Kürzlich habe ich eine hervorragende Rezension über ein Theaterstück gelesen, geschrieben am Computer von Sekundarschülern. Der Text war zwar etwas langweilig und oberflächlich, er enthielt wenig Persönliches und Konkretes, aber die Schülerinnen und Schüler ...
Kürzlich habe ich eine hervorragende Rezension über ein Theaterstück gelesen, geschrieben am Computer von Sekundarschülern. Der Text war zwar etwas langweilig und oberflächlich, er enthielt wenig Persönliches und Konkretes, aber die Schülerinnen und Schüler haben keinen einzigen Rechtschreibefehler gemacht, und in der Wortwahl war der Text tadellos. Na ja - Sie ahnen es: Der Text wurde von KI verfasst. Die meisten der gebrauchten Wörter haben die angeblichen Verfasser auf meine Nachfrage hin nicht genau verstanden, und es war ihnen auch nicht ganz klar, was sie wirklich geschrieben haben.
Ich will hier nicht die künstliche Intelligenz verteufeln. Wenn man sie richtig anwendet, eröffnen sich damit ungeahnte Möglichkeiten. Sie macht nicht nur den Schülerinnen und Schülern, sondern auch vielen von uns das Leben leichter. Wir können plötzlich Briefe auf Französisch schreiben, eine wunderschöne Bleistiftzeichnung ausdrucken oder zu jedem beliebigen Thema eine Präsentation mit 5 Folien verfassen.
Die KI nimmt uns zwar Arbeit ab, aber sie birgt auch eine grosse Gefahr. Unter den Kindern herrscht oft die Meinung vor, es komme doch gar nicht mehr drauf an, ob sie Wörter richtig oder falsch schreiben, perspektivisches Zeichnen gelernt haben oder etwas von Buchhaltung verstehen. Muss man überhaupt noch etwas wissen? Die Schüler können sich ab jetzt doch bequem zurücklehnen: die KI wird es schon richten.
Auch uns Erwachsene erwartet dank fortgeschrittener Technik ein schönes Leben. Selbstfahrende Autos machen die Fahrprüfung und das Büffeln von Theorie überflüssig. Rasenmähen ist passé und auch für Haushaltarbeiten gibt es mittlerweile Roboter. Müssen wir in Zukunft vielleicht gar nicht mehr arbeiten? Braucht es die Schule noch, wenn der Computer für uns schreiben, rechnen und sogar denken kann? Bricht jetzt ein goldenes Zeitalter des Chillens an, wo man nichts mehr können muss und alles Maschinen übernehmen?
Man muss sich genau überlegen, welche Kompetenzen man abgibt und an den Computer delegiert. Wenn wir die Resultate von ChatGPT nicht überprüfen können, wenn wir eine Zahlenreihe von KI nicht plausibilisieren oder nicht in der Lage sind, Fakten zu validieren, dann legen wir in letzter Konsequenz unser Leben in die Hände einer Maschine. Wollen wir das? Wollen wir unser Leben ganz fremd bestimmen lassen?