Nein zur Täuschung
28.05.2026 Leserbriefe.Die Schweizer Bevölkerung ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Das bringt Herausforderungen mit sich – etwa beim Wohnraum, im Verkehr oder bei der Infrastruktur. Doch die «Nachhaltigkeitsinitiative», über die wir am 14. Juni abstimmen, bietet dafür keine ...
Die Schweizer Bevölkerung ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Das bringt Herausforderungen mit sich – etwa beim Wohnraum, im Verkehr oder bei der Infrastruktur. Doch die «Nachhaltigkeitsinitiative», über die wir am 14. Juni abstimmen, bietet dafür keine Lösungen. Sie lenkt von den eigentlichen Ursachen ab und schafft zusätzliche Probleme.
Der Titel der Initiative klingt harmlos und verantwortungsvoll. Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch rasch, worum es tatsächlich geht: Die Vorlage richtet sich in erster Linie und pauschal gegen Ausländerinnen und Ausländer. Anstatt konstruktive Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu liefern, werden Ängste geschürt und Spannungen gegenüber unseren europäischen Nachbarn provoziert. Das ist weder nachhaltig noch zukunftsorientiert.
Gerade die Wohnungsnot zeigt, wie komplex die Ursachen vieler Probleme sind. Nicht nur die Zuwanderung trägt dazu bei. Vielerorts entstehen Wohnungen, die sich Normalverdienende kaum leisten können und auch mit älterem Wohnraum werden immer höhere Renditen erzielt. Gefragt wären deshalb gezielte und vernünftige Massnahmen in der Wohnpolitik – nicht einfache Schuldzuweisungen.
Auch unser eigenes Verhalten spielt eine Rolle. Der steigende Flächenverbrauch pro Person und die ständig zunehmende Mobilität belasten Ressourcen und Umwelt zusätzlich. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss solche Fragen ehrlich diskutieren, statt einzelne Bevölkerungsgruppen zum Sündenbock zu machen.
Die Schweiz ist auf Menschen angewiesen, die hier arbeiten, Verantwortung übernehmen und zum Funktionieren unserer Gesellschaft beitragen – unabhängig davon, woher sie kommen. Viele Zugewanderte leisten täglich einen wichtigen Beitrag in Pflege, Gewerbe, Forschung oder Dienstleistungen.
Darum braucht es keine Politik der Ausgrenzung, sondern Lösungen mit Augenmass und Bereitschaft zum Kompromiss. Stimmen wir am 14. Juni Nein zu dieser Initiative und setzen wir auf eine Politik, die Probleme ernsthaft angeht, statt Vorurteile zu bedienen.
FLORIAN JUD, AADORF
