Solaranlagen und Dachbrände: Was sagen Experten?
16.07.2026 Aadorf, GESELLSCHAFTIn den vergangenen Wochen berichteten die Kantonspolizeien Zürich und Thurgau über mehrere Brände auf Dächern von Gebäuden mit Photovoltaikanlagen. Unter anderem wurden in Elgg, Bassersdorf, Hüttwilen (TG) und weiteren Gemeinden Brände gemeldet. In mehreren ...
In den vergangenen Wochen berichteten die Kantonspolizeien Zürich und Thurgau über mehrere Brände auf Dächern von Gebäuden mit Photovoltaikanlagen. Unter anderem wurden in Elgg, Bassersdorf, Hüttwilen (TG) und weiteren Gemeinden Brände gemeldet. In mehreren Fällen laufen die Ermittlungen zur Brandursache noch. Ob die Solaranlagen tatsächlich Auslöser des Feuers waren oder lediglich vom Brand betroffen wurden, ist derzeit offen.
Die Häufung solcher Ereignisse sorgt für Verunsicherung. Fachleute betonen jedoch, dass Photovoltaikanlagen grundsätzlich als sichere Technologie gelten. Mit der stark gestiegenen Zahl installierter Anlagen nimmt allerdings auch die Zahl der Schadenfälle zu, bei denen Solaranlagen betroffen sind.
«Eine Brandursache lässt sich erst nach einer fachtechnischen Untersuchung des jeweiligen Schadenfalls eindeutig feststellen», sagt Erich Stutz, Geschäftsführer der Heim AG Solarsysteme in Aadorf. «Es wäre deshalb falsch, aufgrund einzelner Ereignisse auf ein generelles Problem von Photovoltaikanlagen zu schliessen.»
Dennoch gebe es technische Ursachen, die im Einzelfall zu einem Brand führen könnten. «Eine mögliche Brandursache kann beispielsweise eine fehlerhafte oder nicht korrekt verriegelte Steckverbindung sein. Solche Kontaktfehler können zu erhöhten Übergangswiderständen und damit zu einer starken Erwärmung führen.»
Die Planung ist entscheidend
Dass mehrere Brände während einer Phase mit sehr hohen Aussentemperaturen aufgetreten sind, hält Stutz ebenfalls für bemerkenswert. «Es ist denkbar, dass bei einzelnen Anlagen eine ungenügende Wärmeabfuhr unter den Solarmodulen eine Rolle gespielt hat. Insbesondere bei dachintegrierten Photovoltaikanlagen kann eine mangelhafte Hinterlüftung dazu führen, dass sich unter den Modulen sehr hohe Temperaturen entwickeln.»
Deshalb sei bereits die Planung entscheidend. «Das Unterdach muss für diese Bauweise geeignet sein und die Hinterlüftung fachgerecht geplant werden. Dazu gehören eine ausreichende Luftzufuhr im Traufbereich sowie eine wirksame Abluftmöglichkeit im Firstbereich, damit die entstehende Wärme zuverlässig abgeführt werden kann.»
Gleichzeitig relativiert der Solarexperte die Bedeutung der sommerlichen Hitze. «Hohe Aussentemperaturen allein stellen bei einer fachgerecht geplanten und installierten Photovoltaikanlage in der Regel kein Sicherheitsrisiko dar. Solarmodule sind für hohe Betriebstemperaturen ausgelegt und werden entsprechend geprüft.»
Auch beim Thema Wartung mahnt Stutz zu einer differenzierten Betrachtung. «Regelmässige Wartungsarbeiten sind grundsätzlich sinnvoll, können jedoch mögliche Planungs- oder Installationsmängel nicht beheben. Entscheidend ist, dass eine Photovoltaikanlage von Beginn an fachgerecht geplant und nach den geltenden Normen installiert wird.»
Eine umfassende technische Überprüfung empfiehlt er insbesondere bei älteren Anlagen, nach Sturm-, Hageloder Blitzschäden oder wenn Zweifel an der Ausführungsqualität bestehen. «Eine korrekt installierte Photovoltaikanlage benötigt im Normalfall jedoch nur einen geringen Wartungsaufwand.»
Jeder Schadenfall muss einzeln untersucht werden
Nach Ansicht des Aadorfer Unternehmers wurden die Sicherheitsstandards in den vergangenen Jahren laufend verbessert. «Seriöse Installationsfirmen berücksichtigen bereits bei der Planung alle relevanten Sicherheitsaspekte – von der richtigen Dimensionierung über die ausreichende Hinterlüftung bis hin zu normgerechten Materialien und qualitativ hochwertigen elektrischen Verbindungen. Fehlerhafte Steckverbindungen oder unsachgemässe Installationen gehören zu den Risiken, die sich durch sorgfältige Planung und Ausführung weitgehend vermeiden lassen.»
Auch die Gebäudeversicherungen weisen darauf hin, dass die Einhaltung der Brandschutzvorschriften und der technischen Normen entscheidend ist. Für die Feuerwehren stellen Brände auf Gebäuden mit Photovoltaikanlagen zwar besondere Herausforderungen dar, da die Module bei Tageslicht weiterhin elektrische Spannung erzeugen. Entsprechende Einsatzkonzepte gehören heute jedoch zum Standard.
Die bisherigen Erkenntnisse der Behörden lassen keinen Schluss zu, dass Photovoltaikanlagen generell häufiger Brände verursachen. Jeder Schadenfall müsse einzeln untersucht werden. Einig sind sich die Fachleute jedoch darin, dass eine sorgfältige Planung, eine fachgerechte Installation und die Einhaltung der technischen Vorschriften die wichtigsten Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb sind.
EMANUELA MANZARI

