LEUTE AUS DER REGION: Vanessa Sacchet im Gespräch mit Luca Scioscia
17.10.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Luca Scioscia
Luca Scioscia, geboren 1983 in Frauenfeld, wuchs gemeinsam mit seinen beiden Schwestern auf. Der ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Luca Scioscia
Luca Scioscia, geboren 1983 in Frauenfeld, wuchs gemeinsam mit seinen beiden Schwestern auf. Der gelernte, diplomierte Augenoptikermeister hat sich in der regionalen Tanzszene einen Namen gemacht. Als Tanzlehrer und Leiter seiner eigenen Tanzschule fördert er seit Jahren junge Talente und führt seine Gruppen regelmässig an nationale und internationale Wettbewerbe. Mit Engagement, Kreativität und Erfahrung hat er eine erfolgreiche Tanzgemeinschaft aufgebaut, die weit über die Region hinaus Beachtung findet.
«Schon als Kind interessierte ich mich für Musik. Mein Vater spielte Handorgel, und ich tanzte begeistert dazu. Gemeinsam besuchten wir regelmässig italienische Veranstaltungen, bei denen ich oft direkt neben der Band stand. Bereits im Alter von drei Jahren tat ich so, als würde ich mitsingen, ganz im Stil von Karaoke. Eines Tages fragte mich meine Mutter, ob ich nicht selbst auf der Bühne stehen möchte. Ich wagte den Schritt, trat ein Jahr später erneut bei einer italienischen Veranstaltung auf und belegte auf Anhieb den ersten Platz. Schnell wurde deutlich, dass ich ein besonderes Talent mitbrachte. Während meiner Jugend prägte mich vor allem die MTV-Ära. Ich schaute mir Musikvideos an und ahmte die Bewegungen und Auftritte meiner Idole nach. Künstler wie Justin Timberlake und vor allem Michael Jackson, der für mich der grösste Held überhaupt war, inspirierten mich enorm. Durch das Beobachten und Nachmachen ihrer Choreografien brachte ich mir das Tanzen weitgehend selbst bei. Bereits im Alter von zwölf Jahren begann ich mit Tanzunterricht in den Stilrichtungen Jazz und Modern.
Ein wichtiger Meilenstein in meiner Laufbahn war das Jahr 2007. Damals nahm ich an der Schweizer Fernsehsendung MusicStar teil. Aus über 3500 Bewerbern wurde ich als einer von elf Kandidaten für die Show ausgewählt. Zwei Monate lang war ich im Fernsehen zu sehen und erreichte schliesslich den fünften Platz. Die Teilnahme an der Sendung gab mir die Möglichkeit, erstmals intensiv in die Welt des Showbusiness hineinzuschnuppern. Besonders spannend war für mich, dass man in dieser Staffel nicht nur singen, sondern auch tanzen musste. Genau diese Kombination entsprach meinen Stärken, da ich beides mit grosser Leidenschaft ausübte».
Von MusicStar zur eigenen Tanzschule
«Ich spielte schon lange mit dem Gedanken, irgendwann meine eigene Tanzschule zu eröffnen. Während meiner Zeit bei MusicStar war der bekannte Choreograf und Tanzexperte Detlef D! Soost Teil der Jury. Er setzte sich damals stark für mich ein und unterstützte mich auf meinem Weg.
Als ich ihm erzählte, dass ich davon träume, eines Tages eine eigene Tanzschule zu eröffnen, beobachtete er mich bei den Proben und den gemeinsamen Choreografie-Arbeiten. Dabei sah er, wie ich mit anderen Menschen arbeitete, und sagte mir, ich müsse diesen Traum unbedingt verwirklichen, weil ich das Unterrichten und Anleiten im Blut hätte. Von jemandem mit seiner Erfahrung und seinem Fachwissen solche Worte zu hören, bedeutete mir unglaublich viel. Für mich war klar, wenn ich es jetzt nicht versuchen würde, wäre das ein Fehler. Er gab mir das Vertrauen und die Sicherheit, die mir bis dahin gefehlt hatten. Nach der Show konzentrierte ich mich intensiv auf meine tänzerische Entwicklung und absolvierte verschiedene Auslandsaufenthalte. Im Jahr 2007 eröffnete ich schliesslich meine eigene Tanzschule in Aadorf. Dass sie genau dort entstehen sollte, war für mich eine Herzensangelegenheit. Als Teenager hatte ich selbst den Wunsch, Tanzunterricht zu nehmen. Damals gab es in der Region kaum Möglichkeiten dafür. Als ich 18 Jahre alt war und Auto fahren konnte, ermöglichte mir das, diverse Kurse ausserhalb von Aadorf zu besuchen. Genau deshalb wollte ich in Aadorf etwas schaffen, das ich mir selbst in meiner Jugend gewünscht hätte, aber damals vermisst habe».
Zwischen Heimat und internationalen Bühnen
«Besonders wichtig ist mir, dass meine Tanzschule für alle offen ist, egal ob jemand gerade erst mit dem Tanzen beginnt oder bereits auf hohem Niveau trainiert. Deshalb biete ich sowohl Anfängerkurse als auch die Möglichkeit, in leistungsorientierten Show- und Wettkampfgruppen mitzuwirken. Im Laufe der Jahre erhielt ich mehrere Angebote, meine Tätigkeit nach Wil, Winterthur oder Zürich zu verlegen, habe mich jedoch bewusst entschieden, in der Region zu bleiben. Heute reisen viele meiner Schülerinnen und Schüler aus der gesamten Region und sogar aus Zürich an, um an meinem Training teilzunehmen. Was mich beeindruckt. Nur rund 20 Prozent stammen aus Aadorf selbst. Als ich damals begann, hätte ich nie gedacht, dass sich die Tanzschule einmal so entwickeln und eine so grosse Reichweite erzielen würde. Aktuell leite ich neben verschiedenen Kinder- und Fortgeschrittenenkursen auch zwei Formationsteams. Elected ab 16 Jahren und ‹We are Hip Hop!› für Jugendliche zwischen 11 bis 16 Jahre, mit denen wir regelmässig an Wettbewerben teilnehmen. Besonders stolz bin ich auf ‹We are Hip Hop!›. Innerhalb von 13 Jahren konnten wir fünf Schweizer Meistertitel gewinnen. Zudem konnten wir uns mit der Erwachsenformation Elected zweimal für einen renommierten Wettbewerbe in den USA qualifizieren. Allein die Vorstellung, mit einer Gruppe aus Aadorf diesen Weg zu gehen und sich international zu behaupten, war für mich früher kaum vorstellbar. Während meiner Zeit bei MusicStar lernte ich den Tänzer Viet Dang kennen, der seit vielen Jahren in den USA lebt und dort mit internationalen Weltstars wie Beyoncé und Rihanna gearbeitet hat. Er motivierte mich immer wieder, selbst den Schritt ins Ausland zu wagen und meine Karriere dort weiterzuentwickeln. Natürlich habe ich mir diese Möglichkeit mehr als einmal überlegt, aber für mich wurde klar, dass mein Platz hier in der Schweiz ist. Ich fühle mich in meiner Heimat, in meiner Region und in meinem persönlichen Umfeld wohl und bin kein Mensch, der ständig um die Welt reisen muss. Denn Familie, Freundschaften und das vertraute Umfeld sind mir besonders wichtig».
20 Jahre Leidenschaft, und die Reise geht weiter
«Ein besonders prägendes Jahr für mich war 2018. Damals wurden beide meiner Tanzgruppen Schweizer Meister, ich nahm mit beiden Teams an der Weltmeisterschaft teil und schloss gleichzeitig meine Weiterbildung zum diplomierten Augenoptiker ab. Rückblickend weiss ich selbst kaum, wie all das in einem einzigen Jahr möglich war. Bin ich mal nicht im Tanzstudio oder am Arbeiten, treffe ich mich gerne mit Freunden zum Essen oder um etwas trinken zu gehen. Zudem reise ich sehr gerne, oft in Verbindung mit dem Tanzen. Aktuell bin ich häufig in Japan, habe aber auch bereits in den USA, Thailand und Deutschland getanzt. Besonders schätze ich daran, dass ich durch den Tanz verschiedene Kulturen kennenlernen und diese Eindrücke wieder in meine Arbeit in der Schweiz einfliessen lassen kann. Nächstes Jahr feiere ich mit meiner Tanzschule bereits das 20-jährige Bestehen. Gemeinsam mit meinem Tanzlehrer-Team bin ich aktuell daran, etwas ganz Besonderes auf die Beine zu stellen, um dieses Jubiläum gebührend zu feiern. Konkrete langfristige Ziele habe ich mir dabei kaum gesetzt, da ich bereits vieles erreicht habe, was ich mir früher nie hätte erträumen lassen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich nicht ständig neue Ziele definieren muss, sondern vieles einfach auf mich zukommen lassen darf».
VANESSA SACCHET


