Joana und Valentin Dorek suchen einen Paarberater auf, am Limit ihrer Belastbarkeit, mit dem Ziel, ihre angeschlagene Ehe zu retten. Eine ironische und feinfühlige Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie zeigt die unterschiedlichen Wahrnehmungen in der Kommunikation zwischen Mann ...
Joana und Valentin Dorek suchen einen Paarberater auf, am Limit ihrer Belastbarkeit, mit dem Ziel, ihre angeschlagene Ehe zu retten. Eine ironische und feinfühlige Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie zeigt die unterschiedlichen Wahrnehmungen in der Kommunikation zwischen Mann und Frau auf.
Der Auftakt begann musikalisch. Die drei standen auf einem runden Teppich, Rücken an Rücken, mit Gitarre, Akkordeon und Kornett. Sie spielten und sangen: «Liebe ist ein kurzes Lied, das man in die Länge zieht. Alles fängt doch damit an, dass es endet, irgendwann». Das Lied endete gehässig und das Ehepaar giftelte sich an. Aus diesen beiden soll wieder ein glückliches Paar werden? Historikerin Joana, scharfzüngig schlagfertig, und Flugzeugingenieur Valentin, realistisch resigniert, sind seit Jahren verheiratet und haben Kinder. Doch die guten Zeiten sind schon lange vorbei und es kriselt gewaltig. Sie fielen sich ständig ins Wort, beschimpften sich und lieferten sich hauptsächlich bissige Wortgefechte. Sie drehten sich gegenseitig das Wort im Mund um und fassten jede noch so harmlose Äusserung sofort als Beleidigung auf. Dabei flogen die Worte wie beim Pingpong hin und her und landeten hin und wieder doch im Netz. Zwischendurch liessen die Streithähne ihren Gefühlen in Songs freien Lauf. Nach einem Rückblick auf das einstige Kennenlernen, nämlich bei einem Tauchgang in Ägypten, herrschte kurz Harmonie, drohte aber am Schluss wieder zu eskalieren. Deshalb ordnete der Therapeut eine Pause an und riet dem Paar diese getrennt zu verbringen.
Plötzliche Wendung
Die absurden Bemühungen des Therapeuten blieben erfolglos, doch plötzlich wendete sich das Blatt, als ihn eine Mail seiner Frau aus der Bahn warf und er plötzlich selbst mit Beziehungsproblemen kämpfen musste. Er versuchte etwas linkisch davon abzulenken. Doch das zerstrittene Ehepaar wollte nun genau wissen, was los ist, und löcherte ihn so lange bis er sich ihnen anvertraute. Ein überraschender Rollentausch fand statt, das Paar rutschte unversehens in die Rolle des Therapeuten und kämpfte für die Liebe desselben. Ein aufregender Lauf begann durch alle Höhen und Tiefen des Beziehungschaos. Gemeinsam nahm sich das zerstrittene Paar dem Therapeuten an, fand dabei durch dessen vermeintliche Katastrophe zurück zu Gemeinsamkeit und Harmonie. Zum Schluss verliess das Paar einträchtig den Therapieraum. So gesehen war die sogenannte Wunderübung ein voller Erfolg.
Humorvoll und zugleich tiefgründig
Das Theaterstück brachte auf eine humorvolle und zugleich tiefgründige Weise die Konflikte innerhalb von Beziehungen zum Ausdruck und vermittelte hervorragend die Klischees eines gutbürgerlichen Paares. Mit einer geschickten Kombination aus ironischem Witz und feinsinnigem Humor beleuchtete es sowohl die Herausforderungen als auch die feinen Nuancen der Kommunikation zwischen Mann und Frau. Eine Mischung aus Komödie und Drama, angereichert mit einem Hauch von Musicalflair, welche das Publikum zum Lachen brachte und gleichzeitig zum Nachdenken anregte. Es bleibt jedem einzelnen überlassen, sich zu fragen, ob eine temperamentvolle, kampflustige Beziehung manchmal besser ist als eine harmonische, reibungslose, in der das Feuer erloschen ist.
IRÈNE BASLER