Medizinische Präsenz im Pflegezentrum Eulachtal
22.01.2026 Elgg, RegionDer demografische Wandel stellt die Alterspflege vor grosse Herausforderungen. Mit der Anstellung von Sila Rohrbach als klinische Fachspezialistin geht die Pflege Eulachtal neue Wege: mehr Präsenz, kürzere Entscheidungswege und eine engere Begleitung von Bewohnenden und Angehörigen ...
Der demografische Wandel stellt die Alterspflege vor grosse Herausforderungen. Mit der Anstellung von Sila Rohrbach als klinische Fachspezialistin geht die Pflege Eulachtal neue Wege: mehr Präsenz, kürzere Entscheidungswege und eine engere Begleitung von Bewohnenden und Angehörigen – als wertvolle Ergänzung zum ärztlichen Team.
Seit September 2025 arbeitet Sila Rohrbach mit einem 80-Prozent-Pensum im Pflegezentrum Eulachtal. Sie bringt einen Pflegehintergrund, langjährige Erfahrung aus der Notfallmedizin und eine spezialisierte medizinische Zusatzausbildung als Klinische Fachspezialistin mit. Im Interview erklärt sie, weshalb ihre Rolle gerade in der Langzeitpflege an Bedeutung gewinnt – und warum sie für Bewohnende, Angehörige, Pflege und Ärztinnen gleichermassen ein Gewinn ist.
Frau Rohrbach, was ist eine klinische Fachspezialistin – und was genau machen Sie hier?
Ich bin Pflegefachfrau mit einer vertieften medizinischen Weiterbildung. Als klinische Fachspezialistin übernehme ich im Pflegezentrum Eulachtal einen Teil der regulären medizinischen Visiten, begleite Neueintritte, beurteile den Allgemeinzustand der Bewohnenden und bin erste Ansprechperson bei akuten Veränderungen. Ich arbeite ähnlich wie eine Assistenzärztin – immer in enger Abstimmung mit den Ärztinnen.
Wie grenzen Sie Ihre Rolle gegenüber den Ärztinnen ab?
Ich verstehe meine Rolle als direkte Ergänzung des ärztlichen Teams. Ich übernehme definierte ärztliche Aufgaben im Alltag – etwa Visiten, Abklärungen oder Verlaufskontrollen – immer im Rahmen meiner Kompetenzen und in enger Abstimmung mit den Ärztinnen. Komplexe oder schwerwiegende Situationen werden selbstverständlich gemeinsam entschieden. Meine hohe Präsenz vor Ort ermöglicht Kontinuität, schnelle Reaktionen und entlastet das ärztliche Team spürbar.
Was bringt das den Bewohnerinnen und Bewohnern konkret?
Vor allem Präsenz und Kontinuität. Ich bin vier Tage pro Woche vor Ort, von morgens bis abends. Das ermöglicht schnelle Interventionen, engmaschige Verlaufskontrollen – besonders wichtig bei palliativen Situationen – und eine niederschwellige Kommunikation mit Angehörigen. Veränderungen werden früher erkannt, was unnötige Spitaleinweisungen verhindern kann.
Gibt es dafür wissenschaftliche Evidenz?
Ja. Studien wie INTERCARE zeigen, dass der Einsatz klinischer Fachspezialistinnen Hospitalisationen reduzieren kann. Der Reusspark im Kanton Aargau, ein Zentrum für Pflege und Betreuung im Kanton, arbeitet seit rund fünf Jahren erfolgreich mit diesem Modell. Das bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Welche Aufgaben übernehmen Sie im Alltag?
Ich führe Neueintritte im Haupthaus durch, inklusive Anamnese, Untersuchung und medizinischem Vorsorgeplan. Kleinere Therapieanpassungen kann ich selbständig vornehmen, grössere bespreche ich mit den Ärztinnen. Auch Wundbeurteilungen und Gespräche mit Angehörigen gehören dazu.
Wie ist die Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Team?
Sehr partnerschaftlich. Wir arbeiten auf Augenhöhe. Meine Präsenz entlastet das Ärzteteam.
Wie erleben die Pflegeteams die Zusammenarbeit mit Ihnen?
Die Rückmeldungen aus den Teams sind sehr positiv. Ich wurde von Beginn weg herzlich aufgenommen und als Unterstützung wahrgenommen. Wichtig war mir, Vorbehalte gegenüber «jemandem aus dem Spital» abzubauen. Dass die Pflegenden mich bei akuten Fragen zuerst kontaktieren und den fachlichen Austausch aktiv suchen, zeigt mir, dass Vertrauen entstanden ist und die Zusammenarbeit im Alltag funktioniert.
Sie möchten neue Instrumente einführen. Welche Rolle könnte der Barthel-Index spielen?
Der Barthel-Index ist ein bewährtes Assessment, um die Selbständigkeit im Alltag systematisch zu erfassen – etwa bei Mobilität, Körperpflege oder Essen. Gerade bei Übergangspflege-Patienten hilft er, Fortschritte objektiv zu messen und transparent zu kommunizieren, auch gegenüber Angehörigen.
Ein weiterer Schritt ist die Digitalisierung. Was ändert sich hier?
Wir führen neu das Swiss Medical Record (SMR) ein. Damit wird die ärztliche Dokumentation erstmals vollständig digital, einsehbar und austauschbar – auch zwischen den Häusern. Für mich ist das ein Meilenstein, weil Informationen endlich zentral verfügbar sind und die Zusammenarbeit nochmals effizienter wird.
Was motiviert Sie persönlich an dieser Aufgabe?
Ich kann sehr viel bewirken – medizinisch, menschlich und im Team. Die Rückmeldungen von Bewohnenden, Angehörigen und Mitarbeitenden zeigen mir täglich, dass diese Rolle Sinn macht. Für die Zukunft der Alterspflege sind klinische Fachspezialistinnen eine echte Chance.
DANIELA SCHWEGLER, PFLEGE EULACHTAL
Was macht eine klinische Fachspezialistin?
Eine klinische Fachspezialistin ist eine Pflegefachperson mit vertiefter medizinischer Zusatzausbildung. Sie ergänzt das ärztliche Team und stärkt die medizinische Versorgung im Pflegealltag.
Aufgaben im Pflegezentrum Eulachtal:
• Medizinische Visiten und Ersteinschätzungen
• Begleitung und Beurteilung von Neueintritten
• Enge Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Pflege und Angehörigen
• Therapieanpassungen im definierten Kompetenzbereich
• Wundbeurteilungen und Verlaufskontrollen
• Hohe Präsenz für schnelle Interventionen


