Kleinkunst vom Feinsten – ein Wochenende voller Magie
19.03.2026 Aadorf16 nationale und internationale Neuentdeckungen buhlten am Wochenende am Kleinkunstfestival «Die Krönung» in Aadorf um die Gunst des Publikums, das an zwei Tagen um Mitternacht die begehrten Adelstitel vom König bis zum Hofnarr vergeben durfte.
Bereits zum 19. Mal ...
16 nationale und internationale Neuentdeckungen buhlten am Wochenende am Kleinkunstfestival «Die Krönung» in Aadorf um die Gunst des Publikums, das an zwei Tagen um Mitternacht die begehrten Adelstitel vom König bis zum Hofnarr vergeben durfte.
Bereits zum 19. Mal verwandelte sich das Aadorfer Kulturzentrum am Freitag- und Samstagabend in einen exklusiven Ort voller Kunst, Staunen und Lachen. Das überregional bekannte Kleinkunstfestival «Die Krönung» hat sich über die Jahre einen festen und hochverdienten Platz in der Kulturszene wie auch in den Agenden von Kunstkennern gesichert.
Die 16 auftretenden Künstlerinnen und Künstler begeisterten am Wochenende mit unterschiedlichster Kleinkunst aus der Sparte Kabarett, Comedy, Poetry-Slam, Akrobatik und vielem mehr. Mit viel Herzblut und Talent bewiesen die Protagonisten, dass auch Kleinkunst ganz gross sein kann. Schrägster Wortwitz, bissige, brisante, skurrile und politische Pointen verbunden mit musikalischen Leckerbissen strapazierten das Zwerchfell des lachenden Publikums. Nicht einfach, aus der vielfältigen Kleinkunst am Schluss einen ganzen Hofstaat zu wählen.
Ein grosser Applaus und Dank geht an das engagierte, vom GONG unterstützte Organisationsteam Lilo Wellinger und Pascal Mettler, die dem Publikum Jahr für Jahr so einzigartige kulturelle Leckerbissen auftischen.
Hochkarätige Moderation
Persönlichkeiten aus der Kleinkunst, die zum Besten gehören, was die Schweiz an witziger Unterhaltung zu bieten hat, führten durch die beiden Krönungstage. Die ersten Lacher aus dem Publikum gingen an den publikumsnahen Moderator, Komiker und Juristen Sven Ivanic, der als Zürcher im Thurgau geoutet, mit blitzschneller Schlagfertigkeit und frecher Cleverness zwischen den Auftritten ins Schwarze trifft.
Mit einem breiten Lächeln holt er sein Schwyzerörgeli auf die Bühne und lässt das «Buurebüebli» fröhlich durch den Saal schwingen. Spontan verwandelt er Politparteien und Städte, die aus dem Publikum gerufen werden, in mitreissende Rapsongs. Ein herrlich witziger Mix aus Spielfreude und Humor.
Als charismatischer Wirbelwind mit Sturmfrisur moderierte Judith Bach als Claire aus Berlin den zweiten Krönungsabend. Sie singt und schnabuliert frei nach Berliner Schnauze, purzelt von Moment zu Moment und will im Laufe des Abends Schweizerin werden mit AHV und SBB, mit Sport im Plastikschnee und Bünzlis auf dem Trottoir. Sie begeistert beim Klavierspiel ebenso wie bei Fragen nach dem Sinn und Unsinn des Lebens. Bach hat die Bühnenfigur Claire erschaffen und brillierte in den letzten Aufführungen der Operette Sirnach in der Hauptrolle.
Demokratie ade – es lebe die Monarchie!
Je 20 Minuten bekamen die Künstler am Freitag- und Samstagabend Zeit, mit ihrem herausragenden Können die Herzen des Publikums zu erobern. Was «Würstli im Teig» mit Jazz und Guggenmusik mit der Heilsarmee gemeinsam haben, bespielt das Helenka-Trio. Mit witzigen Geschichten über ihren Teddy und brisanten Alltags-Absurditäten fasziniert die Opernsängerin und Slam-Poetin Vera Hiltbrunner. Zwischen Schockstarre, aktueller Weltlage (Klimagipfel contra Croissant Gipfel) und Wohlstandsverwahrlosung befinden sich Slam Poetin Annika Biedermann und Musikerin Lia Maria Neff. Der Musiker und Songwriter Tacchi aus Zürich kennt sich bei den Neubauten am Ettenhausner-Rebberg aus, verwechselt Aadorf mit Arbon, nervt sich am Klavierspiel seines Nachbarn und fragt sich, ob es farbig markierte Wanderwege braucht, wenn man mit dem «Gondeli» auf den Berg fahren kann.
Frank Fischer braucht einen Handstand, um den Irrsinn auf der Welt zu verstehen. Wortwitzig und ironisch bringt er die Deutsche Bundesbahn sowie die Deeskalations-Hotline ins Spiel. Als «Queen of Spokenword» prägt Stefanie Grob die Schweizer Szene entscheidend mit. Angriffig bis verspielt beeindruckt sie auf hohem Sprachkunst-Niveau. Muriel Zemp rückt den (Bauch)-Nabel ins Rampenlicht und gibt Kindheitserlebnissen aus dem Tagebuch Zeit und Raum. Mit einer imposanten Geräuschkulisse zeigt der «stumme» Karim Slama an der Seite von Catherine Guggisberg auf, wie er den Kleinigkeiten im Alltag begegnet. Das Publikum belohnt ihn am Freitagabend mit der Königskrone.
Zweite Königskrone geht an Anne Folger
Die am Samstagabend zur Königin gewählte deutsche Klavierkabarettistin überzeugt als Pianistin wie auch als leichtfüssiger Comedian. Ob mit satirischer Tagebuch-Lesung oder mit «Girly-Stimme» als Beauty-Influencerin übergehend in die hohe Kunst des Klavierspielens, einfach grossartig. Was hat eine Fritteuse mit Inklusion zu tun? «Weisches?», ruft Babs Stehli als Rosmarie vom Restaurant Zipfel ins lachende Publikum. Vom «Humanismus zum Humusismus» – bei Luca Maurizio aus dem Bergell dreht sich alles um warme Kuhfladen, Homo Humus und Machtfragen, heute aktueller denn je. Währenddessen setzt sich Simon Chen mit seinem Zwergpudel Shaqiri, Hunde-Fahrerflucht und dem Pannen-Dreieck für liegengelassenen Hundekot auseinander. Moet Liechti will der Begegnungszone Mensch, auch im Lehrerzimmer entgehen und André Willmund spielt, singt und erzählt Geschichten und Lieder aus der eigenen Feder. «Einzig und dr Andr», drei Urner Musiker holen in ihren Liedern so alles ab, was Herzschmerz zu bieten hat. Als Secondo zwischen der kroatischen Heimat und der Schweizer Kultur balancierend, zeigt Jozo Brica, SRF3 Best Talent Comedy 2023, tiefsinnigen Humor, wenn er über Verlust und Selbstfindung spricht.
Ein grosses Dankeschön richten die unermüdlich schaffenden Organisatoren Lilo Wellinger und Pascal Mettler an alle Helferinnen und Helfer, an Sponsoren und Vertragspartner, ohne die ein Kulturanlass dieser Grössenordnung nicht möglich wäre. Am 12. und 13. März 2027 feiert die Krönung das 20 Jahr-Jubiläum, darauf darf man sich heute schon freuen.
CHRISTINA AVANZINI



