«Me, Myself and I» – Die Kunst, mit sich selbst auszukommen
26.02.2026 AadorfAm Freitagabend verwandelte sich der Kleinkunstsaal im Kultur- und Gemeindezentrum Aadorf in eine Sphäre aus Poesie und clownesker Selbstbefragung.
Mit ihrem Soloprogramm «Me, Myself and I» entführte Franziska Hoby, Mitgründerin des Theaterensembles ...
Am Freitagabend verwandelte sich der Kleinkunstsaal im Kultur- und Gemeindezentrum Aadorf in eine Sphäre aus Poesie und clownesker Selbstbefragung.
Mit ihrem Soloprogramm «Me, Myself and I» entführte Franziska Hoby, Mitgründerin des Theaterensembles «Compagnie Cie Buffpapier», ihr Publikum in die schillernde Innenwelt von Isabelle la Belle. Im Zentrum: Ihre drei inneren Dämonen – verspielt, grotesk und überraschend berührend. Dass das Kabarett in englischer Sprache dargeboten wurde, verlieh dem Abend eine zusätzliche Besonderheit.
Ein weiteres Mal bewies der etablierte Kleinkunstverein GONG das richtige Händchen bei der Auswahl seiner Künstlerinnen und Künstler.
Mit ihrer 17. Kreation zeigte «Compagnie Cie Buffpapier» erneut Sinn und Talent für erinnerungswürdiges Kabarett vom Feinsten. Im aktuellen Stück treiben drei ulkige Figuren ihr Unwesen – frech, launisch, unberechenbar; flüstern, sticheln und fordern sie die Protagonistin heraus.
Gedanken wie «You’re never really alone – du bist niemals ganz allein!» oder «It’s me, but it’s not really me, it’s me, but also myself!», hallen dabei nach und führen mitten hinein in die Frage: Wer bin ich nun? Will ich mich selbst sein? «To be or not to be?» Kann ich mich selbst sein?
Überlässt Isabelle la Belle ihren inneren Stimmen das Feld, wird das Leben zur Bühne herrlich überdrehter Gedankencocktails über die Verschrobenheit des Seins. Doch genau darin liegt die Stärke dieser Inszenierung: Sie zeigt mit gewähltem Witz, Schalk und poetischer Leichtigkeit, wie vielschichtig unser «Ich» im Grunde ist; spiegelt die Realität unserer Hochs und Tiefs, die divergenten Töne des Lebens – und schenkt zugleich Mut, sich selbst zu finden.
Humor und Tiefgang
Als Solistin belebt Franziska Hoby alias Isabelle la Belle die Bretter der Welt mit Dramaturgie, Spannung und eindrucksvoller Präsenz. Sie füllt die Bühne ganz mit sich selbst und glänzt mit formidabler Wandlungsfähigkeit und faszinierender Mimik – ob als paffende Meerjungfrau in einer Late-Night-Show oder mit Live-Gesangseinlage als den Schnurrbart zelebrierenden Herren. Dabei beweist sie ein feines Gespür für die Übergänge zwischen Komik und Verletzlichkeit.
Was die Künstlerin im persönlichen Gespräch mit der «Elgger/Aadorfer Zeitung» als Herausforderung und Privileg zugleich beschreibt, war am Freitag deutlich spürbar.
Zwischen neckischem Spiel, absurden Bildern und viel Selbstironie, die den Saal mit zahlreichen Lachern erfüllten, blitzten durch die Heiterkeit ebenso nachdenkliche Momente auf. Besonders eindrücklich: die Szene, in der die Hauptfigur ihre innere Diva beruhigt und zum Atmen auffordert: «Breathe, breathe, we have to breathe, like a tree, inhale – exhale.» Ein Augenblick, in dem auch dem Publikum wortwörtlich die Luft wegblieb.
Hinter der naiv-skurrilen Fassade schimmert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Identität durch. Die Frage, wie man mit den widersprüchlichen Anteilen in sich selbst umgeht, zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend – jedoch ohne moralischen Zeigefinger, sondern mit Humor, Charme und existenzieller Tiefe.
Wiedererkennungseffekt
Die Reaktionen nach der Vorstellung zeigten, dass sich die Besuchenden im Spiel mit den inneren Dämonen wiederfanden. «Schräg und tiefgründig zugleich. Ich habe mich definitiv ein wenig ertappt gefühlt – aber auf eine liebevolle Art», meinte eine Besucherin schmunzelnd. Ein anderer Gast verriet: «Diese verschiedenen Figuren – keine unbekannten Mitbewohner.» Und eine junge Zuschauerin beschrieb ihren Eindruck wie folgt: «Das Stück ist ein wenig verrückt, aber erstaunlich ehrlich.»
Die kunstvolle Mischung aus Groteske, Clownerie und aufrichtiger Selbstreflexion verlieh der Vorstellung ihren einzigartigen Charakter.
Am Ende bleibt ein augenzwinkernder Blick auf den eigenen Facettenreichtum – und die Einladung, diesen nicht als störenden Makel, sondern als Bereicherung zu begreifen: «Keep cool! Sei mutig mit und für dich selbst – auch dann, wenn die Gesellschaft scheinbar andere Rollen erwartet». Die wahre Kunst liegt im «sich nicht verbiegen»; der eigenen Vielfalt Raum geben, den inneren Stimmen nicht das Schweigen aufzuerlegen, sondern ihnen mit Gelassenheit zu begegnen. Sich selbst aushalten und die Stärke entwickeln, im eigenen Ton zu klingen – auch wenn dieser nicht immer im Chor mitsingt.
SARAH UTZINGER




