Pessimisten haben recht, Optimisten Erfolg
06.01.2026 AadorfBeim Neujahrsapéro im vollen Gemeindesaal blickte Gemeindepräsident Matthias Küng auf zehn Jahre Amtszeit zurück, würdigte Erreichtes und erinnerte an bewegende Momente. Der Anlass erfreute sich einmal mehr grosser Beliebtheit.
Traditionsgemäss ...
Beim Neujahrsapéro im vollen Gemeindesaal blickte Gemeindepräsident Matthias Küng auf zehn Jahre Amtszeit zurück, würdigte Erreichtes und erinnerte an bewegende Momente. Der Anlass erfreute sich einmal mehr grosser Beliebtheit.
Traditionsgemäss lädt die Politische Gemeinde Aadorf die Bevölkerung am 1. Januar zum Neujahrsapéro in den Gemeindesaal ein, um auf das neue Jahr anzustossen. Auf dem Programm standen Darbietungen der Bürgermusik Ettenhausen und der Musikgesellschaft Aadorf sowie die Ansprache durch Gemeindepräsident Matthias Küng und natürlich der Apéro als krönender Abschluss. Nach dem musikalischen Auftakt durch die Ettenhausener begrüsste Gemeinderat Patrick Meyer, Ressort Kultur, Freizeit und Sport, die zahlreich erschienenen Gäste. Sein Ressort zeichnete sich für Organisation und Durchführung verantwortlich. Dass die beiden lokalen Musikvereine ihre Teilnahme bereits im Frühling zugesagt hätten, habe ihn besonders gefreut. «Dieses Miteinander, das gemeinsame Anpacken, ist ein schönes Zeichen in einer von Egoismus geprägten Zeit.» Das tragische Unglück in der Silvesternacht in einer Bar in Crans-Montana, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen und über hundert verletzt wurden, warf auch auf den Anlass in Aadorf seine Schatten. Der Gemeindepräsident gedachte zu Beginn der Opfer, der Verletzten und der Angehörigen.
Rückblick auf zehn Jahre als Gemeindepräsident
Küng steht der Gemeinde seit einem Jahrzehnt vor – er erzählte, dass sein Motto am 1. Januar 2016 «Premiere» gewesen sei: Sowohl für die Bevölkerung wie auch für ihn sei es die erste gemeinsame Neujahrsfeier gewesen. Er dankte seinen Vorgängern dafür, dass er eine gut funktionierende Gemeinde habe übernehmen dürfen. Er blickte auf viele umgesetzte Projekte zurück, auf Gemeindeversammlungen und auf einen Biber, der im Buchwiesenquartier damals sehr aktiv war – das Tier habe seinen Lebensraum stetig ausgeweitet und kein Baum sei vor seinen Zähnen sicher gewesen. Zwei Jahre später stellte er Anfang Jahr die Frage, ob aus der Eidgenossenschaft eine Neidgenossenschaft geworden sei – der Individualismus habe im Zentrum seiner Rede gestanden. «Selbstoptimierung, ein Wort, das mich damals wie heute beschäftigt. Es ist für mich ein Mysterium, wie sich manche innerhalb unserer Gesellschaft bewegen.» Positiver tönte es ein Jahr später. Im Zuge des Wahljahres und damit einer neuen Legislatur habe er zwei frische Mitglieder im Rat begrüssen dürfen; zur Wahl gestellt hatten sich fünf Personen, für viele Gemeinden heutzutage eine Wunschvorstellung. Mit der Corona-Pandemie folgte ein düsteres Kapitel. «Die Pandemie hat viel Unsicherheit gebracht. Am härtesten getroffen hat es Kinder und ältere Menschen. Viele sind in dieser Zeit noch einsamer geworden. Und viele haben ihr Vertrauen in den Staat und die Behörden bis heute verloren.»
Veränderungen mit Konstanten
Vor drei Jahren standen Veränderungen im Mittelpunkt. «Es stehen immer Veränderungen an, sie prägen unser Leben. Sehen wir in ihnen eher Chancen oder eher Risiken?» Am besten stehe man ihnen offen gegenüber. Auf politischer Ebene wurden der Kredit für das Reservoir Fohrenberg und eine Steuererhöhung gutgeheissen, an der Urne der neue Zonenplan und das Baureglement angenommen. «Das Versprechen zum Schuldenabbau konnten wir einhalten – ja, sogar noch mehr abbauen als geplant.» Ebenfalls erfreulich empfand er die vier neuen Kollegen im Gemeinderat. Um die freiwerdenden Sitze hätten sich wiederum mehr Kandidierende bemüht, als Mandate zu vergeben waren. Allerdings verändere sich nicht alles, gewisse Ermahnungen wiederhole er jährlich: «Für Toleranz und Dankbarkeit im Alltag. Mehr Zufriedenheit, Gelassenheit und Humor.»
Im Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate habe vor allem die Platzierung abgewiesener Asylsuchender zur reden gegeben. Aus der Anwohnerschaft geäusserte Befürchtungen hätten sich zum Glück als unbegründet erwiesen, die Neuzugezogenen hätten sich anständig und friedlich verhalten.
Am Ende seiner Rede entschuldigte Küng sich für den etwas länger und ausführlicheren Rückblick dieses Mal, aber schliesslich sei man nur einmal zehn Jahre im Amt. Auf das neue Jahr blickt er trotz einer Welt in Schieflage positiv: «Pessimisten mögen recht, Optimisten aber Erfolg haben.»
Die Adorferinnen und Aadorfer werden über die Wasserpreise und den Neubau des Feuerwehr- und EW-Gebäudes zu befinden haben. Auch stehen Erneuerungswahlen an, und: «Wir dürfen gespannt sein, welches neue Projekt die Schulbehörde erarbeitet.» Bevor er die Bühne freigab, dankte er allen, die mit ihrem Engagement Veranstaltungen wie diese überhaupt erst möglich machen.
«Es guets Neus!»
Den zweiten Teil bestritten beide Musikvereine zunächst gemeinsam, bevor die Bühne den Aadorfern gehörte. Das «Thurgauer Lied» verlieh dem Abend einen festlichen Rahmen, und manch einer erhob sich, um mitzusingen – Ehre, wem Ehre gebührt.
Der sich verbreitende Duft von Suppe kündigte den Apéro an: ein erster Höhepunkt im noch jungen Jahr. Weinsuppe, Meterbrote mit verschiedenen Belägen, für das gute Gewissen Fruchtsalat und ein reichhaltiges Getränkebuffet luden zum Beisammensein. Das Angebot wurde rege genutzt; bisweilen gab es kaum ein Durchkommen zwischen den Stehtischen – «Es guets Neus» waren logischerweise die meistgehörten Worte.
MARIANNE BURGENER

