Spagat zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz
29.10.2026 ElggDer Gemeinderat René Schnyder lud die Hauseigentümer zur Infoveranstaltung rund um Bauliche Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz ein. Dabei stand der Fokus auf der Sanierung der Gebäudehülle bei Ein- und Mehrfamilienhäusern.
Im Rahmen der ...
Der Gemeinderat René Schnyder lud die Hauseigentümer zur Infoveranstaltung rund um Bauliche Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz ein. Dabei stand der Fokus auf der Sanierung der Gebäudehülle bei Ein- und Mehrfamilienhäusern.
Im Rahmen der jährlichen Infoveranstaltung zur Optimierung der Energieeffizienz bei Mehr- und Einfamilienhäusern wurde der Fokus auf die Sanierung der Gebäudehülle gelegt. So habe man bewusst dieses Thema gewählt, um den Energieverbrauch in der Gemeinde zu senken. Vor dem eigentlichen Hauptthema appelliert René Schnyder als Gemeinderat an den Einstieg in die lokale Elektrizitätsgesellschaft (LEG) der Gemeinde. «Die LEG hat sehr gut gestartet und wir haben mittlerweile rund 150 Haushalte, welche sich daran beteiligen. Dies ist kantonal auf Rang 2 und sehr respektabel für unser Dorf», freut sich René Schnyder. Als Konsument profitiere man von lokal produziertem Strom und besseren Bedingungen.
Energetische Optimierung der Gebäudehülle
Als erster Referent präsentierte Reto Frei von der Nova Energie die baulichen Varianten und Einsparungen bei einer Sanierung der Gebäudehülle. Der Energieberater berät seit längerem die Gemeinde in diesen Belangen. Wenn man von Energieverlust bei Häusern spricht, wird meistens der Wärmeverlust gegen aussen angeschaut. Dabei wird rund ein Viertel über die Aussenfassade und ein Fünftel über das Dach verloren. Die Fenster spielen dabei auch eine grosse Rolle, fallen aber etwas weniger ins Gewicht, weil sie weniger Fläche abdecken. Gerne werden bei einer Gebäudesanierung die Wärmeverluste über den Keller vergessen. Beim vorgestellten Beispielhaus handelt es sich um ein Einfamilienhaus mit Baujahr 1970 und 200 Quadratmetern Nutzfläche. Dabei wurde ein Zweischalenmauerwerk inklusive einfacher Dämmung und zweifach verglaster Fenster verbaut. In diesem Zustand wird angenommen, dass 28’000 kWh für die Heizung benötigt werden. Im Vergleich benötigt man für die Warmwasseraufbereitung rund 2000 kWh und Strom von 4000 kWh. Durch eine komplette Sanierung der Gebäudehülle inklusive Fenster können 15’900 kWh an Heizenergie eingespart werden. Dies entspricht rund 56 Prozent der ursprünglichen Heizenergie. Für die vorgeschlagene Sanierung müsste die Bauherrin zirka 151’000 Franken investieren. Dabei können 12’600 Franken an Fördergeldern geltend gemacht werden. Reto Frei betont, dass sich die genauen Zahlen von Fall zu Fall unterscheiden und er unbedingt einen Berater oder eine Beraterin zur Sanierung empfehle. «Jedes Objekt hat eine eigene Geschichte und es spielen viele Komponenten in eine mögliche Sanierung hinein.» Wichtig ist zu erwähnen, dass ab einem Förderbeitrag von 10’000 Franken ein sogenannter GEAK Plus Bericht vorgelegt werden muss. Idealerweise liegt dieser bereits vor der Baueingabe vor, um keine unerfreulichen Überraschungen bezüglich des Förderbeitrags zu erleben.
Gratwanderung zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz
Im zweiten Teil präsentierte Tobias Sigrist aus der Sicht des Denkmalschutzes die Sanierungsstrategien. Gerade in Elgg mit dem Altstädtchen, welches im nationalen Register für Denkmalpflege ist, ist dies ein wichtiges Thema. So gebe es automatisch ein Spannungsfeld zwischen Energieoptimierung und der Denkmalpflege, weil im Denkmalschutz die Originalsubstanz möglichst erhalten werden soll. Doch auch hier gibt es Optionen. Grundlegende Strategien, welche sich sehr gut mit dem Denkmalschutz vertragen, sind zum Beispiel der Umbau auf Wärmepumpe oder Fernwärme, die Raumtemperaturregulierung oder die Sanierung von Fenstern. Bei einer gezielten Dämmung des Daches oder der Kellerdecke kann es kleinere Hindernisse geben. «Gerade die alten Naturkeller bringen viel Kälte von unten ins Haus und können durch Dämmplatten oder spritzbare Zellulose gedämmt werden», erklärt Tobias Sigrist. Dabei sei wichtig, dass die Originalstruktur des Hauses nicht beschädigt wird. Sie darf dabei aber auch hinter der Dämmung verschwinden. Das grösste Hindernis bei der Sanierung der Gebäudehülle ist die Aussenfassade. Weil diese meistens geschützt ist, muss eine Innendämmung angebracht werden. Dies hat zur Folge, dass alle Innenräume um 40 bis 60 Zentimeter pro Wand verkleinert werden. Zudem besteht die Gefahr, dass sich Kondenswasser zwischen der Dämmung und der Altbauwand bilden kann. Auch hier empfiehlt sich eine gründliche Aufklärung und Planung mit einem Energieberater, wobei auch der Denkmalschutz frühzeitig einzubinden ist. Generell liegt bei historischen Bauten der Fokus auf punktuellen Verbesserungen und weniger auf Totalrevisionen.
Förderungen und Steueroptimierung
Über das Anreizsystem werden Projekte zur Energieoptimierung von Gebäuden von Kanton und Gemeinde gefördert. Dem Kanton können maximal 50 Prozent der Investitionskosten angegeben werden. Zudem werden Förderbeiträge unter 2000 Franken nicht berücksichtigt. Generell wird Wärmedämmung der Gebäudehülle (ausser Fenster) mit 40 Franken pro Quadratmeter vergütet. Wird gleichzeitig eine Photovoltaikanlage installiert, kann eine zusätzliche Förderung von 20 Franken pro Quadratmeter Modulfläche angegeben werden. Bei der Beratung wird pro Bericht zirka ein Drittel der Kosten vom Kanton übernommen, jedoch darf der Bericht nicht älter als ein Jahr sein. Weitere Fördergelder können dabei durch den Austausch von fossilen und elektrischen Heizsystemen auf Wärmepumpen eingereicht werden. Auf kommunaler Ebene werden der Einbau von Wärmepumpen, die Umrüstung auf einen Wärmepumpenboiler oder die Erstellung einer Photovoltaikanlage sowie der Einbau von Warmwasserkollektoren finanziell unterstützt. Genaue Zahlen und Informationen erhält man dabei durch die Bauverwaltung Elgg.
Abschliessend können die Investitionen als Werterhaltung von der Steuer abgezogen werden. Dabei ist zu beachten, dass ab dem 1. Januar 2029 ein neues Steuerregime einsetzt und ab dann neue Reglungen gelten. So ist es sicherlich von Vorteil, bei einer allfälligen Sanierung auch einen Steuerberater einzubinden.
Auch wenn heute viele Informationen im Internet frei zugänglich sind, empfiehlt es sich, einen Berater in Energiefragen beizuziehen. Denn jedes Haus hat eine eigene Geschichte und jede Besitzerin eigene Wünsche und Ressourcen. Beim anschliessenden Apéro konnten die Anwesenden ihre Fragen direkt an die Referenten stellen.
ANDREJ BLASER


