Narrenfreiheit
21.02.2026Diese Kolumne erscheint zur Fastnacht, der Zeit der Narren und der Narrenfreiheit. In früheren Zeiten war der Narr die Figur, die dem Fürsten Dinge sagen konnte, die sonst niemand von sich geben durfte, ohne im Loch zu landen oder noch schlimmer. Zur Fastnachtszeit dürfen Menschen ...
Diese Kolumne erscheint zur Fastnacht, der Zeit der Narren und der Narrenfreiheit. In früheren Zeiten war der Narr die Figur, die dem Fürsten Dinge sagen konnte, die sonst niemand von sich geben durfte, ohne im Loch zu landen oder noch schlimmer. Zur Fastnachtszeit dürfen Menschen sich verkleiden und in andere Rollen schlüpfen. Sie können sich maskiert benehmen wie es unter dem Jahr kaum möglich ist. Man darf frech sein, vielleicht auch etwas obszön, Streiche spielen oder den zivil Gekleideten zum Gaudi zum Beispiel Eiswürfel oder Sägemehl den Rücken runterlassen. Alkohol – es sei nicht verschwiegen – spielt an der Fastnacht durchaus auch eine Rolle. Insbesondere in den Fastnachthochburgen wie Basel und Luzern, vom deutschen Karneval gar nicht zu reden, hat noch etwas Tradition: Man darf den Regierenden den Spiegel vorhalten, sie auf die Schippe nehmen und karikieren. Das stellt, wenn es gut gemacht ist, keine Bösartigkeit dar, sondern enthält nebst Biss und Spott, Humor und Ironie und ermöglicht vor allem dem Betroffenen selbst, darüber zu schmunzeln.
Bei aktuellen Figuren vergeht einem leider das Schmunzeln. Wer dem Kriegstreiber im Osten die Meinung sagen will, tut das nicht lange, verschwindet im Gefängnis oder im Lager. Mir kommt der uralte Witz in den Sinn: «Frage an Radio Eriwan: Stimmt es, dass Väterchen Breschnew alle Witze sammelt, die man über ihn macht? Antwort: Ja, er sammelt aber auch alle Menschen, die die Witze über ihn machen.»
Im Westen würde man die Demokratie vermuten. Aber wer dort den «orangen» Narzissten in Frage stellt oder opponiert, wird als Demokrat:in innerer Feind genannt, als Journalist:in oder Musiker:in übel heruntergemacht und als Migrant:in bekommt man es mit der ICE zu tun, die leider sehr an die Gestapo erinnert. Den Narr gab am WEF in Davos unser Bundespräsident, der ihm zu verstehen gab, ohne ihn sei das WEF kein richtiges WEF. Zum Fremdschämen!
Von Meinungsäusserungsfreiheit geschweige denn Narrenfreiheit können auch die Menschen im Iran leider nur träumen! Das Mullah Regime knüppelt und schiesst jede Opposition nieder. Schöpft man Hoffnung für die Iraner:innen, hat die Gewalt leider einmal mehr gesiegt. Oben erwähnter Präsident lässt Kriegsschiffe auffahren, womit den Menschen herzlich wenig geholfen ist. Die Liste solcher Regimes liesse sich leider beliebig verlängern.
Wir wählen zwei Wochen nach der Fastnacht unsere Gemeindebehörden.
Was für ein Gegensatz! Unsere demokratischen Rechte leben und insbesondere das Mehrparteiensystem erweist sich einmal mehr als ausserordentlich bewährtes Mittel der Konkordanz, des Miteinanderarbeitens und -auskommens. Und wer weiss, vielleicht finden sich die eine oder der andere Kandidat in einem Fastnachtssujet und können darüber lachen.
Weniger zum Lachen finde ich den Abstimmungskampf um die SRG-Gebühren. Die Spitze muss wieder mal die SVP bilden. Ginge ihr Plakat «linke Gebührenhölle» mit dem grüsigen roten Teufel (!) noch als derbes Fastnachtsujet durch, ist es in einer demokratischen Auseinandersetzung einfach nur primitive Provokation. Ein Grund mehr, Nein zu stimmen.
Bewahren und geniessen wir unsere Narrenfreiheit! Prost!

