Mitteilungen aus den Schulen Aadorf: Ein Interview mit dem Leiter Bildung der Volksschulgemeinde Aadorf
03.11.2026 AadorfEin Interview mit dem Leiter Bildung der Volksschulgemeinde Aadorf
Sven Keller aus Oberuzwil ist seit dem 2. August 2026 auf der obersten Ebene der schulenaadorf tätig. Gerne lassen wir unseren Leiter Bildung direkt in einem Interview zu Wort kommen.
...Ein Interview mit dem Leiter Bildung der Volksschulgemeinde Aadorf
Sven Keller aus Oberuzwil ist seit dem 2. August 2026 auf der obersten Ebene der schulenaadorf tätig. Gerne lassen wir unseren Leiter Bildung direkt in einem Interview zu Wort kommen.
Lieber Sven, zum Ende deiner Probezeit schilderst du uns bitte, wie du in Aadorf angekommen bist.
Sven Keller: Ich bin in Aadorf sehr gut angekommen. Die ersten Monate waren intensiv, vielseitig und geprägt von zahlreichen Begegnungen. Ich habe mir bewusst Zeit genommen, die Menschen, die verschiedenen Schuleinheiten und die bestehenden Strukturen kennenzulernen. Dabei bin ich auf viel Offenheit, Engagement und eine grosse Bereitschaft zur Zusammenarbeit gestossen.
Nach den ersten 100 Tagen fühle ich mich in meiner Aufgabe wohl und freue mich darauf, die weitere Entwicklung der schulenaadorf gemeinsam mit allen Beteiligten mitzugestalten.
Was war deine vorherige Tätigkeit und wieviel davon kannst du nun weiterverwenden?
Vor meinem Wechsel nach Aadorf war ich während vieler Jahre als Schulleiter tätig, zuletzt seit 2014 in Zuzwil (SG). Zuvor leitete ich eine Schule in Gommiswald (SG) und arbeitete während vieler Jahre als Klassenlehrer und Schulleiter in Niederuzwil (SG). Daneben bin ich seit 2018 Mitglied der Rekursstelle Volksschule St.Gallen-Rorschach beim Bildungsdepartement des Kantons St.Gallen.
Viele Erfahrungen aus diesen Tätigkeiten kann ich heute sehr gut weiterverwenden. Dazu gehören insbesondere die Personalführung, die Begleitung von Schul- und Organisationsentwicklungsprozessen sowie die Verbindung von Pädagogik, Organisation und Finanzen. Die Tätigkeit in der Rechtspflege hat zudem mein strukturiertes Vorgehen und mein Verständnis für klare Prozessabläufe sowie schulrechtliche Fragestellungen geprägt.
Was und wen hast du in den schulenaadorf angetroffen?
Ich habe eine vielfältige und lebendige Schule mit vielen engagierten Mitarbeitenden angetroffen. In den verschiedenen Bereichen wird täglich mit grossem Einsatz für die Kinder und Jugendlichen gearbeitet. Gleichzeitig bestehen unterschiedliche Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen. Im Besonderen empfand ich die Einführung und die IT-Ausrüstung als sehr vorbildlich.
Besonders positiv erlebe ich die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und die Schulen gemeinsam weiterzuentwickeln. Gleichzeitig gibt es, wie in jeder grösseren Organisation, Themen und Strukturen, die weiter geklärt oder gefestigt werden müssen. Entscheidend ist für mich, dass wir solche Aufgaben sachlich, transparent und gemeinsam angehen.
Die Schulentwicklung in der Pädagogik ist eine deiner Hauptaufgaben. Was bedeutet für dich Schulentwicklung?
Schulentwicklung bedeutet für mich, die Qualität von Unterricht, Zusammenarbeit und Führung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht dabei immer die Frage, was Kinder und Jugendliche benötigen, damit sie bestmöglich lernen und sich entwickeln können.
Für mich bedeutet Schulentwicklung aber auch, Prioritäten zu setzen. Viele Konzepte und Projekte allein ergeben noch keine gute Schule. Entscheidend ist, dass wir uns auf jene Themen konzentrieren, die einen wirklichen Mehrwert bringen, und diese konsequent und nachhaltig verfolgen.
Gleichzeitig braucht Schulentwicklung auch Offenheit und manchmal etwas Mut: den Mut, neue pädagogische Ideen aufzunehmen, sorgfältig zu prüfen und weiterzuverfolgen, wenn sie für unsere Schülerinnen und Schüler und unsere schulenaadorf einen echten Mehrwert bieten. Dabei möchte ich Bewährtes erhalten und Neues mit Augenmass ermöglichen.
Welche Schwerpunkte willst du im kommenden Jahr in den schulenaadorf setzen?
Einige wichtige Schwerpunkte waren bereits vor meinem Start aufgegleist oder bestimmt. Für mich geht es deshalb zunächst darum, diese Vorhaben konsequent weiterzuführen und gut umzusetzen. Dazu gehören insbesondere der Aufbau des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, der Start der Arbeit an einem gemeinsamen pädagogischen Profil der schulenaadorf sowie die Vorbereitungen für den Start des Förderzentrums auf den 1. August 2027.
Gleichzeitig möchte ich die Zusammenarbeit innerhalb der Führungsorganisation weiter festigen und für klare Rollen, Verantwortlichkeiten und Abläufe sorgen. Dabei ist mir wichtig, bewusst Prioritäten zu setzen. Wir müssen nicht möglichst viele Projekte gleichzeitig bearbeiten, sondern diejenigen Themen konsequent verfolgen, die für die schulenaadorf einen echten Mehrwert schaffen.
Wie sieht deine langfristige Vision einer guten Schule aus?
Eine gute Schule stellt die Kinder und Jugendlichen ins Zentrum und schafft Bedingungen, unter denen sie erfolgreich lernen und sich zu selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln können. Sie verbindet hohe pädagogische Qualität mit verlässlichen Strukturen und einem respektvollen Umgang.
Langfristig wünsche ich mir schulenaadorf, welche als gemeinsame Organisation auftreten und gleichzeitig die Stärken ihrer einzelnen Schuleinheiten bewahren. Mitarbeitende sollen Verantwortung übernehmen können, Führung soll Orientierung geben und die Zusammenarbeit soll von Vertrauen, Offenheit und Verbindlichkeit geprägt sein.
Eine gute Schule bleibt für mich zudem lernfähig: Sie nimmt gesellschaftliche Veränderungen wahr, prüft neue Möglichkeiten sorgfältig und entwickelt sich mit Augenmass weiter.
Wie hast du den Rollenwechsel vom Schulleiter zur Leitung Bildung empfunden?
Der Rollenwechsel ist deutlich spürbar, hat für mich aber keine grundlegenden Überraschungen gebracht. Der Schritt war eine sehr bewusste Entscheidung. Auch mein Bildungsweg hat mich gezielt auf Führungsaufgaben und Entwicklungsprozesse in grösseren Bildungsorganisationen vorbereitet.
Als Schulleiter war ich näher am unmittelbaren Schulalltag einer einzelnen Schule. Als Leiter Bildung richte ich den Blick nun stärker auf die Gesamtorganisation, auf übergeordnete Zusammenhänge und auf die Verbindung zwischen operativer und strategischer Ebene. Meine langjährige Erfahrung als Schulleiter hilft mir dabei sehr, weil ich die Herausforderungen und Bedürfnisse der Schulleitungen aus eigener Erfahrung sehr gut kenne.
Diese neue Perspektive und die Möglichkeit, Entwicklung über die einzelne Schule hinaus mitzugestalten, waren genau das, was mich an der Aufgabe gereizt hat.
Deine direkten Mitarbeitenden sind jetzt vor allem Schulleitungen. Wie beeinflusst das deine Führungsqualitäten?
Die Führung von Führungspersonen verlangt ein hohes Mass an Klarheit, Vertrauen und gegenseitiger Verbindlichkeit. Gleichzeitig ist Führung für mich kein völlig neues Feld. Auch Lehrpersonen übernehmen in ihrem Berufsalltag ein Stück weit Führungsverantwortung. In meinen bisherigen Funktionen gehörten neben Lehrpersonen unter anderem auch Hauswarte zu den Mitarbeitenden, die ich führte. Zudem war ich im Sport über viele Jahre in der Führung, Ausbildung und Begleitung von Erwachsenen tätig. Meine Erfahrungen als Ausbilder und Coach bei Jugend & Sport sowie in verschiedenen Funktionen im Turnsport bilden dafür einen zusätzlichen Hintergrund.
Heute führe ich vor allem Schulleitungen, die ihrerseits eine grosse Verantwortung für ihre Schuleinheiten tragen. Meine Aufgabe sehe ich darin, ihnen Orientierung und Unterstützung zu geben, gleichzeitig aber auch den notwendigen Gestaltungsspielraum zu ermöglichen.
Führung bedeutet für mich nicht, alles selbst zu entscheiden, sondern Verantwortung zu klären, Vertrauen zu schaffen und gemeinsam verbindliche Ziele zu verfolgen.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Schulbehörde und der Schulpräsidentin?
Die Zusammenarbeit erlebe ich als offen, konstruktiv und von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Der regelmässige Austausch hilft dabei, operative und strategische Fragestellungen gut aufeinander abzustimmen und unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.
Gerade in einer neuen Führungsstruktur ist es wichtig, Rollen und Erwartungen fortlaufend zu klären. Dieser Prozess braucht Offenheit auf allen Seiten. Ich schätze, dass Fragen direkt angesprochen und Lösungen gemeinsam gesucht werden. Eine transparente und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Schulpräsidentin und der Schulbehörde war für mich bereits bei meiner Bewerbung ein wichtiger Punkt.
Gefällt dir der neue Job als Leiter Bildung, der im Kanton Thurgau noch nicht weit verbreitet ist?
Ja, die Aufgabe gefällt mir sehr gut. Sie ist anspruchsvoll, abwechslungsreich und bietet die Möglichkeit, pädagogische, personelle und organisatorische Fragestellungen miteinander zu verbinden. Besonders motiviert mich, gemeinsam mit der Schulbehörde, der Geschäftsleitung, den Schulleitungen und den Mitarbeitenden die schulenaadorf als Ganzes weiterzuentwickeln.
In meiner Funktion müssen sich einzelne Abläufe, Rollen und Schnittstellen weiter einspielen. Darin sehe ich aber auch eine Chance: Wir können die Funktion passend zu den Bedürfnissen der schulenaadorf ausgestalten und gemeinsam Erfahrungen sammeln.
Nach den ersten 100 Tagen kann ich sagen, dass ich mich auf die weitere Aufgabe freue und mich mit Energie, Erfahrung und Freude langfristig für die schulenaadorf engagieren möchte. Dieser Wunsch nach einer langfristigen Aufgabe mit einem grösseren Wirkungsfeld war bereits ein wesentlicher Beweggrund für meine Bewerbung.
«Gute Schule entsteht dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und Entwicklung mit Vertrauen, Klarheit und Augenmass gestalten.»
Vielen Dank für diesen Einblick in deine Arbeit.
ASTRID KELLER, SCHULPRÄSIDENTIN

