«Ich bin mehr als meine Krankheit»
22.10.2026 ElggEine Buchautorin persönlich kennenzulernen, ist immer etwas Besonderes. Wenn sie in ihren Büchern nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch tiefe Einblicke in ihr eigenes Leben gewährt, wird die Begegnung umso eindrücklicher. Christina Boss, Unternehmerin, Coach und ...
Eine Buchautorin persönlich kennenzulernen, ist immer etwas Besonderes. Wenn sie in ihren Büchern nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch tiefe Einblicke in ihr eigenes Leben gewährt, wird die Begegnung umso eindrücklicher. Christina Boss, Unternehmerin, Coach und dreifache Mutter aus Weisslingen, hat mit «Hey T(H) umor, der Boss bin ich» ein sehr persönliches Buch geschrieben. Darin erzählt sie, wie eine Hirntumor-Diagnose ihr Leben veränderte, weshalb sie ihren Humor trotzdem nicht verloren hat und wie sie gelernt hat, mit neuen Herausforderungen umzugehen. Ihre Botschaft ist ebenso ehrlich wie ermutigend: Wir sind mehr als das, was uns im Leben widerfährt.
Manchmal kommt das Leben ganz anders, als man es sich vorgestellt hat. Christina Boss weiss das aus eigener Erfahrung. 2017 veränderte eine Hirntumor-Diagnose ihren Alltag von einem Moment auf den anderen. Was zunächst wie eine Grippe erschien, entpuppte sich als schwerer Schicksalsschlag. Plötzlich war nichts mehr selbstverständlich. Die dreifache Mutter, Ehefrau und Unternehmerin musste sich in einer völlig neuen Situation zurechtfinden.
Zweieinhalb Monate verbrachte sie in der Rehabilitation, später folgten Bestrahlungen. Vieles, was früher mühelos ging, wurde zur Herausforderung. Bis heute lebt sie mit Folgen der Erkrankung, darunter Gleichgewichtsstörungen und Gedächtnisprobleme. An manchen Tagen geht vieles gut, an anderen braucht es mehr Kraft und Planung.
Doch Christina Boss wollte sich nicht auf ihre Krankheit reduzieren lassen. «Ich wollte unbedingt weiterarbeiten», erzählt sie. Schritt für Schritt suchte sie nach Wegen, ihren Alltag neu zu gestalten. Sie lernte, ihre Kräfte besser einzuteilen, sich nicht unnötig unter Druck zu setzen und eigene Strategien zu entwickeln. «Ich arbeite seit 2008 mit Menschen in Lebenskrisen. Aber nach meiner Krankheit hat meine Arbeitsweise einen Namen erhalten (Zombie).»
Aus dieser Erfahrung entstand auch ihre Methode «Raus aus dem Zombie-Modus». Sie soll Menschen helfen, die nur noch funktionieren, sich erschöpft fühlen oder in einer persönlichen Krise stecken. Heute begleitet Boss als Coach unter anderem Menschen mit Burnout und Führungspersonen in schwierigen Lebenssituationen. Dabei bringt sie nicht nur ihr berufliches Wissen ein, sondern auch ihre eigenen Erfahrungen.
Ein Titel mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor
«Hey T(H)umor, der Boss bin ich» – schon der Titel ihres neuen Buches lässt aufhorchen. Das Wortspiel verbindet Tumor und Humor. Es ist provokativ, vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ganz bewusst gewählt.
«Ich habe einen schwarzen Humor», sagt die Buchautorin. Weil Schwere nicht immer schwer bleiben muss. Weil wir auch über schwierige Situationen lachen dürfen. Über die Krankheit zu lachen bedeute für sie nicht, das Leid kleinzureden. Vielmehr wolle sie zeigen, dass auch in einer schwierigen Situation Platz für Humor sein darf. Gerade dann, wenn einem das Leben einiges abverlangt.
Der Titel passt zu ihrer Haltung: Sie möchte nicht, dass der Tumor bestimmt, wer sie ist. «Ich bin mehr als meine Krankheit», lautet eine ihrer wichtigsten Botschaften. Sie will selbstbestimmt leben, sich nicht unterkriegen lassen und immer wieder herausfinden, was trotz aller Einschränkungen möglich ist.
Das Buch ist sehr persönlich. Christina Boss erzählt ihre eigene Geschichte und verbindet sie mit ihren Erfahrungen als Coach. Daraus entsteht ein Ratgeber, der nicht einfach fertige Lösungen verspricht, sondern zum Nachdenken anregen soll. Ein «Gedankenspiegel» am Ende der Kapitel lädt dazu ein, die eigenen Gedanken, Entscheidungen und Lebensumstände zu betrachten.
Denn Boss geht es nicht darum, schwierige Erlebnisse schönzureden. Eine Krankheit, eine Trennung oder ein anderer Schicksalsschlag kann einen Menschen tief erschüttern. Doch irgendwann stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. «Du bist nicht das, was dir passiert», ist ihre zentrale Botschaft. Entscheidend sei auch, was man aus dem Erlebten mache.
Vom eigenen Weg zum Mutmacherbuch
Das Schreiben ist für Christina Boss eine Möglichkeit, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Bereits mit ihrem früheren Buch «Raus aus dem Zombie-Modus» beschäftigte sie sich mit der Frage, wie Menschen aus belastenden Mustern ausbrechen und wieder mehr Zufriedenheit im Alltag finden können. Das Arbeitsbuch lädt dazu ein, die eigene Situation zu hinterfragen und Veränderungen Schritt für Schritt anzugehen. Zudem wirkte Boss als Mitautorin an einem Sachbuch mit.
Mit «Hey T(H)umor, der Boss bin ich» geht sie nun noch näher an ihre eigene Geschichte heran. Sie möchte zeigen, was ihr geholfen hat, nach der Diagnose wieder einen Weg zu finden – und anderen Menschen Mut machen, ihren eigenen Weg zu suchen.
Der Schreibprozess war intensiv. Nach dem Entschluss, das Buchprojekt in Angriff zu nehmen, arbeitete sie an ihrem Exposé und stellte dieses im Oktober an der Frankfurter Buchmesse vor. Das Manuskript wurde am 8. August fertig. Für das Schreiben nahm sie sich eine Auszeit in Sondrio in Italien. Dort konnte sie sich ganz auf das Buch konzentrieren.
Einfach war das nicht. Die Auseinandersetzung mit den vergangenen Jahren und den eigenen Erlebnissen brachte vieles nochmals an die Oberfläche. «Es hat mich emotional durchgeschüttelt», beschreibt sie den Prozess. Gleichzeitig konnte sie ihre Erfahrungen ordnen und in Worte fassen. Was sie erlebt hat, soll nicht nur ihre eigene Geschichte bleiben, sondern auch für andere Menschen hilfreich sein.
Mitten im Leben – und in Elgg verwurzelt
Christina Boss wurde 1959 in Zürich geboren. Beruflich ist sie vielseitig engagiert. Neben ihrer Tätigkeit als Coach arbeitet sie im Unternehmen ihres Mannes, Meta-Bau AG, das 2013 von Weisslingen nach Elgg gezogen ist. Dort ist sie unter anderem für Kommunikation und Personal zuständig.
Meta-Bau sei für sie mehr als eine Schlosserei, betont Boss. Es sei ein Familienbetrieb, in dem das Miteinander eine wichtige Rolle spiele. Auch sonst ist ihr der Kontakt zu Menschen wichtig. Sie engagierte sich in Elgg unter anderem beim Weihnachtsbasteln für einen guten Zweck und im Ferienplausch für Kinder.
Sie freut sich, wenn im Dorf etwas läuft und Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Elgg sei «wunderhübsch», sagt sie, und sie finde es beeindruckend, wie viel hier immer wieder organisiert werde. Ihr Engagement zeigt, dass sie trotz der persönlichen Herausforderungen aktiv am Dorfleben teilhaben möchte.
Jeden Tag ein bisschen Mut
Was möchte Christina Boss den Leserinnen und Lesern mitgeben? Vor allem die Ermutigung, das eigene Leben nicht aus der Hand zu geben. Selbstbestimmung bedeute nicht, alles kontrollieren zu können. Es gehe vielmehr darum, die eigenen Möglichkeiten zu erkennen, Grenzen anzunehmen und dort Entscheidungen zu treffen, wo man etwas verändern kann.
Dazu gehört für sie auch, Beziehungen und Situationen ehrlich zu hinterfragen. Was tut mir gut? Wo muss ich mich abgrenzen? Und was kann ich loslassen? Solche Fragen haben in ihrem Leben an Bedeutung gewonnen. Ihre Erfahrungen haben sie gelehrt, dass es nicht immer einfache Antworten gibt – aber dass es sich lohnt, danach zu suchen.
«Das Leben braucht jeden Tag ein bisschen Mut», sagt Boss. Sie möchte Menschen daran erinnern, dass ein Schicksalsschlag nicht das ganze Leben definieren muss. Auch wenn nicht alles wieder so wird wie früher, kann Neues entstehen.
Vielleicht ist das die herzlichste Botschaft ihres Buches: Man muss nicht immer stark sein, nicht alles allein schaffen und nicht jeden Tag gleich gut funktionieren. Aber man darf versuchen, den eigenen Weg zu finden – mit Geduld, mit Zuversicht und manchmal auch mit einer guten Portion schwarzem Humor.
Christina Boss versteht sich als Mutmacherin. Mit «Hey T(H)umor, der Boss bin ich» möchte sie zeigen, dass hinter einer schwierigen Geschichte mehr steckt als das, was einem widerfahren ist. Und dass man selbst dann noch etwas zu sagen hat, wenn das Leben einem die Worte zunächst genommen hat.
Das Buch «Hey T(H)umor, der Boss bin ich» ist im Buchhandel erhältlich.
EMANUELA MANZARI
Ein Buch, das berührt und Mut macht
Manchmal stellt das Leben von einem Tag auf den anderen alles auf den Kopf. Genau davon erzählt Christina Boss in ihrem Buch «Hey T(H)umor, der Boss bin ich». Offen, persönlich und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor nimmt sie die Leserinnen und Leser mit auf ihren Weg durch eine schwere Lebenskrise. Sie erzählt von den Herausforderungen, die eine Hirntumor-Diagnose mit sich bringt, von Momenten der Unsicherheit und davon, wie schwierig es sein kann, den eigenen Alltag plötzlich neu gestalten zu müssen.
Beim Lesen taucht man immer tiefer in Christina Boss’ Gedankenwelt ein. Ihre Offenheit macht es leicht, sich auf ihre Geschichte einzulassen. Man möchte ihre Erfahrungen förmlich aufsaugen wie ein Schwamm, bei ihren Gedanken verweilen und immer wieder überlegen, was sie für das eigene Leben bedeuten. Ihre Worte regen zum Nachdenken an, ohne belehrend zu wirken.
Was dieses Buch besonders macht, ist Christina Boss’ ehrliche und lebensnahe Art, mit dem Erlebten umzugehen. Sie beschönigt nichts, sondern zeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen anzunehmen, neue Wege zu suchen und sich selbst dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Ihr schwarzer Humor hilft ihr, dem Schweren zu begegnen, ohne ihm die ganze Macht zu überlassen.
Mit autobiografischen Einblicken und Gedanken aus ihrer Arbeit als Coach regt Christina Boss dazu an, auch das eigene Leben zu hinterfragen. Was gibt mir Kraft? Was möchte ich verändern? Und wie kann ich trotz schwieriger Umstände selbstbestimmt bleiben? «Hey T(H)umor, der Boss bin ich» ist eine Einladung, innezuhalten und den Blick wieder auf das zu richten, was möglich ist. Eine persönliche Geschichte, die Mut macht und daran erinnert, dass wir mehr sind als das, was uns im Leben widerfährt. Wir können jederzeit entscheiden, wer wir in schwierigen Situationen sein wollen.
Die Autorin persönlich kennenlernen
Wer Christina Boss und ihr Buch persönlich kennenlernen möchte, erhält dazu am 26. Oktober von 19 bis circa 21 Uhr bei der Firma Metabau, Aadorferstrasse 32 in Elgg Gelegenheit. Die Autorin stellt ihr Buch vor, erzählt von dessen Entstehung und gibt Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen und Gedanken. Eine schöne Gelegenheit, die Frau hinter dem ungewöhnlichen Buchtitel kennenzulernen und mit ihr ins Gespräch zu kommen.
Anmeldung unter: www.zombie-modus.com
Wettbewerb
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» verlost zwei signierte Exemplare von Christina Boss’ Buch «Hey T(H) umor, der Boss bin ich». Die Teilnahme erfolgt per E-Mail an die Redaktion mit dem Stichwort «Christina Boss». Die Gewinnerinnen und Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

