Momentaufnahmen: Weltmeisterschaften
13.06.2026 SportZuerst der Rückblick: Was waren das für tolle Eishockeyweltmeisterschaften in Zürich (und Freiburg)! Eine begeisternde Schweizer Mannschaft, die mit vielen Toren in den Final stürmte und dort leider zum dritten Mal hintereinander scheiterte. Wie hätten wir ihr den Sieg ...
Zuerst der Rückblick: Was waren das für tolle Eishockeyweltmeisterschaften in Zürich (und Freiburg)! Eine begeisternde Schweizer Mannschaft, die mit vielen Toren in den Final stürmte und dort leider zum dritten Mal hintereinander scheiterte. Wie hätten wir ihr den Sieg gegönnt! Aber ja, wer in drei Finalspielen kein Tor erzielt, wird halt nicht Weltmeister. Mein Frust über die verpasste Gelegenheit war etwa gleich gross wie mein Ärger über die bescheuerte alle paar Minuten geschaltete Werbung einer Firma für Fleischprodukte, die ich hier nicht namentlich nenne.
Und jetzt, fast nahtlos, läuft die Weltmeisterschaft im Fussball. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber da habe ich ganz andere Emotionen. Die WM ist ein aufgeblähtes Grümpelturnier mit sage und schreibe 48 Teams. Sie spielen die Zahl von nicht weniger als 104 Spielen und das nicht etwa an einem Turnierort. Nein, sie spielen über Nordamerika verteilt in 16 Städten. Ein Gigantismus ohnegleichen. Rechnen wir zum Spass mal aus, wie lange wir vor dem Fernseher sässen, wenn wir alle Spiele schauen wollten. Ich komme, ohne allfällige Verlängerungen aber inklusive Pausen- und Schlussanalysen gerechnet, auf gut 225 Stunden. Das heisst, man müsste 10 Tage lang ununterbrochen vor dem Fernseher sitzen. Wir ahnen es: das ergibt unermessliche Werbemöglichkeiten. Dem Präsidenten, den ich auch nicht namentlich zu nennen brauche, dem Demokratie ein Gräuel ist und der keinerlei Anstand kennt, ermöglicht die Selbstinszenierung, die er so sehr liebt. Von ähnlicher Peinlichkeit ist der Präsident der FIFA. Für seine lächerliche Preisüberreichung an den Vorerwähnten kann man sich als Schweizer nur fremdschämen.
Der Gigantismus bedeutet abertausende von Flügen an die Spielorte und zwischen ihnen für Mannschaften, Journalistinnen und Zuschauern. Es resultiert ein CO2-Ausstoss von Millionen Tonnen, den wir lieber nicht genauer ausrechnen. Ist das heute noch zu rechtfertigen? Die FIFA fabuliert dafür etwas von Nachhaltigkeit und Förderung des öffentlichen Verkehrs an den Spielorten. Ich halte das für zynisch, weil jeder Laie sieht, dass eine Kompensation niemals erreicht werden wird.
Gäbe es andere Modelle, weil die Mehrheit der Fussballfans ja kaum auf Weltmeisterschaften verzichten wollte? Ich skizziere ein nicht ganz ernst gemeintes: Die Qualifikationsspiele auf den Kontinenten werden gestrichen. Sämtliche 211 Fussballverbände der FIFA werden zum Turnier zugelassen (was dann dem Grümpelturnier nahekommt). Per Los wird mit Teilverbänden auf 256 aufgefüllt. Dann wird ausgelost, wer in der ersten Runde gegeneinander antritt und für wen es ein Heimspiel ist. Die 128 Sieger kommen in die nächste wieder ausgeloste Runde, dann geht es über den 64.-Final und die weiteren Ausscheidungsrunden bis zum Endspiel. Dieses findet am Sitz der FIFA, also in Zürich statt, was der Schweiz im besten Fall ein Heimspiel ermöglichen würde. Und die Eröffnungsrede zum Final hält kein Politiker und auch nicht Herr Infantino, sondern der ausgeloste Torhüter einer zuerst ausgeschiedenen Mannschaft. Irgendwie so, man soll ja träumen dürfen.

