Aadorfer Zeitung». Schreiben hat ihm schon immer Freude gemacht. Den Wert einer regionalen Zeitung sieht er vor allem darin, dass sie Geschichten aus dem unmittelbaren Lebensumfeld erzählen kann.
«Eine Regionalzeitung hat die Möglichkeit, über Menschen, Begegnungen und Orte zu berichten und Erinnerungen an das Dorfleben zu wecken», betont Ziegler. Die Tageszeitungen hätten andere Schwerpunkte. Eine lokale Zeitung könne sich dagegen ganz auf die Region und ihre Menschen konzentrieren.
Noch lange nicht im Ruhestand
Obwohl er nun offiziell pensioniert ist, hat Christoph Ziegler nicht vor, einfach nichts mehr zu tun. Er geniesst zwar die neu gewonnene Freiheit und die Möglichkeit, seinen Tag nicht mehr komplett durchzuplanen. Gleichzeitig gibt es genügend Projekte, Aufgaben und Begegnungen, die ihn beschäftigen.
Nach 37 Jahren im Schuldienst, seinem Engagement als Gemeindepräsident und Gemeinderat sowie seiner politischen Tätigkeit als Kantonsrat bleibt seine Verbindung zu Elgg eng. Und auch als Pensionär möchte er weiterhin einen Beitrag zum Dorfleben leisten – unter anderem mit seiner Arbeit als Autor für die Regionalzeitung.
EMANUELA MANZARI

