Mit den geliebten Freunden Gemeinschaft leben
05.03.2026 Elgg, RegionAm Sonntag fand in der Kirche Elsau die ökumenische Tiersegnungs-Feier statt. Etwa 25 Menschen und rund 10 Tiere erfuhren gemeinsam religiöse und weltliche Wertschätzung und durften sich zugehörig fühlen. Die beiden kirchlichen Vertreter nutzten die Gelegenheit, an den ...
Am Sonntag fand in der Kirche Elsau die ökumenische Tiersegnungs-Feier statt. Etwa 25 Menschen und rund 10 Tiere erfuhren gemeinsam religiöse und weltliche Wertschätzung und durften sich zugehörig fühlen. Die beiden kirchlichen Vertreter nutzten die Gelegenheit, an den Schutz der Natur zu erinnern.
Sie beobachteten ganz genau und harrten der Dinge, die da kommen würden. Mehrere Hunde und Katzen waren anwesend. Ob ihre menschlichen Freunde oder sie aufgeregter sind, war nicht festzustellen. Aber alle waren friedlich und neugierig. Kinder hatten ihre Stofftiere mitgebracht. Auch verstorbener Haustiere wurde am vergangenen Sonntag in der Kirche Elsau gedacht, zum Beispiel mit einem Foto aus guten Tagen.
Pfarrerin Sonja Zryd erklärte nach dem Startgebet, für die einen sei es ein freudiges Ereignis, ihre geliebten Haustiere in die Kirche mitzunehmen. Aber es gebe auch negative Reaktionen. Sie habe einige unfreundliche Telefonanrufe erhalten, wonach Tiere in der Kirche nichts zu suchen hätten. «Trotzdem oder genau deshalb machen wir das», sagte die Pfarrerin, die über langjährige Erfahrung mit Tiersegnungen verfügt.
Tiere als Teil der Schöpfung
«Eure Tiere sind eure Familienmitglieder, im Alltag wichtig und umsorgt wie eine Freundin.» Sogar bei den sogenannten Nutztieren finde ein Umdenken statt. Es werde mehr auf das Tierwohl geachtet. Zum Beispiel habe man den Kühen früher die Hörner entfernt, worunter diese sehr gelitten hätten, da sie als Kommunikationsmittel dienten. «Ohne Hörner zu sein ist fast wie ohne Handy zu sein», sagte sie und löste damit Schmunzeln aus. Doch der Hintergrund ist ernst. «Tiere sind Lebewesen und nicht einfach unsere Dienstmägde oder Kuschel-Ersatz», betonte Zryd.
Nach dem gemeinsamen Lied betonte Eric Jankovsky, Gemeindeleiter der katholischen Kirche St. Stefan in Wiesendangen: «Tiere gehören selbstverständlich zur Schöpfungsordnung dazu. Es ist eine friedliche Gemeinschaft hier mit Hunden, Katzen oder auch mit anderen Tieren», stellte er fest. Beim letzten Mal sei sogar ein Pony mit dabei gewesen, erfuhr man von einzelnen Besuchenden. «Wir wollen diese Tiere und natürlich auch uns Menschen unter den Segen Gottes stellen», so Jankovsky.
Darauf folgte ein Gebet, in dem er unter anderem daran erinnerte, dass Gott diese Welt voller Farben, Stimmen und Bewegungen geschaffen und den Tieren ihre eigene Seele gegeben habe. Ihre Kraft, ihre Instinkte, ihre Art zu fühlen und zu leben. «Sie sind nicht unser Besitz, sondern Mitgeschöpfe, die uns Freude schenken, uns Gesellschaft leisten, uns trösten und lehren, im Augenblick zu leben.» Oft gingen die Menschen achtlos mit der Schöpfung um und stellten ihren Nutzen über das Leben. «Vergib uns, wo wir hart geworden sind gegenüber Menschen, Tieren und der Erde. Schenke uns ein weiches Herz und einen wachen Blick für das Wunder des Lebens», sagte Eric Jankovsky weiter und bat um den Segen für die Tiere.
Ressourcen beschützen
Sonja Zryd zitierte aus dem Buch Hiob der Bibel. Nach dem gemeinsamen Lied «Herr, dich loben die Geschöpfe» erklärte sie dazu: Es gehe im Buch Hiob nicht um Wissen, sondern um Glauben, um die Erkenntnis, dass alle und alles, Menschen, Tiere, Pflanzen und Wasser, in Gottes Hand geborgen seien und dass alles mit allem zusammenhänge. «Wir in der westlichen Welt merken, dass unser Umgang mit der Welt als Werkzeugkasten, in dem sich jeder bedient, wie es ihm passt, wenig wertschätzend ist und viel zerstört.» Tiere seien nicht dazu da, ausgebeutet und benutzt zu werden, ebenso wenig wie der Boden, das Wasser oder die Ressourcen allgemein.
Wenn wir uns als Teil des Ganzen verstünden und nicht als Könige über Tiere und Erde, befänden wir uns auf dem Weg zu Respekt und Wertschätzung gegenüber dem, was uns geschenkt sei. «Das Wunder der Schöpfung ist bedroht, und wir merken, wir müssen es beschützen», so Zryd.
Erkenntnisse aus dem Buch Hiob
Das Buch Hiob, etwa 500 v. Chr. geschrieben, rede über Tiere, wie wir es heute für modern hielten: Dem Hahn werde Verstand zugeschrieben, die Rabenkinder fürchteten sich, ihnen allen werde eine Seele zugesprochen. In diesem Zusammenhang machte die Pfarrerin auch auf die Diskrepanz aufmerksam, wie wir heute einerseits Haustiere lieben, hegen und pflegen, andererseits Nutztiere nur als Fleischlieferanten ansehen und damit eine Grenze ziehen. «Die Tiere sind nicht einfach ein Selbstbedienungsladen, sie sind Lebewesen mit einer Seele und einem Familienleben, wie das Lebewesen Mensch. Die Erde ist nicht ohne Konsequenzen ausbeutbar», sagte sie. Die Erzählung von Hiob ende in der Erkenntnis, wie alles zusammengehöre.
Nach einem Orgelstück konnten die Anwesenden ihre Tiere bei Sonja Zryd oder Eric Jankovsky segnen lassen. Die pelzigen Begleiter waren die ganze Stunde über erstaunlich ruhig. Es war ein gelungenes Miteinander für alle, auch die Haustiere, die vielleicht nicht jede Bibelstelle verstanden hatten, aber sicher das Wichtigste: «Ich gehöre dazu, ich bin mit dabei bei etwas Wichtigem, man ist mir wohlwollend gesinnt.»
Die Abschlussgebete und die Fürbitten, die Eric Jankovsky sprach, galten gleichzeitig allen Menschen, Tieren und Mitgeschöpfen auf der Erde.
Es gab eine Kollekte zugunsten des Vereins Vier Pfoten. Bei fröhlichen Orgelklängen gingen alle wieder nach draussen und hinein in einen zufriedenen Sonntag.
Der ökumenische Tiersegnungs-Gottesdienst für Gross und Klein findet ab diesem Jahr immer am ersten März-Sonntag statt.
BETTINA STICHER

