Neubau Löhracker: Einfach schön oder einfach (zu) teuer?
28.08.2025 AadorfReger Aufmarsch am letzten Informationsanlass vor dem Urnengang am 28. September zum Neubauprojekt im Löhracker. Vorgestellt wurden Pläne, Kosten und der dringende Bedarf an zusätzlichem Schul- und Betreuungsraum – bevor die kritischen Fragen aus dem Publikum die Diskussion ...
Reger Aufmarsch am letzten Informationsanlass vor dem Urnengang am 28. September zum Neubauprojekt im Löhracker. Vorgestellt wurden Pläne, Kosten und der dringende Bedarf an zusätzlichem Schul- und Betreuungsraum – bevor die kritischen Fragen aus dem Publikum die Diskussion eröffneten.
Die Bedeutung des Neubauprojekts im Löhracker bewegt. Das zeigt sich einerseits an den eindrücklichen Zahlen von Umfang und Kosten, sei es am errechneten Schülerzuwachs, aber auch daran, wieviel Interessierte sich am Montagabend zum Informationsanlass einfanden: Gegen 150 Personen versammelten sich in der Aula – ihnen gegenüber ein Podium mit acht Fachpersonen aus Schulbehörde, Architektur- und Planungsbüro.
Schulpräsidentin Astrid Keller begrüsste die Gäste und erläuterte gleich zu Beginn den Bedarf an neuem Schulraum: «Aadorf wächst stark, in 15 Jahren werden wir voraussichtlich rund 200 Schüler mehr haben als heute. Deshalb brauchen wir mehr Schulräume, einen zusätzlichen Kindergarten, eine Turnhalle sowie Fach- und Lehrerräume.» Danach übergab sie das Wort an Sascha Mayer vom Architekturbüro Antoniol, Huber und Partner aus Frauenfeld, das mit dem Projekt «einfach schön» die öffentliche Ausschreibung gewonnen hatte. Vorgestellt wurde das Projekt bereits an der Aadorfer Messe inklusive einer Grobkostenannahme; jetzt liegen die Pläne und Kosten detailliert vor. Mayer zeigte Visualisierungen und erklärte die durchdachte Raumaufteilung sowie die Einbettung in die bestehende Umgebung: «Die zwei neuen Gebäude bilden einen Lärmriegel gegen die angrenzenden Einfamilienhäuser, den Abstand haben wir auf 10 Meter erhöht, damit eine grosszügige Grünzone entsteht. Geplant ist eine nachhaltige Holzkonstruktion über zwei Geschosse mit einem Laubengang und begrünten Stützen.» Das Ziel sei nicht, etwas komplett anderes zu bauen, sondern etwas, das sich perfekt in die bestehende Gebäudelandschaft einfüge.
Durchdacht, nachhaltig und vorausschauend
Zukunftsgerichtet wirkt der Ansatz, die Klassenzimmer nicht isoliert zu bauen, sondern jeweils zwei mit einem angrenzenden Gruppenraum zu einer Einheit zu verbinden. Im Obergeschoss entstehen vier solcher Einheiten, ergänzt durch eine Aula mit Platz für 150 Personen sowie eine Mensa mit ebenso vielen Sitzplätzen für die Mittagsbetreuung. Im Erdgeschoss sind weitere Schul- und Werkräume, Büros, Lehrerzimmer sowie Räume für die Schulergänzende Betreuung (SEB) vorgesehen, die momentan in externen Gebäuden eingemietet ist. Im Untergeschoss befindet sich die neue Turnhalle mit Geräte- und Nebenräumen.
Im zweiten Gebäude, auf der anderen Seite des blauen Platzes, soll ein eingeschossiger Dreifach-Kindergarten entstehen. «Momentan sind die zwei bestehenden Kindergärten aufgrund von Platzmangel an der Schulstrasse in Provisorien untergebracht. In Zukunft sollen alle Kindergärtler an einem Ort betreut und die Räume an der Schulstrasse wieder der vorgesehenen Nutzung zugeführt werden», wie Nino Heider, Verantwortlicher des Ressorts Liegenschaften, erklärte.
Auf der Dachfläche ist eine Photovoltaik-Anlage vorgesehen, die den Strom für die obligatorische Schulraum- und Turnhallen-Kühlanlage produziert.
Kostenaufstellung und geplante Finanzierung
Nach der Präsentation des Projekts übernahm Philipp Klay von der Firma Forster und Burgmer AG das Mikrofon, verantwortlich für die Bauleitung und die Baukostenplanung. Die vorliegende Rechnung sei eine Kostenschätzung Plus: «Das bedeutet, dass die veranschlagten 35,5 Millionen Franken mit einer Genauigkeit von plus/minus 10 Prozent kalkuliert wurden.» Er führte aus, wie sich der Betrag zusammensetzt und wie er zustande kam. Der grösste Posten ist mit über 27 Millionen das Gebäude, gefolgt von der Umgebung und den Vorbereitungsarbeiten. Um die Kosten einzuordnen, zeigte er eine Folie mit einem Plausibilitätsvergleich zu ähnlichen Projekten, der die Baukosten pro Kubikmeter ausweist. Dabei schneidet das Projekt «Löhracker» mit rund 1310 Franken pro Kubikmeter gut ab – zum Vergleich: das Schulhaus Müllheim liegt bei 1400, die Schule Bürglen bei 1566 Franken.
Im Anschluss erklärte Brigitta Minikus Rüegg, Leiterin Administration der Schulen Aadorf, anhand komplexer Aufstellungen, wie der Neubau finanziert werden soll – mit welchen Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen und, besonders interessant für die Anwesenden, mit welchem Einfluss auf die Steuerzahlenden. Hauptsächlich getätigt werden die Investitionen in den Jahren 2027 (15 Millionen) und 2028 (18 Millionen). Zusammengefasst geht Rüegg davon aus, dass der (Schul-)Steuerfuss bei momentan 94 Prozent bleiben wird. Trotz der grossen Investitionen blickt Minikus Rüegg positiv in die Zukunft: «Die langfristige Planung bis 2034 zeigt, dass wir dann über ein solides Eigenkapital verfügen werden und der Nettoverschuldungsquotient wieder auf ein gesundes Mass gesunken sein wird. Aber natürlich ist die hohe Summe für unsere Finanzen eine Herausforderung!»
Dem schloss sich Astrid Keller an; auch sie versicherte, dass der Steuerfuss nicht angehoben werde. Bevor sie die Fragerunde einleitete, warb sie noch einmal vehement für die Notwendigkeit des Neubaus: «Ich bin überzeugt, dass ein so umfangreiches Volumen nicht günstiger zu haben ist. Wir bauen für die Kinder von heute und morgen. Kleiner bauen wäre sinnlos, Aadorf wächst in den nächsten 15 Jahren um 20 Prozent. Durch einen haushälterischen Umgang mit dem Geld reicht der heutige Steuerfuss für die Finanzierung.» Nächster wichtiger Termin sei der 28. September, wo unbedingt ein Ja in die Urne gelegt werden müsse, damit die neuen Räume im Sommer 2028 bezugsbereit seien.
Brennpunkt Kostensicherheit
Nach knapp einer Stunde wurde die Diskussion für etwa eine weitere Stunde eröffnet. Wer dachte, nach zwei, drei Voten den Heimweg antreten zu können, sah sich getäuscht. Besonders die Frage nach einem «Plan B» für den Fall eines negativen Urnenentscheids sowie die hohen Baukosten erforderten ausführliche Erklärungen. Nach einem Nein würde das Container-Provisorium als (befristetes) «Durisorium» genutzt, was alles andere als optimal wäre, denn: Mit 900’000 Franken Miete im Jahr, zu wenig Raum für Betreuungsangebote, zu wenig Nasszellen und keiner Turnhalle würde es den Bedürfnissen in keiner Weise gerecht, wie die Schulbehörde vereint mit Nachdruck betonte. Hauptanliegen aus dem Publikum waren die hohen Kosten; gleich mehrere Fragen drehten sich um diesen Punkt. Das Misstrauen im Saal war gross und dürfte die Befürchtung vieler widerspiegeln, dass die Baukosten trotz eingerechneter Reserve noch steigen könnten – mit direktem Einfluss auf den Steuerfuss. Immer wieder mussten die Referenten Stellung zu den Berechnungen nehmen, schliesslich war das Projekt an der Aadorfer Messe im letzten Jahr um einiges günstiger präsentiert worden. Astrid Keller erklärte, dass damals lediglich eine Grobkostenschätzung vorlag und: «Heute liegt eine detaillierte Planung mit einem optimalen Raumkonzept vor, darin ist alles vorschriftsgemäss eingeplant, von den Eco-P-Energievorschriften, der Raumkühlung, über den verschärften Brandschutz bis hin zum Grundwasserdurchfluss-Gesetz und 36 zusätzlichen Parkplätzen, alles ist berücksichtigt.»
Eine Wortmeldung aus dem Saal, die Kostensicherheit und planerisches Vorgehen anzweifelte, erntete gar Applaus.
Überhöhte Ansprüche oder schlichte Notwendigkeit?
Dem Wunsch nach Vermassung der Pläne versprach der Architekt, nachzukommen. Er beantwortete auch die Frage, ob der Neubau erweiterungsfähig ist: «Wenn der Schulraum in 15 oder 20 Jahren nicht mehr ausreichen sollte, kann das Gebäude problemlos aufgestockt werden, Statik und Bau lassen dies zu.»
Für die Präsidentin war es ein anstrengender Abend: Wiederholt musste sie zu den Kosten Stellung nehmen und ab und zu Kritik einstecken. Dennoch liess sie sich nie aus der Ruhe bringen, beantwortete die Fragen geduldig und begründete mehrfach fundiert das Bedürfnis nach zwölf neuen Klassenzimmern – basierend auf dem prognostizierten Wachstum Aadorfs inklusive Aussengemeinden. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass der eingeschlagene Weg richtig und wichtig ist und nach der Abstimmung wie geplant weitergeführt werden kann.
Nach Ende des Anlasses wurde rege weiter diskutiert – im Saal, im Flur oder draussen beim Veloständer. Für die einen ein überteuertes Projekt, für die anderen eine notwendige Investition in Bildung und damit in die Zukunft unserer Gesellschaft.
MARIANNE BURGENER