Parkgebühren sollen das Verkehrschaos verhindern
28.04.2026 ElggDas Parkieren beim Schwimmbad Elgg ist ab dieser Saison nicht mehr kostenlos. Grund sind das Verkehrschaos an schönen Tagen und der Wegfall von Parkplätzen. Der Entscheid des Gemeinderats sorgt in der Bevölkerung für Diskussionen.
An schönen Tagen kam es in den ...
Das Parkieren beim Schwimmbad Elgg ist ab dieser Saison nicht mehr kostenlos. Grund sind das Verkehrschaos an schönen Tagen und der Wegfall von Parkplätzen. Der Entscheid des Gemeinderats sorgt in der Bevölkerung für Diskussionen.
An schönen Tagen kam es in den letzten Jahren rund um das Freibad in Elgg, das etwa einen Kilometer ausserhalb des Zentrums liegt, regelmässig zu Verkehrsproblemen. Besonders an Wochenenden, Freitagabenden und Mittwochnachmittagen hat das Verkehrsaufkommen stark zugenommen. Das «Schwümbi» verfügt über 37 offizielle Parkplätze und aktuell rund 60 «inoffizielle» Parkplätze auf der Wiese entlang des Velostreifens. Ab der Badesaison, die am 10. Mai beginnt, sollen sie pauschal 8 Franken kosten.
Mit der Parkgebühr will der Elgger Gemeinderat den Verkehr regulieren, nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen. Ziel ist es, das Verhalten der Besucherinnen und Besucher zu lenken.
Zusätzlich wird ein Fahrverbot für den Horbenweg eingeführt. Ausgenommen sind Anwohner und die Landwirtschaft. Denn bisher konnten auch Fahrzeuge auf der Wiese entlang des Horbenwegs abgestellt werden. Diese Möglichkeit steht nicht mehr zur Verfügung, da die Landbesitzer die Bewilligungsvereinbarung gekündigt haben. Damit entfallen rund 60 Parkplätze.
«Es geht uns nicht darum, den Schwimmbadbesuch unattraktiv zu machen», erklärt die zuständige Gemeinderätin Stephanie Hugentobler. «Sondern darum, eine Situation in den Griff bekommen, die so nicht mehr funktioniert hat. Dazu gehört auch, den Parksuchverkehr zu reduzieren und die vorhandenen Plätze gezielter zu nutzen. Seit Jahren wird beobachtet, dass Personen zunehmend allein mit dem Auto anreisen. Das ungeordnete Parkieren hat immer wieder zu unübersichtlichen Situationen geführt. Es ging teilweise chaotisch zu und her, mit heruntergerissenen Absperrungen und umplatzierten Signalisationen, Suchverkehr, Wendemanövern, falsch abgestellten Fahrzeugen sowie gereizten Reaktionen.» Für die Anwohner, die Gemeinde, die anderen Badegäste und nicht zuletzt für das Bademeister-Team, das letztendlich auch für den Parkplatz zuständig ist, sei dies eine unhaltbare Situation gewesen.
Alternativen bisher wenig genutzt
Zur Anreise mit dem Auto gibt es verschiedene Alternativen. Seit vergangenem Jahr befindet sich eine Postautohaltestelle direkt beim Schwimmbad. Auch der Besuch mit dem Velo oder dem Töff ist möglich. Parkplätze für Zweiräder sind ausreichend vorhanden. Für mobilitätseingeschränkte Personen existieren zudem separate Parkiermöglichkeiten.
Die gewünschte Wirkung der Bushaltestelle ist gemäss Hugentobler allerdings bisher ausgeblieben. «Wir haben letztes Jahr mehrfach dazu aufgerufen, den öffentlichen Verkehr zu nutzen, der Effekt war jedoch gering.» Der Gemeinderat hoffe, dass sich das dieses Jahr nun ändert und die Parkgebühr auch dazu führt, dass Autos wieder stärker ausgelastet und auch Fahrgemeinschaften gebildet werden.
Kritik aus der Bevölkerung
In der Bevölkerung sorgt vor allem die Höhe der Gebühr für Unmut. Die Situation wird mit anderen Freibädern verglichen, wo das Parkieren oft kostenlos ist, oder mit dem Städtli, wo es Zeitbegrenzungen oder abgestufte Gebühren gibt. Hugentobler dazu: «Die 8 Franken entsprechen dem Tarif einer Parkier-Tageskarte im Städtli. Eine Gebühr muss eine gewisse Wirkung haben. Wenn sie zu tief ist, ändert sich am Verhalten wenig, und genau das wollen wir vermeiden.»
Zudem wird von der Bevölkerung die Frage gestellt, ob nicht andere Lösungen möglich gewesen wären. Es laufen auch bereits Unterschriftensammlungen für einen Rekurs gegen den Entscheid der Exekutive. Ein allfälliger Rekurs, der auch von Einzelpersonen möglich sei, müsse bis zum 30. April beim Bezirksrat Winterthur sein, erklärt Stephanie Hugentobler.
Die Gemeinderätin zeigt Verständnis für die Reaktionen, wie sie zum Beispiel in Leserbriefen in der «Elgger/ Aadorfer Zeitung» publiziert wurden, betont aber die schwierige Ausgangslage: «Der Bau zusätzlicher Parkplätze steht nicht zur Diskussion. Das Elgger Schwümbi ist von Landwirtschaftsland und Wald umgeben. Mit tieferen Tarifen lösen wir das Problem des hohen Verkehrsaufkommens inklusive Suchverkehr nicht und darum geht es dem Gemeinderat. Der Griff zum Autoschlüssel soll bewusst gefällt werden.»
Zudem räumt sie ein: «Vielleicht hätten wir schon in den Vorjahren reagieren müssen und nicht einfach auf eine Verbesserung hoffen». Jetzt sei der Druck aber so gross geworden, dass man habe handeln müssen.
Pilotphase und mögliche Anpassungen
Die neue Regelung wird zunächst während einer Saison als Pilotprojekt getestet und anschliessend ausgewertet. Allfällige weitere Massnahmen werden geprüft. Schon jetzt umgesetzt wird nebst den Gebühren und dem Fahrverbot die Bezeichnung von Parkfeldern auf dem offiziellen Parkplatz. Dies damit die 37 Plätze optimal genutzt werden. Zudem gibt es bei grossem Besucheraufkommen wie erwähnt die provisorischen rund 60 Parkmöglichkeiten auf der Wiese unterhalb des Schwimmbads. Der Landwirt und Landbesitzer stellt sie auch dieses Jahr wieder zur Verfügung. Falls sich die Situation jedoch nicht verbessere, könnte auch hier irgendwann Schluss sein – wenn dem Bauern nämlich weiterhin mit Abfall im Gras oder Heu gedankt werde oder die Polizei kein Auge mehr zudrücke, weil sich die Parkiersituation nicht beruhige.
Das Parkieren über Mittag während zweier Stunden bleibt unter der Woche weiterhin kostenlos, damit man in dieser Zeit schwimmen oder essen gehen kann. Zudem prüft die Gemeinde zusätzliche Massnahmen, etwa Ausnahmen für Bewohner mit einer Distanz von mehr als 750 Metern Luftlinie zur nächsten ÖV-Anbindung.
Auch andere Ansätze wurden diskutiert und werden erneut geprüft, zum Beispiel eine kostenlose Busfahrt für Elggerinnen und Elgger. Stephanie Hugentobler: «Wir sind jederzeit offen für Gespräche und weitere Ideen.»
BETTINA STICHER




