Letzten Sonntag war wieder einmal Kammermusik angesagt. Die Kammermusikvereinigung lud zum Frühlingskonzert – einem Nachmittag mit dem Lucerne Piano Trio: Leonid Baranov, Violine; Milena Marena, Violoncello und Alla Belova, Klavier.
Zwei Werke hat das Trio mitgebracht: Das ...
Letzten Sonntag war wieder einmal Kammermusik angesagt. Die Kammermusikvereinigung lud zum Frühlingskonzert – einem Nachmittag mit dem Lucerne Piano Trio: Leonid Baranov, Violine; Milena Marena, Violoncello und Alla Belova, Klavier.
Zwei Werke hat das Trio mitgebracht: Das Klaviertrio von Germaine Tailleferre (1892–1983), geschrieben 1916/17 und revidiert Jahrzehnte später, 1978. Wahrscheinlich ist in Elgg zum ersten Mal ein Werk dieser französischen Komponistin erklungen. Sie war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als einzige Frau Mitglied der «groupe de six», einer einflussreichen Komponistengruppe, der so bekannte Komponisten wie Artur Honegger, Darius Milhaud oder Francis Poulenc angehörten. Sie prägten massgeblich den Pariser Neoklassizismus. Germaine Tailleferre hat ein breites Feld von Kompositionen hinterlassen, die neben Klavierwerken Kammermusik, aber auch Musik für Film und Fernsehen umfasst. Vieles davon wurde erst nach ihrem Tod veröffentlicht.
Das viersätzige Klaviertrio breitet im 1. Satz tonale Klangteppiche aus, bis sie unisono verklingen. Der 2. Satz ist ein munterer Gesang, zum Teil in allen drei Instrumenten hochvirtuos, in dem das Trio im Dreiklang jubilieren konnte. Im 3. Satz zeigte sich das hervorragende Zusammenspiel in sehr getragenen Melodien, die in einen schwebenden Schluss mündeten. Der letzte Satz war ein Wettlauf zu dritt – und auch gegeneinander. Daraus entwickelte sich ein dichter Klang, der die impressionistische Welt des Stücks erblühen liess. Eine Entdeckung!
In einem sympathischen Kommentar führte die Pianistin danach aus, wie und weshalb die beiden Stücke des Konzerts für das Trio so bedeutend und ihnen eine Quelle ganz grosser Freude sind. Das durften wir als Zuhörende in hohem Mass miterleben.
Das zweite Stück war eines der ganz grossen Kammermusikwerke von Franz Schubert (1797–1828): sein 2. Klaviertrio in Es-Dur, eine der letzten Kompositionen von Schubert. Mit seiner Länge von fast 50 Minuten sprengt es die damaligen Rahmen für Klaviertrio und eröffnet fast symphonische Klangwelten. Und so wurde das Trio auch für die Zuhörenden zu einem ebenso ergreifenden wie mitreissenden Erlebnis. Was das Lucerne Piano Trio hier an Farbenreichtum, dynamischen Kontrasten und Spielenergie entfaltete, war fast unglaublich. Und dies alles mit einer Reinheit des Klangs, mit beeindruckender Präzision und technischer Raffinesse. So konnten die schubertschen gesanglichen Klangwelten ebenso zum Glänzen kommen wie die energetischen Ausbrüche der drei Instrumente erlebbar wurden. Ein grossartiges Stück Musik – mit hoher Präzision dargeboten und ebensolcher Spielfreude.
Mit der Zugabe rundete das Trio seinen programmatischen Bogen zauberhaft ab: Ein Satz aus dem wohl bekanntesten Werk von Paul Schoenfield (1947– 2024), der «Café Music», schloss an die musikantischen Elemente von Germain Tailleferre an. Ein überaus gelungener Abschluss eines wunderbaren Konzerts!
PETER SIEBER