Koala: Bedrohter Langschläfer, Wassersparer, Wärmeprofi
13.08.2026 TiereWährend den letzten Wochen wurden zahlreiche Hitzerekorde gebrochen. Die meisten Tiere im Zoo Zürich können mit hohen Temperaturen gut umgehen, sie sind erstaunlich anpassungsfähig. Eine effektive Massnahme, die viele Tiere nutzen: Ruhen und Energie sparen. Perfektioniert hat ...
Während den letzten Wochen wurden zahlreiche Hitzerekorde gebrochen. Die meisten Tiere im Zoo Zürich können mit hohen Temperaturen gut umgehen, sie sind erstaunlich anpassungsfähig. Eine effektive Massnahme, die viele Tiere nutzen: Ruhen und Energie sparen. Perfektioniert hat diese Strategie der Koala. Er ist ein wahrer Meister im Chillen. Richtig gut ist er aber auch im Wassersparen.
ZOO Träge döst das Koalamännchen in der Astgabel des grossen Eukalyptusbaums. Arme, Beine, Kopf – alles wird von der Schwerkraft Richtung Boden gezogen. Stundenlang können die Tiere so verharren. Nur ab und zu blickt er auf, rutscht ein wenig von links nach rechts, positioniert sich neu in der Astgabel und verfällt dann wieder in den Energiesparmodus. Und auch im Bereich nebenan, indem Mutter und Tochter zusammenleben, sieht es nicht viel anders aus. Beide sitzen schlafend im Baum.
Wälder als natürliche Klimaanlage
Das ständige Ruhen ist eine Anpassung an ihre spezielle Ernährung sowie an ihren trockenen und heissen Lebensraum Australien. Das natürliche Verbreitungsgebiet des Koalas erstreckt sich über die Eukalyptuswälder an der Süd- und Ostküste Australiens. Dort herrschen vor allem in den Sommermonaten häufig Temperaturen um die 30 Grad Celsius.
Koalas ziehen sich dann an schattige Plätze zurück. Die Eukalyptuswälder nutzen sie dabei als natürliche Klimaanlagen. Nicht überall im Wald herrschen die gleichen Temperaturen. Es gibt Mikrohabitate, die mehrere Grad kühler sind als die Umgebung. Koalas suchen diese Orte gezielt auf. Dort verharren sie und beschränken ihre aktiven Phasen auf die kühleren Morgenoder Abendstunden.
Jede Bewegung erzeugt Körperwärme und kostet Energie. Energie, die dem Koala durch seine Nahrung – schwer verdaulicher Eukalyptus – nur in begrenztem Masse zur Verfügung steht. Viel Bewegung verbraucht viel Energie – mehr als Koalas täglich aufnehmen können. Also ruhen sie. Und schlafen. Und ruhen. Und das bis zu 20 Stunden täglich.
Sparsamer Umgang mit Wasser
Der Stoffwechsel des Koalas ist im Vergleich zu anderen Säugetierarten zudem sehr niedrig. Dadurch produzieren die Tiere weniger körpereigene Wärme und benötigen weniger Energie und Wasser. Koalas werden daher so gut wie nie beim Trinken beobachtet. Tatsächlich trinken Koalas extrem selten. Sie decken ihren Wasserbedarf üblicherweise vollständig durch ihre Nahrung. Eukalyptusblätter haben einen hohen Wasseranteil von 60-80 Prozent. Während des Verdauungsprozesses entzieht ihr Körper der Nahrung dieses Wasser. Auch ist ein Koala sehr sparsam im Umgang mit Wasser. Der Urin der Tiere ist stark konzentriert und wird nur einmal täglich abgesetzt. Und auch der Kot ist sehr trocken. 100- 150 Kot-Kügelchen produziert ein Koala pro Tag.
Zusätzliches Wasser nehmen Koalas durch den morgendlichen Tau auf, der sich auf den Eukalyptusblättern sammelt. Nur in sehr heissen und langen Dürreperioden kann es vorkommen, dass ein Koala eine Wasserstelle am Boden aufsucht. Auch das im Mai 2025 im Zoo Zürich geborene Jungtier kommt mittlerweile ohne zusätzliche Flüssigkeit aus. Mit etwa sechs Monaten beginnt die Umstellung auf feste Nahrung und mit etwa zwölf Monaten ist der Koala-Nachwuchs von der Muttermilch entwöhnt.
Hitze als Problem
Dank ausgeklügelter Strategien sind Koalas effiziente Wassersparer und können gut mit hohen Temperaturen umgehen. Immer wieder auftretende Hitzewellen von über 35 Grad und Dürreperioden bringen jedoch auch sie an ihre Grenzen. Ihre Wärmestrategien versagen dann. Koalas gelten daher als besonders anfällig für den Klimawandel. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass es noch etwa 400‘000 bis 570‘000 Tiere in der Wildnis gibt. In den vergangenen Jahren gab es unter anderem aufgrund von starken Bränden regional Einbrüche der Population von teilweise 50 Prozent.
Mit der Haltung und Zucht der Koalas trägt der Zoo Zürich zur Sicherung einer Reservepopulation ausserhalb des natürlichen Lebensraums bei und informiert im Rahmen von Präsentationen und Führungen über die ikonischen Vertreter der australischen Tierwelt. Auch unterstützt der Zoo die Naturschutzorganisation Koala Conservation Australia vor Ort. Diese betreibt ein Koala-Hospital, setzt sich für den Erhalt des Lebensraums ein, unterhält verschiedene Forschungskooperationen und hat ein Zuchtprogramm zur Wiederansiedlung etabliert.
ZOO ZÜRICH

