Jeder Liter Wasser zählt
21.07.2026 ElggDie anhaltende Trockenheit macht sich auch in Elgg bemerkbar. Wie die Gemeinde am 30. Juni in der «Elgger Aadorfer Zeitung» mitteilte, ist der Grundwasserspiegel Ende Juni auf den tiefsten Stand der vergangenen zehn Jahre gesunken, auch die Quellen führen derzeit nur noch wenig ...
Die anhaltende Trockenheit macht sich auch in Elgg bemerkbar. Wie die Gemeinde am 30. Juni in der «Elgger Aadorfer Zeitung» mitteilte, ist der Grundwasserspiegel Ende Juni auf den tiefsten Stand der vergangenen zehn Jahre gesunken, auch die Quellen führen derzeit nur noch wenig Wasser. Die Trinkwasserversorgung ist zwar weiterhin sichergestellt, dennoch ruft der Gemeinderat die Bevölkerung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen Ressource auf.
Wasserintensive Tätigkeiten wie das Bewässern von Rasenflächen oder das Waschen von Fahrzeugen sollen nach Möglichkeit unterbleiben.
Was das für den eigenen Garten bedeutet, weiss Peter Büchi genau. Der Geschäftsführer der Gärtnerei Büchi in Elgg ist ausserdem für die Pflege der Blumenkisten bei den Brunnen der Gemeinde verantwortlich und kennt die Situation somit aus beiden Perspektiven.
Für den Gärtner beginnt der sparsame Umgang mit Wasser mit dem Verständnis, dass nicht jede Pflanze gleich behandelt werden darf. Topfpflanzen brauchen praktisch täglich Wasser, Bäume im Garten dagegen überstehen Trockenheit in der Regel gut – vorausgesetzt, der Boden lässt es zu. «Viele Böden sind heute bereits stark verdichtet, nur die oberste Humusschicht kann überhaupt noch Wasser aufnehmen. Ist der Boden einmal richtig ausgetrocknet, bringe es wenig, ihn auf einmal mit viel Wasser zu übergiessen. «Es bringt nichts, wenn der Boden trocken ist und man dann viel Wasser gibt. Der Boden muss langsam angefeuchtet werden, sonst läuft das Wasser einfach irgendwo anders hin, statt einzusickern», so Büchi. Sein Fazit: Zehn Millimeter Regen würden bereits reichen, um den Boden anzufeuchten. Wenn man dann nachwässert kann es der Boden am besten aufnehmen.
Früh am Morgen ist am wirkungsvollsten
Auch beim Giessrhythmus rät der Fachmann zur Zurückhaltung: «Jeden Tag ein bisschen zum Anfeuchten, das bringt nicht viel. Bei langjährigen Pflanzen genügt es, seltener, dafür gründlich zu wässern.» Als beste Tageszeit nennt er den frühen Morgen, alternativ nach neun Uhr abends. Wichtig sei zudem, ausschliesslich den Boden zu giessen: «Über die Pflanzen sollte man nie giessen, da geht Wasser verloren – ausserdem fördert das Pilzkrankheiten.» Auch beim Rasen rät er zu viel Gelassenheit: «Im Sommer sollte man den Rasen nicht zu tief mähen. Bereits vertrocknete Rasenflächen kann man in dieser Zeit nicht mehr retten, im September versuchen wir dann, den Rasen wieder in Ordnung zu bringen.» Langfristig empfiehlt er, mehr Bäume zu pflanzen: «Bäume setzen ist die beste Variante für das Klima, den Rasen und für uns.»
Auch im Gemüsegarten gilt: «Zwingend morgens giessen (oder eventuell abends), und nur den Boden, nicht aufs Gemüse.» Wer nachher zusätzlich die Erde auflockert, verhindert, dass der Boden zu schnell wieder austrocknet.
Wie viel Wasser eine Pflanze benötigt, hängt stark von ihrer Grösse ab: «Je kleiner die Pflanze, desto früher braucht sie Wasser.» Das zeige sich derzeit besonders bei Bodendeckern: «Die sind jetzt vertrocknet, weil sie zu wenig Wasser bekommen haben. Die meisten Sträucher dagegen haben die Hitze gut überstanden.»
Regenwasser ja – aber gegen Mücken geschützt sammeln
Regenwasser zu sammeln lohnt sich, für Pflanzen ist Regenwasser das Beste. Am besten baue man sich im Garten einen grossen, Regenwassertank mit rund 5000 Litern Fassungsvermögen ein, damit die Bewässerung auch über längere Trockenphasen sichergestellt ist. Wichtig ist dabei, Regenwasser ausschliesslich in geschlossenen Behältern zu sammeln, um die Vermehrung von Mücken zu verhindern. «Wir haben bereits Tigermücken hier, und die können auch Krankheiten übertragen.» Als klassischen Fehler in Hitzeperioden nennt er das Bewässern mit dem Rasensprenger am Tag – «sowohl bei Pflanzen als auch beim Rasen ist dies die schlechteste Variante.»
Auch in den Ferien braucht der Garten Pflege
Wer in die Ferien verreist: «Bevor man geht, eine Runde machen und alles wässern – oder die Nachbarn fragen, ob sie diese Aufgabe übernehmen.» Töpfe und Gefässe, die nicht im Boden stehen, brauchen auch während der Ferien Pflege. Wer die Möglichkeit hat, soll über einen Regenwassertank nachdenken. Wenn das jeder hätte, liesse sich viel Trinkwasser sparen.»
«Jeder Liter, den wir brauchen, ist Trinkwasser»
Für künftige Pflanzungen rät der Fachmann: «Man sollte darauf achten, dass Pflanzen Trockenheit gut vertragen. Wer den Garten neu gestaltet, sollte sich das von Anfang an überlegen.» Auch bei Bäumen setzt er auf Weitsicht statt auf Rückbau: «Wir nehmen keine Bäume weg, sondern setzen neue. Jede Stunde Schatten bringt etwas.»
Seine wichtigste Botschaft an die Bevölkerung von Elgg fasst er so zusammen: «Man muss sich bewusst sein: Bei jedem Liter Wasser, den man braucht, ist es Trinkwasser. Auf Autowaschen zu verzichten wäre sicher die erste Sparmassnahme – man sollte sich seinen Wasserverbrauch einfach bewusst machen.»
Auch die Brunnen spüren die Trockenheit
Auch bei den gemeindeeigenen Brunnen, bei denen sich Büchi um die Blumenpflege kümmert, macht sich die Trockenheit deutlich bemerkbar.
«Beim Brunnen nähe Pflegeheim kommt kein Wasser mehr, beim Zirkel auch nicht.» Die anderen Brunnen führen zum Glück bis jetzt noch Wasser; deren Wasser werde derzeit für das Giessen der Geranien genutzt. Leider wird das Versiegen der Brunnenquellen immer häufiger. Die Herausforderung bleibt, jeden Liter Wasser möglichst effizient zu nutzen – «denn sobald die Hitze kommt, verdunstet es wieder.»
«Jeder Liter zählt – wer jetzt bewusst mit Wasser umgeht, hilft mit, dass Elgg auch in den kommenden Wochen gut durch die Trockenheit kommt.»
EMANUELA MANZARI
Die wichtigsten Alltagstipps zum Wassersparen auf einen Blick:
Im Bad und bei der Körperpflege
• Duschen statt Baden: Ein Vollbad verbraucht bis zu 150 Liter, während eine kurze Dusche deutlich weniger benötigt.
• Wasser abstellen: Während dem Einseifen oder Zähneputzen sollte der Wasserhahn abgedreht werden.
• Sparduschköpfe nutzen: Durchflussbegrenzer oder wassersparende Duschköpfe senken den Verbrauch um bis zu 50 Prozent, ohne Komfortverlust.
Auto und Aussenbereich
• Autopflege reduzieren: In Trockenperioden sollte die private Autowäsche ganz vermieden oder in professionelle Waschanlagen mit Wasserkreislauf verlegt werden.
• Garten gezielt bewässern: Giessen Sie nur am frühen Morgen oder späten Abend, um Verdunstung zu vermeiden. Nutzen Sie dafür eine Giesskanne statt des Gartenschlauchs.
• Regenwasser sammeln: Fangen Sie Regenwasser in Tonnen oder Zisternen auf.
• Rasen schonen: Der Rasen muss in Trockenphasen nicht bewässert werden. Er erholt sich nach ausreichendem Regen von selbst.
Haushalt und Allgemein
• Maschinen voll beladen: Waschmaschinen und Geschirrspüler sollten erst laufen, wenn sie komplett gefüllt sind.
• Spar-Taste verwenden: Bei der Toilette immer die kleine Spülmenge wählen.
• Undichte Stellen reparieren: Tropfende Wasserhähne oder defekte Spülkästen umgehend abdichten lassen.

