«Sizilianische Hitze in Elgg» gab am Dorfpalaver zu reden
22.09.2026 ElggDer Sommer 2026 war Thema des letzten Dorfpalavers im Bärensaal Elgg. Gut 30 Teilnehmende diskutierten über Wasserversorgung, Landwirtschaft, persönliches Erleben und mögliche Anpassungen an künftige Hitzeperioden. Dabei kamen zahlreiche Ideen auf den Tisch.
Wie ...
Der Sommer 2026 war Thema des letzten Dorfpalavers im Bärensaal Elgg. Gut 30 Teilnehmende diskutierten über Wasserversorgung, Landwirtschaft, persönliches Erleben und mögliche Anpassungen an künftige Hitzeperioden. Dabei kamen zahlreiche Ideen auf den Tisch.
Wie hat die Bevölkerung den aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer erlebt und welche Lehren lassen sich daraus ziehen? Diesen Fragen widmete sich das Dorfpalaver des Dorfvereins Elgg unter dem Motto «Sizilianische Hitze in Elgg – Auswirkungen und Massnahmen». Co-Präsident Richard Staub begrüsste am vergangenen Donnerstagabend 33 Teilnehmende im Bärensaal. Durch die Diskussion führte Barbara Fehr-Hadorn, Co-Präsidentin der SP Elgg.
Auf der Einladung standen als Anregung mögliche Themenbereiche wie Feuerverbot, hitzefrei in Schulen, Einbau von Klimaanlagen, Erstellen von Schattenplätzen oder das Züchten resistenter Pflanzen. Die Diskussion drehte sich dann aber hauptsächlich um die Themen Wasserknappheit, Landwirtschaft und staatliche Intervention. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil mit Adrian Widmer, Leiter der Wasserversorgung Elgg und Landwirt Manuel Fankhauser, zwei Gäste als Fachspezialisten eingeladen waren. Vonseiten der Gemeinde anwesend war auch Gemeinderätin Stephanie Hugentobler.
Tunlichst vermieden wurde es während des ganzen Abends von allen, in eine Klimadebatte abzugleiten. Stattdessen blieb man bei konkreten Massnahmen für den Umgang mit Hitze und Trockenheit.
Positives persönliches Erleben, belastete Natur
Zu Beginn blickte die Runde auf den Extremsommer zurück. «Dieser spezielle Sommer war der heisseste seit dem Messbeginn 1864. Der Rekord von 2003 wurde gebrochen», sagte Barbara Fehr-Hadorn. Neben der Hitze sei auch die Trockenheit extrem gewesen. «Wie war euer persönliches Erleben?», so die erste Frage, die sie in die Runde warf. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Während viele der Anwesenden die Hitze und das südländische Lebensgefühl regelrecht genossen zu haben schienen, schränkten andere ihre Aktivitäten ein und verzichteten zum Beispiel auf Wanderungen oder Velotouren, wie sie erzählten. Zur Sprache kamen allerdings auch die Belastungen für ältere Menschen in Pflegeheimen und für Personen, die im Freien arbeiten.
Deutlich sichtbar waren hingegen die Folgen in der Natur. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nannten vertrocknete Pflanzen und Bäume sowie Wildtiere, zum Beispiel Igel, die unter der Trockenheit litten. Schnell tauchte dabei die Frage auf, ob man nun giessen solle oder nicht. Einerseits sei da das schlechte Gewissen wegen des Wasserverbrauchs, andererseits trügen die Pflanzen wiederum zur Kühlung bei, nannte eine Teilnehmerin ihr persönliches Dilemma bei der Gartenarbeit.
Ein anderer Anwesender berichtete von guten Erfahrungen mit einer Wiese anstelle eines klassischen Rasens. Sie werde nur zweimal jährlich gemäht und sei auch ohne Bewässerung vergleichsweise grün geblieben.
Wasserverbrauch stieg stark an
Wie angespannt die Situation bei der Wasserversorgung ist, zeigte an dieser Stelle Adrian Widmer auf. Der Grundwasserspiegel sei sehr tief. Seit rund eineinhalb Monaten werde zusätzlich Wasser aus Aadorf bezogen. Gleichzeitig sei der Verbrauch während der Hitze stark gestiegen. Während Elgg normalerweise täglich rund 800 bis 900 Kubikmeter Wasser benötige, seien an Spitzentagen bis zu 1400 Kubikmeter verbraucht worden.
Die Gemeinde Elgg hat trotz der Knappheit auf freiwilliges Wassersparen gesetzt. Dies habe teilweise zu Spannungen geführt, wenn beispielsweise Nachbarn beobachteten, dass weiterhin Gärten bewässert wurden. «Wir haben sehr viele Mails bekommen», so Widmer. Die Gemeinde müsse sich sicher auch überlegen, wie man dies künftig handhaben wolle.
Für den Notfall besteht nebst dem Wasser aus Aadorf gemäss dem Brunnenmeister eine weitere Möglichkeit: Über eine Verbindung via Zell und Oberschlatt könnte zusätzlich Wasser bezogen werden. Die Umsetzung wäre allerdings technisch aufwendig. Neue Quellen zu erschliessen, wie an diesem Abend ebenfalls angeregt wurde, sei wegen kantonaler Vorschriften wiederum fast unmöglich.
Trockenheit in der Landwirtschaft
Auch für die Landwirtschaft hatte der Sommer unterschiedliche Folgen. Manuel Fankhauser berichtete, dass frühe Kulturen wie Weizen und Gerste recht gut gediehen seien. Alles Spätere sei je nach Beschaffenheit des Bodens mehr oder weniger vertrocknet. Beim Heu fehle rund ein Viertel des Ertrags. Man müsse daher beim Tierfutter flexibel sein und zum Beispiel auf Silomais oder Zuckerrüben ausweichen. Auch die Luzerne nannte er als hitzeresistente Futterpflanze.
Für Betriebe, die auf Heu angewiesen seien, wie Bergbetriebe, oder solche, die Käse produzieren, sei die Situation viel schlimmer.
Nicht unerwähnt blieben in der Runde auch erhebliche Schäden im Obstbau. Als Möglichkeit für einen effizienteren Umgang mit Wasser wurde die Tropfbewässerung genannt. Sie bringe das Wasser gezielt zu den Pflanzen und vermindere die Verdunstung, sei allerdings mit hohen Investitionen verbunden, erklärte Fankhauser.
Verschiedene Massnahmen vorgeschlagen
Viel Raum nahm die Frage ein, wie Elgg künftig besser mit Trockenperioden umgehen könnte. Mehrere Teilnehmende regten an, Wasser aus Starkregenereignissen zurückzuhalten. Diskutiert wurden unter anderem Zisternen, Rückhaltebecken, unterirdische Regenwassertanks, das Wiederauffüllen ehemaliger Baggerseen oder generell Regenwassernutzungsanlagen bei Neubauten.
Kritisch hinterfragt wurde zudem der Einsatz von Trinkwasser für die Toilettenspülung. Angeregt wurden deshalb Trennwassersysteme und entsprechende Vorgaben bei Neubauten.
Unterschiedliche Meinungen gab es darüber, welche Rolle die Gemeinde und die Politik übernehmen sollen. Einige wünschten sich mehr Informationen mit einfachen Verhaltenstipps oder sogar Verbote während Hitzeperioden. Andere begrüssten, dass Elgg auf Eigenverantwortung gesetzt habe. Auch waren die meisten Anwesenden der Ansicht, dass, wer sich dem nicht ganz verschlossen habe, mit den bestehenden Informationen und sichtbaren Anzeichen, gemerkt haben müsse, dass das Wasser knapp sei.
Zum Thema Schutz vor der Hitze wurden im Weiteren ein Hitzeaktionsplan und öffentlich zugängliche kühle Räume thematisiert. Ein bereits bestehender sei zum Beispiel die Kirche, merkte jemand an. Aber auch ein gekühltes Café, zum Beispiel im Pflegezentrum, wurde angeregt. Das führte zur Frage nach dem Sinn von Klimaanlagen. Ein Konsens dafür herrschte in Bezug auf Pflegeheime. Ansonsten sprachen sich einige dafür aus, zuerst andere Möglichkeiten wie das Pflanzen von mehr Bäumen, die Entsiegelung und einen noch geschickteren Umgang mit den bestehenden Möglichkeiten in den Gebäuden zu nutzen.
Ressourcenschonung bleibt ein Thema
Zum Abschluss fasste Richard Staub die Diskussion zusammen. Viele hätten den Sommer durchaus genossen, mit kurzen Hosen, im Schwimmbad oder bei einem Kaffee im Freien. «Für Menschen, die während der grossen Hitze arbeiten mussten, hat die Situation jedoch anders ausgesehen.» Gleichzeitig habe der Abend gezeigt, dass bei länger anhaltender Trockenheit neue Ideen gefragt seien.
Der sorgsame Umgang mit Wasser beginne bereits beim eigenen Haus, etwa mit dem Sammeln von Regenwasser für die WC-Spülung oder die Gartenbewässerung. Auch die Landwirtschaft sei gefordert, vermehrt auf hitzeverträgliche Kulturen zu setzen und Möglichkeiten zu finden, Wasser für trockene Zeiten zurückzuhalten. Möglicherweise brauche es künftig auch entsprechende Vorschriften.
Eine zentrale Erkenntnis des Abends brachte Staub zum Schluss nochmals auf den Punkt: «Wir sind alle gefordert, gerade wenn es heiss ist, Wasser zu sparen, auch dann, wenn es genug hat.» Ressourcenschonung bleibe damit nicht nur während eines Extremsommers ein Thema.
BETTINA STICHER


