Kritiker der Nachhaltigkeitsinitiative beklagen, die Initiative biete keine Lösungen für bestehende Probleme. Dies ist normal: Ein Artikel in der Bundesverfassung (BV) stellt keine Lösung dar, sondern eine Vorgabe für den Bundesrat, in welche Richtung sein Handeln gehen muss. ...
Kritiker der Nachhaltigkeitsinitiative beklagen, die Initiative biete keine Lösungen für bestehende Probleme. Dies ist normal: Ein Artikel in der Bundesverfassung (BV) stellt keine Lösung dar, sondern eine Vorgabe für den Bundesrat, in welche Richtung sein Handeln gehen muss. Wie eine solche Vorgabe umgesetzt werden kann, ist in keinem Initiativtext enthalten. Die Nachhaltigkeitsinitiative ruft dazu auf, die Zuwanderung zu begrenzen und damit wieder vermehrt auf eigene Kräfte zu vertrauen.
Bei einer Annahme der Initiative gilt es, Wege zur Behebung von Missständen zu entwickeln, zum Beispiel der Behebung des Ärztemangels. Seit 1998 gibt es eine Begrenzung des Zugangs zum Medizinstudium. Die jungen Menschen mit dem Wunsch, Arzt zu werden, müssen einen anspruchsvollen Eignungstest absolvieren – zwei Drittel bestehen ihn nicht. An den Universitäten der Deutschschweiz ist er trotz dem zunehmend problematischen Ärztemangel immer noch in Kraft. Die Präsidentin der FMH, Yvonne Gilli, betont seit längerem, dass mehr Ärzte in der Schweiz ausgebildet werden müssen. Die Schaffung von Ausbildungsund Weiterbildungsplätzen aber kostet. Es sieht so aus, dass wir uns aus Kostengründen auf die Zuwanderung von Ärzten aus dem Ausland, vorwiegend aus Deutschland, aber auch Frankreich und Italien verlassen. Diese Länder haben also die Ausbildung von 40 Prozent unserer Ärzte bezahlt – wirklich peinlich für ein wohlhabendes Land wie die Schweiz!
Bekannt ist aber, dass europaweit ein Ärztemangel herrscht, weshalb diese Quellen früher oder später versiegen werden. Warum soll es uns nicht gelingen, selbst genügend Ärzte auszubilden und sie dann auch im Beruf zu halten? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!
DR. MED. SABINE VUILLEUMIER, GUNTERSHAUSEN