Integrität, Verantwortung und Leistungsanspruch
05.03.2026 AadorfDisziplin, Ausdauer und Leistungsbereitschaft prägten die Karriere des ehemaligen Profifussballers Michel Avanzini, dieselben Eigenschaften bestimmen heute seinen Erfolg als ausgewiesener Wirtschaftsprüfer.
Schon mit vier Jahren war der bewegungsfreudige Aadorfer kaum je ohne ...
Disziplin, Ausdauer und Leistungsbereitschaft prägten die Karriere des ehemaligen Profifussballers Michel Avanzini, dieselben Eigenschaften bestimmen heute seinen Erfolg als ausgewiesener Wirtschaftsprüfer.
Schon mit vier Jahren war der bewegungsfreudige Aadorfer kaum je ohne Fussball anzutreffen. Mit seinem runden «Begleiter» jonglierte und spielte er vor seinem Wohnhaus oder auf dem nahegelegenen Fussplatzplatz. Sein Talent war offensichtlich, doch es waren vor allem Ausdauer, Durchhaltewillen und Fleiss, die ihn auszeichneten und seinen Weg prägten. Bei den F-Junioren des SC Aadorf nahm alles seinen Anfang. In einem Juniorenspiel, in dem Avanzini zwar sieben Tore erzielte, jedoch einen Penalty vergab und enttäuscht vom Platz ging, wurde auch der FC Winterthur auf das Talent und den Charakter des ehrgeizigen Aadorfers aufmerksam.
Beim FCW startete er seine Laufbahn in den Nachwuchsteams und schaffte bereits mit 16 Jahren den Sprung in die erste Mannschaft, wo er in der Challenge League zu seinen ersten Einsätzen kam. Danach zog es ihn zum FC St. Gallen. «Obwohl beim FCZ ein unterschriftsreifer Vertrag bereitlag, entschied ich mich für den Ostschweizer Club. Unter Trainer Giorgio Contini sammelte ich in der U21 wertvolle Erfahrungen, gehörte früh zum Kader der ersten Mannschaft und trainierte regelmässig bei den Profis mit», berichtet Avanzini, der nach der Schulzeit die kaufmännische Ausbildung bei Cablecom, der heutigen UPC, absolvierte.
Jüngster Captain der Challenge League
Um zusätzliche Spielpraxis zu sammeln, wechselte er auf eigenen Wunsch leihweise zum FC Gossau. Dort führte er das Team mit erst 20 Jahren als jüngster Captain der Challenge League an und rückte mit acht Toren in dieser Spielzeit ins Blickfeld des FC Lausanne-Sport. «Nach einer persönlich erfolgreichen Saison in der Challenge League erhielt ich direkt nach dem letzten Saisonspiel einen Anruf von den Verantwortlichen des FC Lausanne-Sport, die mich für die neue Saison verpflichten wollten. Diese Chance nutzte ich natürlich», erinnert sich Avanzini.
Als Stammspieler nahm er unter Trainer Martin Rueda bei Lausanne dann eine wichtige Rolle im linken Mittelfeld ein. Lausanne spielte in der Saison 2010/2011 eine historische Spielzeit: Der Club stieg als Erster vor dem Rivalen FC Servette-Genf in die Super League auf und qualifizierte sich über drei Qualifikationsrunden hinweg für die Gruppenphase der UEFA Europa League. «Ich sehe den Moment noch vor mir, als wir im Stadion in Moskau das grosse «Lokomotive Moskau» im Penaltyschiessen bezwangen und in die Gruppenphase einzogen. Die Emotionen in solch entscheidenden Momenten sind unbeschreiblich und deshalb liebe ich dieses Spiel», sagt er. Lausanne spielte in der Gruppenphase gegen ZSKA Moskau, US-Palermo und Sparta Prag und machte dort als ChallengeLeagueTeam eine starke Figur, mittendrin stand der Aadorfer als Stammspieler.
Die Europa League Abende im alten Stade de la Pontaise oder auswärts im Ausland – fast immer im Beisein von Familie und Freunden – sind für ihn bis heute präsent. Ebenso unvergessen bleibt das grossartige Aufstiegsspiel in Biel, das Lausanne mit 4:0 gewann. Auf internationaler Ebene durchlief der Thurgauer die Schweizer U16 bis U21-Nationalmannschaften und erzielte mehrere Tore in Nachwuchs-Länderspielen. «Das erste Nati-Aufgebot, für die U16, erhielt ich mit 15 Jahren in den Sommerferien in Zypern», erinnert er sich.
Ziele beharrlich verfolgen
Sein Weg verlief nicht ohne Hürden. Rückschläge, Verletzungen und schwierige Phasen gehörten ebenso zu seiner Karriere wie Erfolge. Gerade diese Herausforderungen formten seinen Charakter. Nach dem Aufstieg in die Super League und der Vertragsverlängerung in Lausanne folgten drei Saisons in der höchsten Liga, geprägt von Höhen und Tiefen. Nach Verletzungen kämpfte sich der Aadorfer immer wieder ins Team zurück und zeigte dabei sehr gute, jedoch nicht immer konstante Leistungen. Nach vier Saisons in der Westschweiz wollte er sich kurz vom Profisport abwenden, ehe ihn Pascal Zuberbühler beim Challenge-Ligisten FC Servette-Genf für die nächste Saison verpflichtete. «Aufgrund von Finanzproblemen, die den Club in die untere Liga relegierten, hat diese Zeit leider jäh geendet, ansonsten wären wir wohl vor Lugano in die Super League aufgestiegen», sagt Michel Avanzini rückblickend. So kehrte er in die Heimat, zum FC Winterthur zurück, wo er aufgrund seines in Bern und danach in Zürich begonnenen Wirtschaftsstudiums seine Profikarriere ausklingen liess. Der Erfolg war für ihn nie Selbstzweck, sondern das Ergebnis von harter Arbeit, Verzicht, Ausdauer und Konsequenz.
Vom Spielfeld ins Prüfungsfeld
Mit viel Disziplin hat es Avanzini geschafft, heute als angesehener Wirtschaftsprüfer bei einer der sogenannten Big-4 Prüfungs- und Beratungsgesellschaften tätig zu sein. Zwei Welten, die auf den ersten Blick verschieden erscheinen, aber in denen Integrität, Verantwortungsbewusstsein und hoher Leistungsanspruch gleichermassen zentral sind. In der Gewissheit, dass ohne Fleiss kein Preis – und damit auch kein eidgenössisches Wirtschaftsprüfer-Diplom – zu gewinnen ist, absolvierte Avanzini die anspruchsvolle vierjährige Ausbildung bei EXPERTsuisse erfolgreich. «Während dieser Zeit fand mein Leben mehrheitlich am Schreibtisch statt. In den intensiven Lernphasen verzichtete ich auf Freizeitaktivitäten ähnlich wie in meiner Profikarriere. Mir war bewusst, dass ich mehr investieren musste als Mitstudierende mit einem anderen fachlichen Hintergrund. Mein Ziel war es, alle Modulprüfungen sowie die Diplomprüfung innerhalb von vier Jahren ohne Wiederholung zu bestehen, und das ist mir gelungen», sagt Avanzini. Während der Ausbildungszeit lernte er seine jetzige Ehefrau kennen und lieben. «Wie der Zufall es wollte, lernten wir uns während meiner einwöchigen Lernpause in Dubai kennen», schmunzelt der heute 36-Jährige.
Auswandern ist kein Thema
Neben der Tatsache, dass Michel Avanzini mittlerweile drei Sprachen fliessend spricht – darunter Französisch und Englisch – bringt er vor allem Disziplin, Teamgeist, Durchsetzungsfähigkeit und grosse Einsatzbereitschaft aus dem Profisport in die Berufswelt mit. Diese Eigenschaften helfen ihm heute, sich in einer Branche mit hohem Leistungsdruck zu behaupten. Wer ihn kennt, weiss auch, dass er ausgiebig und ausgelassen feiern kann. Als Genussmensch schätzt er die Geselligkeit mit Freunden und Familie. Zugleich verfügt er über die Entschlossenheit, für seine Ziele, seinen Fortschritt und seinen Erfolg zu kämpfen.
Das wurde nun mit einem Aufenthalt in Australien belohnt, wo ihm der international tätige Arbeitgeber die grossartige Möglichkeit bot, beim Netzwerkunternehmen in Sydney wertvolle Erfahrungen zu sammeln, um für die nächsten Karriereschritte gerüstet zu sein. Zusammen mit seiner Ehefrau geniesst er hier das etwas andere Leben: die Lockerheit der Australier, das Unkomplizierte und Neue. Und doch findet auch das Vertraute seinen Platz: Seine Leidenschaft für den Fussball lebt er bei den Dunbar Rovers FC weiter aus. «Ich wollte schon immer einmal im Ausland in der Sunday League spielen», sagt er schmunzelnd. Im Garten ihres wunderschön gelegenen Domizils, in unmittelbarer Nähe zur Meeresbucht mit Sicht auf das Opernhaus und die Harbour-Bridge flogen an Silverster im Beisein der angereisten Familien und Freunden die Korken. Den Jahreswechsel, der zehn Stunden vor der Schweiz über die Bühne ging, begrüssten die Australier mit einem fantastischen Feuerwerk, auf und rund um die Harbour-Bridge. Auswandern sei kein Thema, sagen sie. «Ausgenommen, unsere Familien und einige Freunde entscheiden sich für Australien», lachen die beiden Frohnaturen.
CHRISTINA AVANZINI



