Kälte, Schnee und ein wunderbarer Äschli
21.02.2026 ElggEinmal im Jahr lässt es Elgg krachen – im wahrsten Sinn des Wortes. Wer nicht bereits die beissende Kälte des frühen Morgens wahrgenommen hatte, wurde spätestens vom Kanonenschuss daran erinnert: Äschli! Klare Winterluft und eine eindrückliche Hauptmannsrede ...
Einmal im Jahr lässt es Elgg krachen – im wahrsten Sinn des Wortes. Wer nicht bereits die beissende Kälte des frühen Morgens wahrgenommen hatte, wurde spätestens vom Kanonenschuss daran erinnert: Äschli! Klare Winterluft und eine eindrückliche Hauptmannsrede prägten die diesjährige Durchführung und verliehen dem Brauch eine ganz besondere Atmosphäre.
Mit dem ersten Schuss begann die Tagwache. Der zweite Knall um 7 Uhr versammelte die jungen Soldaten beim Torweiher. Mit Stolz setzte sich die Kompanie in Bewegung.
Heuer führte der Weg zur Abholung des diesjährigen Hauptmanns, Sven Melliger, nicht wie üblich zu dessen Elternhaus, das im etwas weiter entfernten Neu-Elgg liegt, sondern über die Schwimmbadstrasse, den Sommersbaumgarten und die Schützenhausstrasse, nochmals über die Schwimmbadstrasse zurück ins Landstädtchen und durch verschiedene Gassen zum Hauptquartier, dem Schnitzelhaus.
Geschlossen marschierte die Kompanie durch die Gassen in Richtung Bahnhof, ein eindrückliches Bild in der winterlichen Morgenstimmung.
Kurz nachdem ein Schnellzug Richtung Winterthur vorbeigerauscht war, trafen die Züri-Elgger und Flaachtaler auch schon mit dem Thurbo ein. Die Elggerinnen und Elgger sowie die Äschlikompanie warteten gespannt auf ihre Ankunft. Der Empfang fiel herzlich aus: Trommelwirbel, der traditionelle Kanonenschuss und viele lachende Gesichter. Die Äschli-Buebe machten sich daraufhin auf zum wohlverdienten Znüni in Neu-Elgg.
Im reformierten Kirchgemeindehaus bot der Apéro für geladene Gäste, namentlich Behördenmitglieder, Gönner, die Hauptmann-Jubilare, die Hauptmann-Eltern, sowie die Züri-Elgger und die Flaachtaler Gelegenheit, sich aufzuwärmen und Neuigkeiten auszutauschen. Sie wurden von Toni Rebsamen, Präsident der Aschermittwochgesellschaft, herzlich und humorvoll begrüsst. Er bedankte sich bei der Hauptmann-Familie Melliger und allen anderen Anwesenden, dass sie so zahlreich erschienen sind.
Ein Neuelgger zum Hauptmann
Am Nachmittag füllte sich der Platz vor dem «Elggerhof» trotz klirrender Kälte rasch. Als Sven Melliger schliesslich aus dem Fenster trat, gab es tosenden Applaus.
Er freue sich sehr, heute als Äschlihauptmann 2026 vor der Gemeinde stehen zu dürfen. Wenn er ganz ehrlich sei, sei er im Moment ziemlich nervös – fast genauso nervös wie am Wahltag. Gleichzeitig freue er sich aber riesig. Es sei ein ungewohntes, aber unglaublich schönes Gefühl, heute und während des Äschli so im Mittelpunkt zu stehen; das sei er sich bisher überhaupt nicht gewohnt gewesen.
Er sei sehr stolz und dankbar, dass man ihn am 1. Januar zum Hauptmann gewählt habe. Das sei für ihn keineswegs selbstverständlich. Besonders stolz mache ihn zudem, dass wieder einmal ein Neuelgger zum Hauptmann gewählt worden sei. Und ganz nebenbei freue es ihn auch, einen ehemaligen Hauptmann als Nachbarn zu haben und sich nun in die Reihe der Hauptleute aus Neuelgg einordnen zu dürfen.
Die Wahl selbst sei für ihn ein riesiges Erlebnis gewesen. In diesem Moment sei er regelrecht überwältigt gewesen. Lange habe er überlegt, ob er sich überhaupt als Hauptmann zur Verfügung stellen solle. Doch seine Freunde hätten ihm viel Mut zugesprochen und ihn motiviert. Ohne sie stünde er heute sicher nicht hier oben.
Die Zeit seit der Wahl bis zum heutigen grossen Tag sei wie im Flug vergangen. Anfangs habe sich alles etwas unwirklich angefühlt, aber zugleich sehr gut. Mit der Zeit habe er gespürt, welche Verantwortung dieses Amt mit sich bringe – aber auch, welche Anerkennung.
Während die Kompanie eine Pause einlegte, tagte im Werkgebäude die Generalversammlung der Aschermittwochgesellschaft.
Ehrungen, Begegnungen und
Um 16.45 Uhr stand die Rangverkündung des Mädchenschiessens an. Stolze Siegerinnen nahmen unter kräftigem Applaus ihre Preise entgegen. Anschliessend folgte die Soldausgabe: Pfeiffer, Tambouren, Jäger, Übermittler, Lanzenträger, Kanoniere und Armbrustschützen wurden einzeln aufgerufen und erhielten ihren Sold in feierlichem Rahmen. Der Saal war inzwischen bis auf den letzten Platz und darüber hinaus besetzt, nebst den Mitgliedern mit stolzen Angehörigen und Freunden des Äschli.
Mit der Dämmerung wurde es nochmals kälter. Der Zapfenstreich führte die Kompanie ein letztes Mal durch die Gassen. Der gleichmässige Trommelschlag begleitete den Marsch und bildete den ruhigen Abschluss des Tages. Allmählich verlagerte sich das Festgeschehen in die Restaurants sowie ins «Gwölb» und in die «Lusche-Bar». Dort wurde angestossen, getanzt, diskutiert und gemeinsam gefeiert. Während draussen die Winterlandschaft in der Dunkelheit lag, sorgten drinnen Wärme und Geselligkeit für einen stimmungsvollen Ausklang , ein passender Abschluss dieses besonderen Äschli.
So ging ein intensiver und kalter, aber schöner Festtag zu Ende. Ein gelungener Äschli bei besten Winterbedingungen, geprägt von Tradition, Kameradschaft und Verbundenheit zur Heimat.
EMANUELA MANZARI, BETTINA STICHER

