Sonniges Melkfest des Agrotechnorama auf der Swiss Future Farm
05.09.2026 Tänikon«Was, der Roboter melkt besser als der Mensch?» staunten Besucher des Melkfestes am vergangenen Wochenende. Im Zentrum des Anlasses stand das Erleben der Entwicklung der Melktechnik vom Handmelken bis zum Roboter, doch auch das Waschen von Kleidern und Aufbereiten von Brennholz wie Anno ...
«Was, der Roboter melkt besser als der Mensch?» staunten Besucher des Melkfestes am vergangenen Wochenende. Im Zentrum des Anlasses stand das Erleben der Entwicklung der Melktechnik vom Handmelken bis zum Roboter, doch auch das Waschen von Kleidern und Aufbereiten von Brennholz wie Anno dazumal standen auf dem Programm.
Wie streng das Handmelken war, erlitten die rund 650 Besuchenden an den Zitzen der Plastickuh «Dorli». Kaum jemand hat mehr als ein paar Deziliter aus dem Euter gekriegt. «Läck ist das zäh!» meinte der kleine Max! Sicher, Kühe melken sich unterschiedlich schwer, aber Dorli kommt wohl einem Durchschnitt schon recht nah. Das zeigte allen, dass die Entwicklung der Melkmaschine einem echten Bedürfnis entsprach. Diese Entwicklung begann mit der industriellen Revolution Ende des 19 Jahrhunderts. Die Betriebe hatten damals nur ein paar wenige Kühe. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte eine sehr schnelle Entwicklung ein. Rund 90 Prozent der Milchviehbetriebe schlossen seither ihre Tore für immer und die verbleibenden 10 Prozent halten viel mehr Tiere und melken sogar noch mehr Milch als Anno dazumal. Diese Entwicklung wird durch die tiefen Milchpreise aber auch durch die technische Entwicklung getrieben. Wer heute einen neuen Milchviehstall baut, der tut dies meist für 50 und mehr Kühe. Über die Hälfte wählt einen Melkroboter, der eine grosse Arbeitserleichterung und flexiblere Arbeitsmöglichkeiten bietet. Ausschlafen am Sonntag ist inbegriffen. Und ja, die Maschine kann das heute genauso gut wie der Mensch. Das hätte vor 30 Jahren niemand erwartet.
Agrotechnorama zeigt die Entwicklung des Melkens
Wie kriegt man eigentlich mechanisch die Milch aus dem Euter? Systeme mit Rollen, welche die Zitzen der Kuh leer rollten oder reine Vakuumbecher wurden Ende des 19. Jahrhunderts ausprobiert. Der Durchbruch brachte schliesslich die Kombination von Saugen und Drücken, was mit einem Doppelkammerbecher erreicht wurde. Das funktioniert eigentlich wie ein Kalb, das ebenfalls saugt und drückt, damit die Milch gut fliesst. Doch wie ist es möglich mit einem regelmässigen Rhythmus zu Saugen und zu Drücken? Kühe mögen es, wenn sehr regelmässig und immer genau gleich gemolken wird. Verschiedenste Systeme wurden dazu entwickelt, doch erst in den 1980-er Jahren hat die Elektronik dies zuverlässig und kostengünstig gelöst. Am Ende dieser Entwicklung steht aktuell der Melkroboter der die Kühe ohne menschliche Aufsicht melkt. Die Kühe können weitgehend selber wählen, wann sie gemolken werden wollen, der Roboter Rund um die Uhr bereit. Das Publikum konnte das life auf der Swiss Future Farm erleben und staunte, wie der Roboter Zitzen reinigt, melkt und dann desinfiziert. Ja, diese Maschine arbeitet sehr hygienisch! Die Kühe lieben sie, denn sie tut immer exakt dasselbe. Sie ist nie nervös oder schlecht gelaunt und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
Die Oldiefreunde reisten per Traktor an
Zahlreiche Oldiefreunde tuckerten mit ihren Oldtimertraktoren nach Tänikon, woraus auf dem Parkplatz eine kleine Oldie-Ausstellung entstand. Als tolle Attraktion konnten die Leute erleben, wie ein Lanz Bulldog der bald seinen 100-jährigen Geburtstag feiert gestartet wird. Man muss den Motor zuerst zünftig vorglühen, damit der Einzylindermotor mit sagenhaften zehn Liter Hubraum gestartet werden kann. «Housi, gib Gas!» Doch das war nicht so einfach. Der Motor war abgesoffen. Zylinder öffnen, nochmals Drehen worauf ein Lauter Knall die Leute zurückschreckte. Nochmals nachglühen und siehe da, jetzt begann der Bulldog mit einer Rauchwolke zu tuckern an. Spektakel pur, Housi und Niklaus strahlten!
Kleider waschen, Holz spalten, Einachser starten
Wie ging das Waschen von Kleidern vor 100 Jahren? Damals hat man nicht wöchentlich Kleider gewaschen. Nein, das war mühselig und musste von Hand erledigt werden. So wusch man Kleider teils nur rund zwei Mal pro Jahr. Man hatte die Sonntagstracht und am Werktag taten es auch schmutzige Kleider. Wenn sie gar schmutzig waren, dann spülte man die einfach etwas am Brunnentrog. Die ersten einfachen Waschmaschinen stellten da schon einen grossen Fortschritt dar. Franz strahlte in der Mitte seiner Waschmaschinen mit der Sonne um die Wette, als er den staunenden Damen erklärte, wie man vor 100 Jahren Wäsche wusch. «Bin ich froh, dass ich heute eine Waschmaschinen habe!» meinte eine Frau lachend.
Um schliesslich für den Winter gerüstet zu sein, frästen und spalteten Bruno und seine Team an den beiden Tagen wohl zwei Ster Brennholz. Walter und Federhut knatterten mit ihren Einachsern und Seilwinden im Takt dazu, was ein schönes Spektakel ergab. Als ruhender Pol dazwischen zeigte Charly passend zum Motto eine Ausstellung von Butterfässern, Gebsen (Aufrahmbehälter) und viel anderes Kleinmaterial zu bewundern. Milchtüten, PET-Flaschen und Tetrapack kannte damals noch niemand.
Das Wochenende mit Blick aus der Vergangenheit in die Zukunft zeigte eindrücklich, wie enorm schnell die Entwicklung verläuft. Kaum zu glauben, dass unsere Grosseltern noch von Hand molken und wir heute dabei dem Roboter zuschauen. Wir sind alle gefordert mit und nicht gegen die Zeit zu gehen - auch das war schon immer so.
THOMAS ANKEN, AGROTECHNORAMA, TÄNIKON
Agrotechnorama Tänikon
Die landtechnische Entwicklungsschau in Tänikon bei Aadorf zeigt hautnah die Entwicklung vom Pferdezug zum Traktor, vom Dreschflegel zum Mähdrescher und von der Sense zur Mähmaschine. Seit vielen Jahrzehnten befindet sich die Landwirtschaft im Umbruch, was diese Entwicklungsschau näherbringt.
360°-Rundgang
Die Besucher treten ein und schauen sich auf den ersten drei Etagen um. Mit der Maus kann das Bild kreisförmig gedreht werden, so erhalten die Besucher einen tollen Einblick. Wenn im Bild auf das Kreuz geklickt wird, kommen die Besucher in den nächsten Raum. …lassen Sie sich überraschen, vor Ort warten noch drei weitere Etagen auf die Besucher.
Führungen
Das Agrotechnorama besitzt keine regulären Öffnungszeiten, es empfängt Besucher gerne für Führungen in kleinen oder grossen Gruppen.
Die Dauerausstellung Agrotechnorama ist in der Klosterscheune des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Tänikon untergebracht. Auf einer Fläche von 1800 Quadratmeter umfasst sie 750 Gegenstände und reicht von kleinen Handwerkzeugen bis zur vier Tonnen schweren Standdreschmaschine.
Ausstellungsführer
Wer einen Überblick der wichtigsten landtechnischen Entwicklungsschritten auf dem Sofa betrachten möchte, kann den reich bebilderten Ausstellungsführer bestellen.
Der Ausstellungsführer stellt verschiedenste Themen dar wie motorische Zugkräfte, Motormäher und Einachsmäher, Maschinen und Geräte für Feld und Hof...
Der Autor Rudolf Studer hat die Ausstellung in unzähligen Stunden zusammengetragen und ist Gründer des Fördervereins Agrotechnorama.
Weitere Informationen unter:
www.agroscope.admin.ch



