Massnahmen gegen Wildschäden vorgestellt
23.04.2026 Elgg, HagenbuchZahlreiche Interessierte nahmen letzte Woche an einer Flurbegehung zum Thema «Wilddruck in der Landwirtschaft» und zur Rehkitzrettung teil. Die Veranstaltung auf dem Küpferhof Heurüti zeigte konkrete Lösungsansätze auf.
Die Jagdgesellschaft Rappenstein und ...
Zahlreiche Interessierte nahmen letzte Woche an einer Flurbegehung zum Thema «Wilddruck in der Landwirtschaft» und zur Rehkitzrettung teil. Die Veranstaltung auf dem Küpferhof Heurüti zeigte konkrete Lösungsansätze auf.
Die Jagdgesellschaft Rappenstein und die Begleitkommission des Vernetzungsprojektes Elgg-Hagenbuch hatten am Donnerstagabend zu einer Flurbegehung auf dem Küpferhof Heurüti geladen. Das Interesse war mit über 40 Teilnehmenden aus Landwirtschaft und Bevölkerung grösser als erwartet. Mit dabei waren die Gemeinderätinnen Stephanie Hugentobler (Elgg) und Claudia Meile (Hagenbuch).
Wildtiere können für die Landwirtschaft eine grosse Herausforderung darstellen. Vor allem Wildschweine und Krähen sorgen immer wieder für Probleme auf Feldern. Letztes Jahr hätten Wildschweine im Kanton Zürich einen Schaden von 380’000 Franken angerichtet, derjenige von Krähen beläuft sich gemäss Peter Weber von der Jagdgesellschaft auf rund 80’000 Franken. Seit 2023 der Selbstbehalt von 300 Franken aufgehoben wurde, seien die Meldungen zunächst stark angestiegen. Inzwischen habe es sich aber eingependelt. Man arbeite gut mit den Bauern zusammen, sagte Weber.
Im Revier Rappenstein gibt es laut dem Jäger bisher noch keine grossen Probleme mit den Wildschweinen, in anderen Revieren aber zum Teil schon. «Etwa 1300 Wildschweine wurden im Kanton letztes Jahr geschossen», beantwortete er eine Frage.
Schutz vor Wildschwein-Schäden
Peter Weber erklärte, mit welchen Massnahmen Landwirte sich am besten vor Schäden schützen können. Dazu gibt es seit 2026 einen aktuellen Massnahmenkatalog zur Schadensprävention gemäss den Richtlinien zur Verhütung und Vergütung von Wildschäden in der Landwirtschaft der Baudirektion (Amt für Landschaft und Natur) des Kantons Zürich, wobei der Fokus bei den Wildschweinen liegt. Einen Ausdruck davon verteilte Weber an die Anwesenden.
Die Massnahmen des Wildschweinmanagements werden in drei Bereiche unterteilt: Technische Massnahmen sind etwa der Wildschutz- und der 3-Litzenzaun. Weiter erfolgreich sei die Vergrämung, die Wildschweine verunsichern und diese so von Kulturen fernhalten soll, zum Beispiel durch Geruch (Hukinol), Geschmack (Schwefellinsen), Laute (Wildschweinschreck) oder Jagdhundeeinsatz. Wichtig dabei ist, dass oft gewechselt wird, damit kein Gewöhnungseffekt stattfindet. Zum Gebrauch von Hukinol (Schweissgeruch) mahnte Peter Weber zur Vorsicht (Schutzkleidung), denn der Geruch ist sehr stark. «Sonst läuft nicht nur die Sau, sondern auch die Frau davon», witzelte er.
Die dritte Massnahme ist der Jagddruck: «Wildschweine sind schlau und sehr lernfähig», so Weber. Im Gegensatz zu früher würden daher nicht mehr die Leitbachen, sondern kleinere Tiere geschossen. Denn die Leitbachen sorgen für Struktur in der Rotte und erinnern sich an Gefahren. Das erfahrenste, ranghöchste weibliche Tier führt die Gruppe an, entscheidet über Ruheplätze, Nahrungssuche und bestimmt über die Fortpflanzung, die dadurch nicht mehr unkontrolliert erfolgt. Zudem werde auf dem Feld und nicht im Wald gejagt. «Das signalisiert dem Schwarzwild Gefahr im Feld und Schutz im Wald.»
Schäden durch Krähen
Auch auf die Schäden durch Krähen ging der Jäger ein. Hier wird ebenfalls auf verschiedene Massnahmen kombiniert miteinander gesetzt, so Prävention auf dem Feld (Aussaat ein paar Tage nach den Vorbereitungsarbeiten, da bis dahin das Interesse der Krähen nachgelassen hat), Abschreckung (zum Beispiel das Einstecken von Federn toter Tiere) und Jagd (Schutzzeit beachten).
Rehkitzrettung mit Drohnen
Ein weiterer Schwerpunkt der Flurbegehung lag bei der Rehkitzrettung.
In einer der Gruppen wurde demonstriert, wie Drohnen eingesetzt werden können, um diese vor dem Mähen zu finden und so vor dem Tod zu bewahren.
Im manuellem oder automatischem Flugmodus werden die Jungtiere mit der Wärmebildkamera aufgespürt. Die Flughöhe beträgt gemäss Marco Kägi von der Jagdgesellschaft etwa 40 Meter. Während manuell gezoomt werden kann und damit die Kitze erkannt werden, ist dies beim Autopiloten, mit dem ein Zielort automatisch angeflogen werden kann, (noch) nicht möglich. «Der limitierende Faktor sind für uns die Akkus», erklärte Kägi. Daher habe man eine grosse Powerbank angeschafft.
Das Rehkitz wird bei einem Fund nicht weggebracht, sondern mit einem Harass abgedeckt und dieser befestigt, damit die Geiss das Kitz nicht wegträgt und wieder im Feld platziert. Eine Markierung zeigt dem Bauern an, wo er rundherum mähen muss. Bei den Rehkitzrettungen, bei denen Harassen eingesetzt worden seien, verzeichne man eine Erfolgsquote von 100 Prozent, so Kägi.
Es sei wichtig, dass das Mähen nach dem Drohnenflug zeitnah geschehe, da vor allem grössere Rehkitze einen starken Fluchtinstinkt hätten, erklärte er. Wird ein Drohnenflug der Jagdgesellschaft (nur im eigenen Revier möglich) benötigt, soll man sich 24 Stunden vor dem Mähen melden sowie Grundstück, Grösse und Ort angeben und die örtliche Jagdgesellschaft informieren. Der Drohnenflug erfolgt gemäss Kägi in der Regel am frühen Morgen, damit der Wärmekontrast gross genug ist.
Einblick in den Betrieb
In der jeweils dritten Gruppe erhielten die Teilnehmenden unter der Leitung von Jonas Küpfer (Landwirt und Mitglied der Jagdgesellschaft) Einblick in den Betrieb und den modernen Stall. Danach gab es bei einem Apéro Gelegenheit zum Austausch und zum Ausklingenlassen des interessanten Abends.
BETTINA STICHER




