Im Einsatz für den Konsumentenschutz
24.10.2026 ThurgauDas Eichamt des Kantons Thurgau garantiert mit seinen regelmässigen Kontrollen genaue Messungen und sorgt für einen aktiven Konsumentenschutz sowie faire Bedingungen für alle Produzenten und Konsumenten.
Mit gerade Mal zwei Angestellten ist das Eichamt eines der kleinsten ...
Das Eichamt des Kantons Thurgau garantiert mit seinen regelmässigen Kontrollen genaue Messungen und sorgt für einen aktiven Konsumentenschutz sowie faire Bedingungen für alle Produzenten und Konsumenten.
Mit gerade Mal zwei Angestellten ist das Eichamt eines der kleinsten Ämter innerhalb der Verwaltung des Kantons Thurgau, doch die Arbeit ist nicht unwichtiger. Das Eichamt ist dafür zuständig, die lückenlose Überwachung der Messmittel im Kanton zu garantieren. Dies beinhaltet Raummasse, Längenmasse, Gewichtsmasse, aber auch Eichung von Tanksäulen und Abgasmessungen. Um dieses spezielle Themenfeld abzudecken, haben beide Eichmeister, Uwe Kurle und Martin Osterwalder, eine eidgenössische Berufsprüfung abgelegt und sind dadurch schweizweit als Eichmeister anerkannt.
Zusammen sind sie für den ganzen Kanton Thurgau zuständig und betreuen rund 6000 eichpflichtige Messmittel, wobei die Waagen mit 3000 Stück den grössten Teil ausmachen. Durch die gesetzlich vorgeschriebene Prüfperiodizität nehmen die beiden Eichmeister etwa 3500 Überprüfungen vor. Um dieses enorme Volumen zu stemmen, sind sie viel im ganzen Kanton unterwegs und wenig im Büro anzutreffen.
Für die Eichung der Messgeräte werden genormte und zertifizierte Referenzgrössen verwendet. Während früher das sogenannte «Urkilo» definierte, wie schwer ein Kilogramm ist, werden mittlerweile alle Messgrössen von Naturkonstanten abgeleitet, so auch das Kilo. Praktisch werden beim Eidgenössische Institut für Metrologie METAS die Referenzgrössen geeicht und anschliessend in den Eichämtern zur Eichung der Messgeräte verwendet. Damit dieser Prozess sauber abläuft, werden anschliessend alle Geräte verplombt, wodurch eine fachgerechte Eichung gewährleistet werden kann.
Regelmässige Stichproben für Konsumentenschutz
Neben der Eichung der Messgeräte kontrolliert das Eichamt zusätzlich die Einhaltung der Netto-Füllmengen von abgepackten Produkten. Dabei wird unterschieden zwischen «ungleichen» und «gleichen» Produktmengen. Bei «ungleichen» Produktmengen handelt es sich um kleine Chargen von selbst abgepackten Produkten, wie sie häufig in Hofläden vorkommen. Dort überprüfen die Eichmeister stichprobenartig, ob das Nettogewicht eingehalten wird.
Unter die Kategorie der «gleichen» Produktmengen fallen viele industriell hergestellte Waren, wie zum Beispiel Schokoladetafeln oder Nudelpackungen. So müssen bei einer Anlage, welche 7000 Tafeln pro Stunde herstellt, 60 Tafeln von den Eichmeistern überprüft werden. Wenn der Durchschnitt über der geforderten Mindestmenge ist, wird keine Beanstandung gemeldet. So wird eine maximale Abweichung von fünf Prozent auf das Gewicht toleriert. Eichmeister Uwe Kurle erklärt: «Durch die immer präziseren Messgeräte reizen die Betriebe die Toleranzen immer mehr aus. Deshalb ist es wichtig, dass wir regelmässig die Messgeräte überprüfen.» Falls eine Eichung nicht angenommen wird, muss der Betrieb das Messgerät neu justieren oder sogar ersetzen. Anschliessend wird die Eichung innerhalb eines halben Jahres wiederholt. «Grundsätzlich stimmen Messgeräte sehr gut und wir beanstanden sehr wenige Messgeräte», ergänzt Uwe Kurle.
Praxisdemo an der Tanksäule
Ein Grossteil der Arbeit entfällt auf die Eichung der Zapfsäulen. Jährlich werden alle Zapfsäulen im Kanton geprüft. Dabei unterliegt die Eichung einem genauen Prozedere. Zuerst findet ein Durchlauf zur Temperaturnivellierung statt. Weil Benzin und Diesel eine temperaturabhängige Dichte besitzen, wird die Menge immer auf fünfzehn Grad Celsius bereinigt. Somit wird durch die Temperaturnivellierung kontrolliert, ob einerseits der Temperaturfühler der Zapfsäule geeicht ist und die Messung korrekt durchgeführt werden kann.
Anschliessend entnehmen die Eichmeister jeweils zweimal dreissig Liter Flüssigkeit und kontrollieren die Messung. Bei der Demonstration ist die Abweichung zwanzig Milliliter, welche innerhalb der Toleranz von fünf Promille ist. Zusätzlich wird auch ein langsamer Durchlauf mit dreissig Prozent Fliessgeschwindigkeit getestet. Martin Osterwalder meint dazu: «Die Zapfsäule muss auch bei einer langsamen Betankung das Richtige messen.» Abschliessend wird die Temperatur der entnommenen Flüssigkeit gemessen. «Es ist wichtig, dass wir Eichmeister präzise arbeiten, sodass keine Fehler von unserer Seite entstehen», ergänzt Uwe Kurle.
Das ganze Testverfahren dauert pro Zapfhahn zehn Minuten, so dass für eine grössere Tankstelle gerne mal ein halber Tag Arbeitszeit drauf geht. Wenn alle Eichungen durchgeführt wurden und alle Zapfsäulen ohne Einwand abgenommen wurden, darf das Benzin wieder fliessen. Ansonsten werden die Säulen sofort gesperrt und müssen durch einen Servicearbeiter justiert werden.
So schauen die beiden Eichmeister Tag für Tag, dass alle Konsumenten auch mindestens so viel bekommen, wie sie bezahlen. Martin Osterwalder meint abschliessend: «Wir garantieren, dass ein Kilo auch ein Kilo ist und ein Liter auch ein Liter!»
ANDREJ BLASER

