Pfarreirat ist besonders nahe am Alltag der Menschen
18.08.2026 ElggEin Pfarreirat in der katholischen Kirche des Kantons Zürich ist ein freiwilliges Leitungsgremium auf Pfarreiebene. Er unterstützt das kirchliche Leben vor Ort, bringt Ideen aus der Gemeinde ein und hilft mit, dass eine Pfarrei nicht nur verwaltet wird, sondern lebendig bleibt. In Elgg ...
Ein Pfarreirat in der katholischen Kirche des Kantons Zürich ist ein freiwilliges Leitungsgremium auf Pfarreiebene. Er unterstützt das kirchliche Leben vor Ort, bringt Ideen aus der Gemeinde ein und hilft mit, dass eine Pfarrei nicht nur verwaltet wird, sondern lebendig bleibt. In Elgg sind acht Personen im Pfarreirat vertreten.
Im Kanton Zürich arbeiten katholische Pfarreien meist in einer Struktur zusammen, bei der es sowohl kirchliche Verantwortung (Pfarrer, Seelsorgeteam, in Elgg Gemeindeleiter Jürgen Kaesler) als auch staatskirchenrechtliche Organe gibt, etwa die Kirchgemeinde und Kirchenpflege. Der Pfarreirat ist dabei besonders nahe am Alltag der Menschen in der Pfarrei. Jürgen Kaesler erklärt im Folgenden auf Anfrage der «Elgger/Aadorfer Zeitung», wie der Pfarreirat in Elgg funktioniert und aufgebaut ist:
Der Präsident des Pfarreirates ist Andreas Müller, die weiteren derzeitigen Mitglieder sind: Jadwiga Keck, Dalia Scherrer, Colette Burri, Monika Scherrer, Käthy Turan, Isabella Dominguez und Jürgen Kaesler als Gemeindeleiter.
In der katholischen Kirche übernimmt ein Pfarreirat keine priesterlichen Aufgaben. Er feiert keine Sakramente und entscheidet nicht über Glaubenslehren. Stattdessen beschäftigt er sich mit Fragen des Gemeindelebens: Wie kann Gemeinschaft entstehen? Welche Angebote brauchen Familien, Jugendliche oder ältere Menschen? Wie kann Glauben im Alltag sichtbar werden? Mitglieder eines Pfarreirats bringen ihre Erfahrungen aus Beruf, Familie und Gesellschaft ein.
Viele Angebote ohne Freiwillige gar nicht möglich
Im Kanton Zürich arbeiten viele Pfarreiräte ehrenamtlich. Das bedeutet, dass die Mitglieder ihre Zeit freiwillig einsetzen und in der Regel keinen Lohn erhalten. Diese Freiwilligenarbeit ist für die katholische Kirche besonders wichtig, weil viele Angebote ohne ehrenamtliches Engagement gar nicht möglich wären. Dazu gehören Begegnungsanlässe, kulturelle Veranstaltungen, soziale Projekte oder Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Ein Pfarreirat organisiert oft Veranstaltungen für die Gemeinschaft. Dazu können Pfarreifeste, Fastenaktionen, Adventsfeiern oder Begegnungsabende gehören. Ebenso beteiligt sich der Rat an Diskussionen darüber, wie Gottesdienste familienfreundlicher oder verständlicher gestaltet werden können. In manchen Gemeinden hilft der Pfarreirat auch bei Kommunikationsaufgaben, etwa mit Pfarrblättern, sozialen Medien oder Informationsveranstaltungen.
Mitverantwortung von Laien in der Freiwilligenarbeit
Ein wichtiges Merkmal der Freiwilligenarbeit in der katholischen Kirche ist die Mitverantwortung der sogenannten Laien. Das sind Menschen, die keine Priester oder Ordensleute sind. Das Zweite Vatikanische Konzil hat diese Mitwirkung ausdrücklich gestärkt. Es versteht Kirche nicht nur als Aufgabe des Klerus, sondern als gemeinsame Verantwortung aller Gläubigen. Deshalb werden Menschen eingeladen, ihre Talente einzubringen.
Freiwilligenarbeit in einer Pfarrei kann sehr unterschiedlich aussehen. Manche Personen helfen im Kirchenchor, andere engagieren sich in der Jugendarbeit oder besuchen ältere Menschen. Wieder andere übernehmen Aufgaben in der Katechese, begleiten Erstkommunion- oder Firmgruppen oder helfen bei sozialen Projekten. Auch praktische Tätigkeiten wie Dekorationen, Kirchenkaffee oder Unterstützung bei Anlässen gehören dazu.
In Elgg besonders tragende Rolle der Freiwilligen
Für die katholische Pfarrei in Elgg ist die Situation besonders interessant, weil Elgg historisch stark reformiert geprägt ist und katholische Gemeinschaften oft bewusste Gemeinschaft pflegen müssen. Die katholische Präsenz ist kleiner als in grossen Städten, weshalb Freiwillige oft eine besonders tragende Rolle spielen. In kleineren Pfarreien kennen sich viele Menschen persönlich, was das Ehrenamt persönlicher und nahbarer macht.
Die katholische Kirche St. Georg ist die katholische Kirche in Elgg und gehört zur regionalen katholischen Struktur im Zürcher Oberland. Dort bedeutet Freiwilligenarbeit häufig, dass wenige engagierte Personen viele unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Das kann die Organisation von Feiern, Unterstützung von Familiengottesdiensten, Mitarbeit bei ökumenischen Anlässen oder soziale Hilfe umfassen.
Bindeglied zwischen Bevölkerung und Seelsorgeteam
Ein Pfarreirat wirkt als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und dem Seelsorgeteam. Mitglieder hören zu, welche Anliegen Menschen haben. Sie überlegen beispielsweise, ob es Angebote für Alleinstehende, Senioren oder junge Familien braucht. Auch Fragen wie Integration von Zugezogenen oder Gemeinschaft zwischen verschiedenen Kulturen können eine Rolle spielen.
Gerade in kleineren katholischen Gemeinschaften ist Ökumene wichtig. Das bedeutet Zusammenarbeit mit reformierten Gemeinden. Ein Pfarreirat kann gemeinsame Veranstaltungen fördern, etwa Suppentage, Friedensgebete oder soziale Projekte. Im Kanton Zürich ist diese Zusammenarbeit oft selbstverständlich, weil konfessionelle Grenzen im Alltag weniger stark erlebt werden als früher.
Gemeinschaft fördern und etwas zurückgeben
Freiwillige in der katholischen Kirche investieren oft mehrere Stunden pro Monat oder sogar pro Woche. Viele tun dies aus Glaubensüberzeugung. Andere möchten Gemeinschaft fördern oder etwas Sinnvolles für den Ort leisten. Manche engagieren sich, weil sie selbst gute Erfahrungen gemacht haben und etwas zurückgeben möchten.
Die Arbeit in einem Pfarreirat umfasst auch Diskussionen und Planung. Sitzungen finden regelmässig statt. Dort werden Jahresprogramme, Budgetwünsche oder neue Projekte besprochen. Gleichzeitig braucht es Offenheit für Konflikte und unterschiedliche Meinungen. Kirche besteht aus Menschen mit verschiedenen Erwartungen.
Ein weiterer Bereich der Freiwilligenarbeit ist soziale Verantwortung. Katholische Pfarreien unterstützen häufig Menschen in Not, organisieren Hilfsaktionen oder beteiligen sich an Projekten gegen Einsamkeit. Gerade ältere Menschen profitieren oft von Besuchsdiensten oder Gemeinschaftsanlässen.
In Elgg kann Freiwilligenarbeit zusätzlich helfen, die katholische Gemeinschaft sichtbar zu machen. Kleine Gemeinden leben oft stark davon, dass Mitglieder aktiv teilnehmen. Ohne Ehrenamt würden viele Begegnungen oder Veranstaltungen schlicht nicht stattfinden.
Team von engagierten Menschen
Ein Pfarreirat ist also kein «Verwaltungsrat einer Firma», sondern eher ein Team von engagierten Menschen, das gemeinsam Verantwortung übernimmt. Die Mitglieder überlegen, wie Glauben, Gemeinschaft und Hilfe konkret gelebt werden können. Sie vertreten Anliegen aus der Bevölkerung und helfen, die Zukunft der Pfarrei mitzugestalten.
Die katholische Kirche im Kanton Zürich ist in hohem Masse auf Freiwillige angewiesen. Priester und Seelsorgende allein könnten die Vielzahl an Aufgaben nicht bewältigen. Freiwilligenarbeit bedeutet daher nicht nur Hilfe, sondern echte Mitgestaltung kirchlichen Lebens.
Wer sich in einem Pfarreirat engagiert, sammelt oft Erfahrungen in Organisation, Kommunikation und sozialem Umgang. Viele beschreiben das Ehrenamt als bereichernd, weil sie neue Menschen kennenlernen und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig braucht es Geduld und Bereitschaft, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten.
In einer Gemeinde wie Elgg kann die Nähe zu den Menschen ein besonderer Vorteil sein. Probleme oder Bedürfnisse werden schneller wahrgenommen. Gleichzeitig ist man stärker auf persönliche Motivation angewiesen. Wenn einzelne Personen aufhören, entsteht oft eine spürbare Lücke.
Zusammengefasst erfüllt ein Pfarreirat im Kanton Zürich vor allem eine pastorale und gemeinschaftliche Funktion. Er stärkt das Leben der Pfarrei, organisiert Aktivitäten und bringt Menschen zusammen. Besonders in kleineren katholischen Gemeinden wie Elgg ist freiwilliges Engagement eine zentrale Grundlage dafür, dass kirchliches Leben überhaupt sichtbar und lebendig bleibt.
BETTINA STICHER
Freiwilligenarbeit im Fokus
Ohne ehrenamtliches Engagement von engagierten Menschen jeden Alters würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Gemäss dem Bundesamt für Statistik waren in der Schweiz im Jahr 2024 etwa 2,9 Millionen Personen für andere oder die Allgemeinheit im Einsatz. Sie haben dafür im Durchschnitt rund 3,9 Stunden pro Woche unbezahlt gearbeitet.
Die Freiwilligenarbeit umfasst unentgeltliche Tätigkeiten für eine Organisation, einen Verein oder eine öffentliche Institution (institutionalisierte Freiwilligenarbeit) und unbezahlte Hilfeleistungen aus persönlicher Initiative für Personen, die nicht im selben Haushalt leben (informelle Freiwilligenarbeit).
Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Das Jahr würdigt den weltweiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beitrag von Ehrenamtlichen und soll das Engagement für die UN-Nachhaltigkeitsziele stärken.
Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, gibt es viele, auch in den Gemeinden im Einzugsgebiet der «Elgger/Aadorfer Zeitung». In einer losen Serie werden Freiwillige, ihre Einsatzorte und Aufgaben vorgestellt.


