Reges Interesse an Neubau für Feuerwehr und EW Aadorf
01.09.2026 AadorfDer Gemeindepräsident Matthias Küng stellte den geplanten Neubau für das EW Aadorf und die Feuerwehr vor und beantwortet die vielen Fragen und Wortmeldungen aus der Aadorfer Bevölkerung
Bei der Infoveranstaltung zur Abstimmung des Baukredits «Neubau Feuerwehr/EW ...
Der Gemeindepräsident Matthias Küng stellte den geplanten Neubau für das EW Aadorf und die Feuerwehr vor und beantwortet die vielen Fragen und Wortmeldungen aus der Aadorfer Bevölkerung
Bei der Infoveranstaltung zur Abstimmung des Baukredits «Neubau Feuerwehr/EW Aadorf» war das Kultur- und Gemeindehaus gut gefüllt. Zirka 100 Personen liessen sich von Matthias Küng die Gründe für einen Neubau erklären.
Die Ausgangslage ist eindeutig: Die Feuerwehr Aadorf und das EW Aadorf haben einen gesetzlichen Auftrag zur Versorgung und Sicherheit auf dem Gemeindegebiet. Durch die momentanen Platzverhältnisse und die ungünstige Lage des Feuerwehrdepots können nicht mehr alle gesetzlichen Auflagen erfüllt werden. So gibt es keine geschlechtergetrennten Sanitäranlagen und auch nach einem Einsatz kann die sogenannte «schwarz-weiss» Trennung der Einsatzkleidung nicht wie vorgeschrieben durchgeführt werden. Deshalb ist die Gemeinde seit 2018 bemüht eine zukunftsfähige Lösung auszuarbeiten.
Neubau an Wittenwilerstrasse
Geplant ist deshalb ein Neubau an der Wittenwilerstrasse auf der Seite des Sportplatzes. Die Parzelle ist bereits im Besitz der Gemeinde und ist im Richtplan für öffentliche Bauten vorgesehen. So muss keine Umzonung stattfinden. Bei Bedarf wäre auch eine Erweiterung des Werkhofs möglich. Ein weiterer Vorzug ist die Lage innerhalb der Gemeinde. «Ein wichtiges Kriterium ist die Interventionszeit von zehn Minuten», erklärt Matthias Küng. Die Feuerwehr muss innerhalb von zehn Minuten das ganze Gemeindegebiet erreichen. Man habe auch Parzellen in Wittenwil und Tänikon abgeklärt. Diese würden aber die Interventionszeit nicht einhalten können. Ein kleines Hindernis könnte der Radweg an der Wittenwilerstrasse darstellen, da die Lage aber sehr übersichtlich ist, sollte dieser bei einem Einsatz zu keiner Verzögerung kommen. Hier ist bei der Momentanen Lage an der Schulhausstrasse viel mehr Gefahrenpotential vorhanden. So müssen die Feuerwehrfahrzeuge über den Schulhof auf die Hauptstrasse fahren.
Finanzierung
Die Finanzierung des 18,9 Millionen Franken teuren Neubaus wird zwischen der Feuerwehr und der EW Aadorf anteilsmässig aufgeteilt (0,9 Millionen sind als Reserve von 5 Prozent eingerechnet). 8,1 Millionen Franken entfallen auf die Feuerwehr, während 9,9 Millionen Franken das EW Aadorf übernimmt. Bei der Feuerwehr rechnet man mit 1,2 Millionen Franken von der Gebäudeversicherung Thurgau. Hier ist anzumerken, dass die Gebäudeversicherung sich nur bei einem Neubau beteiligt und nicht bei einem Provisorium oder bei Mietobjekten. Weiter wird der Betrag der Feuerwehr durch den Verkauf des momentanen Depots (inklusive des Teils der EW Aadorf) an der Schulstrasse mitfinanziert. Auch hat die Feuerwehr durch die Ersatzabgaben eine Million auf der Seite, welche in den Neubau investiert werden soll. So reduziert sich auf der Seite Feuerwehr die Nettoinvestition auf 3,1 Millionen Franken. Bei der EW Aadorf geht man von einer Eigenfinazierung aus. Das EW Aadorf hat in den letzten Jahren immer einen Gewinn erwirtschaftet. Die bisherigen Mietkosten von 130’000 Franken belaufen sich neu auf 191’000 Franken durch die Belastung der Hypothek.
Bei diesen hohen Investitionen von 18,9 Millionen ist die Frage sicherlich, ob es keine günstigere Alternative gäbe. Laut der Gemeinde würde die Sanierung des bestehenden Gebäudes Kosten von über 7,5 Millionen bedeuten. Dies würde aber keine zusätzliche Nutzfläche generieren. Zudem müsste in der Zwischenzeit ein Provisorium erstellt werden. Auch habe man die Möglichkeit für das Einmieten abgeklärt. Dies würde aber den finanziellen Rahmen mit ortsüblichen Mieten von 500’000 Franken pro Jahr deutlich sprengen.
Durch das Entscheidung gegen einen Architekturwettbewerb und für ein pragmatisches Vorgehen mit einem Vorprojekt konnte man in der Planung viel Geld sparen. Zudem sei der Bau ein «Zweckbau» und kein «Goldiger Palast». Die Raumfläche einspricht der vorgängigen Raumbedarfsanalyse, wobei bereits viele Räume zur gemeinsamen Nutzung eingeplant werden. Einziger Kritikpunkt ist sicherlich die ganze Unterkellerung. Diese führt zu Mehrkosten, führt aber zu einer niedrigeren Gebäudestruktur und ein besseren Einbettung ins Dorfbild.
Viele Diskussionsgründe
Nach den Ausführungen von Matthias Küng waren die Anwesenden mit ihren Wortmeldungen an der Reihe. Schnell kristallisierte sich heraus, dass viele den Platzbedarf bei der Feuerwehr sehen, nicht aber bei der EW Aadorf. Ein grosser Streitpunkt ist das Kombigebäude mit der EW Aadorf. So störten sich viele Leute, dass sie nicht über eine Einzellösung für die Feuerwehr abstimmen dürfen und «die Katze im Sack» kaufen müssen. Eine Idee war, dass ein neues Feuerwehrdepot gebaut werden soll und das EW Aadorf die Räumlichkeiten der Feuerwehr übernehmen soll. Matthias Küng erwiderte, dass die Liegenschaft dann teuer saniert werden müsste und die gesetzlichen Auflagen auf Seiten der EW Aadorf auch stetig zunehmen. Diese Lösung wäre nicht zukunftsgerichtet. Zudem mache es Sinn, dass die Feuerwehr und das EW Aadorf örtlich nahe beieinander sind. Zum Beispiel werden bei Wasserschäden beide Organisationen aufgeboten.
Ein anderer Diskussionspunkt war die Finanzierung. So habe man in den letzten Jahren den Steuerfuss hoch gehalten um die starke Verschuldung der Gemeinde abzubauen. Dies ist auch vorbildlich gelungen und der Verschuldungsgrad hat sich von 200 Prozent auf unter 140 Prozent gesenkt. Deshalb sei es laut Matthias Küng hält es für verkraftbar, eine zusätzliche Verschuldung aufzunehmen, und der Steuerfuss wird ebenfalls nicht erhöht werden müssen. Bei der Finanzierung stellte sich zudem die Frage, weshalb bei der EW Aadorf keine Geld durch den Erlös des Verkaufs der momentanen Liegenschaft eingerechnet ist. Momentan würde alles der Feuerwehr Zugute kommen. Matthias Küng pflichtete bei, dass gerne aufgenommen wird, aber keinen Einfluss auf die Höhe des Baukredit im Rahmen der Abstimmung habe.
Politisch sei die Vorlage stark abgestützt. Die SP, Grüne, FDP und SVP geben eine Ja-Parole heraus. Mitte und EVP hatten sich vorgängig noch nicht festgelegt. Einzig die EDU spricht sich gegen das Projekt aus. In ihren Augen müssten die Schulden zuerst vollständig abgebaut werden und sie hätten Angst, dass der Anteil der EW Aadorf durch Erhöhung der Wasser und Stromabgaben finanziert wird.
Matthias Küng bedankt sich bei allen Wortmeldungen und schliesst die Veranstaltung mit den Worten: «Ich hoffe, ich konnte Sie von der Dringlichkeit und der Qualität des Projekts überzeugen. Es ist ein Generationenprojekt und sichert die Zukunft der Feuerwehr und EW Aadorf für Jahrzehnte». Der Gemeinderat empfiehlt die Annahme des Baukredits in Höhe von 18,9 Millionen Franken Beim anschliessenden Apéro wurden noch letzten Unklarheiten geklärt um sich eine Meinung für die Urnenabstimmung am 27. September 2026. Man ist gespannt, ob sich die Aadorfer Bevölkerung vom Gemeinderat überzeugen lassen konnte.
ANDREJ BLASER




