Kunst auf dem Dorfe in Höchstklasse
18.08.2026 ElggDas Theater zur Waage präsentierte bei vier Vorstellungen die Eigenproduktion «BACKHENDLSALAT» unter der Leitung von Simon Berger und begeisterte das Publikum restlos.
Wenn man an Oper denkt, kommt einem als erstes die grossen Zentren wie Mailand, Wien oder Zürich in ...
Das Theater zur Waage präsentierte bei vier Vorstellungen die Eigenproduktion «BACKHENDLSALAT» unter der Leitung von Simon Berger und begeisterte das Publikum restlos.
Wenn man an Oper denkt, kommt einem als erstes die grossen Zentren wie Mailand, Wien oder Zürich in den Sinn. Dass aber Oper auch auf der Kleinkunstbühne funktioniert, zeigt die Eigenproduktion «BACK-HENDLSALAT» des Theaters zur Waage. Simon Berger und Rahel Imboden ist es wichtig, dass Kultur auch ausserhalb der urbanen Zentren stattfindet und somit einem anderen Publikum zugänglicher wird. Dieses bekam, wie der Name des Programmes schon sagt, höchstklassige Musik von Bach und Händel dargeboten.
Dabei zeigten die Protagonisten Tamara Obermayr und Elmar Hauser, unterstützt durch die Pianistin Daniela Baumann, ihre Bandbreite an musikalischen und schauspielerischen Fähigkeiten. Simon Berger meint dazu: «Es ist hervorragend, solch begabte junge Künstler und Künstlerinnen nach Elgg zu bringen» Gerne hätte man noch weitere Vorführungen gezeigt, leider sind die Musiker bereits wieder für andere Projekt gebucht, so gefragt sind die Musikerinnen. Auch zur Vorbereitung blieb nicht viel Zeit. Über den Sommer ruht der Opernbetrieb an den grossen Häusern. So hatte man zwei Wochen Zeit um vor Ort das Stück vom Papier auf die Bühne zu bringen.
Wenn die Mafia einzieht
«BACKHENDLSALAT» orientierte sich dramaturgisch an klassischen Opernwerken. In die heile Welt der Imbissbudenbetreiber Fritzi (Tamara Obermayr) und Sebastian (Elmar Hauser) zog das Unheil in Form des «Lackschuhschorschi» ein. Gezwungen zur maximalen Umsatzsteigerung verfallen die Protagonisten innerlich und wollen sich an diesem «Lackschuhschorschi» rächen. Die geplante Vergiftung geht schief und stattdessen liegt Fritzi tot neben dem Backhendlsalat. Aus Verzweiflung und Trauer folgt Sebastian seiner geliebten Fritzi und zusammen besingen ihre Liebe im Jenseits.
Faszinierend ist dabei die Vielschichtigkeit der Erzählweise. Mit nur zwei Darstellern werden Rückblenden und Erzählungen, aber auch Wissensvermittlung stilistisch eingebaut. So erfahren die Zuschauer zum Beispiel, wie die Mafia Geld wäscht. Obwohl in der Geschichte zeitlich viel hin und her gesprungen wird, verliert das Publikum die Orientierung nicht. Dieses wird mittels der Musik und des Lichts gut geleitet. So verkündet die Pianistin per rauschendem Megaphon die Übergänge der Akte und begleitet das Publikum in der Geschichte.
Auch Dramaturgisch wird das Publikum gut geführt. Nach schweren und intensiven Arien entzücken die Goldenbergvariationen oder andere Präludien musikalisch und wirken durch den starken Kontrast gerade gewollt komödiantisch. So wird das Publikum immer wieder aus den Träumereien geholt.
Wer Simons Berger Inszenierungen kennt, findet schnell seine Handschrift wieder. «Schauspiel ist ein Handwerk und man muss sehen, dass gearbeitet wird.», erklärt Simon Berger. Bei ihm fliegen Dönerboxen durch die Luft; ein Cervelat und ein Elggermann werden «verschnätzelt»; es wird gekocht und am Ende sieht es aus als hätte eine Bombe auf der Bühne eingeschlagen. Da der Regisseur auch der Putzmann ist, leidet er am Meisten unter seiner kreativen Verspieltheit und musste jeweils nach Barschluss wieder die Unordnung aufräumen.
Keine Kunst ohne Unterstützung
Solch eine ausserordentliche Produktion verlangt auch finanziell viel ab. Konstant gewachsen, wird das Theater zur Waage seit drei Jahren von der Gemeinde unterstützt und schaffte es dieses Jahr erstmals in die Kunstförderung des Kanton Zürichs aufgenommen zu werden. Dies helfe sehr bei der konkreten Umsetzung von neuen Projekten, meint Simon Berger. «Es gibt uns mehr Freiraum und Möglichkeiten». So kann man auch mal Projekte oder Herzensangelegenheiten umsetzen, welche etwas gewagter sind.
Auch werde man im Dorf sehr gut unterstützt. Beim Bühnenbild hat Andreas Würmli sein Küchenmaterial zur Verfügung gestellt und Jürg Bosshard baute die Metalltreppe auf die Bühne. Dieses Netzwerk hilft auch um die Kosten tief zu behalten. Der grösste Glücksfall sei aber der Kauf und der anschliessende Umbau des Hauses gewesen, meinte Rahel Imboden So konnte die ehemalige Raiffeisenbank ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen umgebaut werden, limitiere durch ihre Grösse aber auch die Möglichkeiten. Dies merkt auch das Publikum, wenn man ungewollt in der ersten Reihe von Requisiten getroffen wird oder die Schauspielerin einem fast auf die Füsse steht. Simon Berger sieht dies positiv: «Bei uns gibt es keine schlechten Sitze. Weil man so nahe am Geschehen ist, erfährt man die Oper viel intensiver» Diese Intensivität bleibt einem noch länger in Erinnerung: Die Tonstärke, die Melodien, die Gesichtsausdrücke – einfach die ganze Bandbreite an Sinnempfindungen, welche durch die Nähe zwischen Publikum und Darstellern entsteht und einzigartig ist.
So können Simon Berger und Rahel Imboden stolz auf ihr einmaliges Theater zur Waage sein und die Elgger Bevölkerung muss ihnen hoch anrechnen, was hier auf vier mal sieben Meter grosser Bühne für hochklassige Kunst entstanden ist.
ANDREJ BLASER




