«Ich bin ein gesundheitlicher Glückspilz»
31.03.2026Heute feiert der Aadorfer Stefan Göldi seinen 80. Geburtstag. Dass er dieses Jubiläum erleben darf, empfindet er selbst als grosses Geschenk. Vor einigen Jahren erlitt er eine lebensbedrohliche Aortenruptur – eine Erkrankung, die nur wenige Menschen überleben. Heute sagt er ...
Heute feiert der Aadorfer Stefan Göldi seinen 80. Geburtstag. Dass er dieses Jubiläum erleben darf, empfindet er selbst als grosses Geschenk. Vor einigen Jahren erlitt er eine lebensbedrohliche Aortenruptur – eine Erkrankung, die nur wenige Menschen überleben. Heute sagt er mit Dankbarkeit: «Ich lebe jeden Tag bewusst und geniesse das Leben.» Im Gespräch erzählt er von seiner Kindheit auf dem Bauernhof, von schweren Schicksalsschlägen und davon, was ihm im Leben Kraft gegeben hat.
Herr Göldi, wo sind Sie geboren und aufgewachsen?
Stefan Göldi: «Geboren wurde ich am 31. März 1946 im Kobelwald im Rheintal SG, in der Gemeinde Oberriet.»
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?
«Ich habe viele gute Erinnerungen. Wir waren acht Kinder und lebten auf einem Bauernhof. Wir haben praktisch alles selbst gemacht – Landwirtschaft, Salat und Kartoffeln angebaut und Tiere gehalten: Kühe, Kälber, Schweine und Hasen. Es war eine arbeitsreiche, aber schöne Zeit.
1970 starb mein Vater früh. Wir waren noch jung, und als ältester Sohn musste ich mithelfen, den Betrieb weiterzuführen. Mit 22 Jahren habe ich dann das Elternhaus verlassen.»
Welchen Beruf haben Sie gelernt?
«Ich habe eine Schreinerlehre gemacht und diese sehr gut abgeschlossen – fast mit der besten Note. Während der Lehre hatte ich einmal eine Handverletzung, aber zum Glück konnte ich alle Finger behalten. Meine Mutter hatte mir eine Violine beziehungsweise Harfe geschenkt, die ich aufgrund dieses Ereignisses nie richtig mit meinen Fingern spielen konnte.»
Wie ging Ihr Weg danach weiter?
«Zuerst zog ich nach St. Margrethen, später nach Zürich zu meinem Stiefbruder. Dort arbeitete ich bei Coop, damals hiess die Firma noch LVZ. So lernte ich auch die Gegend kennen.
Nach meiner Heirat zog ich mit meiner ehemaligen Frau und meinne zwei Töchtern nach Dietlikon, wo wir etwa zehn Jahre lebten. Später zogen wir nach Dübendorf. Dort arbeitete ich fast zehn Jahre lang bei einer Büromöbelfirma.
Als die Branche schwächer wurde, verlor ich meinen Job. Danach fand ich eine Stelle bei der Helsana in der Logistik. Anfangs organisierte ich Materialien für die Büros. Nach etwa sechs Monaten übernahm ich den internen Kurierdienst für rund 2600 Mitarbeitende – ich verteilte Post und erledigte viele organisatorische Aufgaben. Später durfte ich auch Lehrlinge und Mitarbeitende ausbilden.
1990 bis 2011 arbeitete ich bei der Helsana. Danach wurde ich pensioniert und bin nach Aadorf gezogen.
Nach meiner Scheidung lernte ich später meine heutige Frau kennen, und 2002 haben wir geheiratet. Seit 2010 wohne ich in Aadorf. Ich wollte mehr Ruhe als in der Stadt – und hier fühle ich mich sehr wohl.»
Welche Rolle spielt Ihre Familie in Ihrem Leben?
«Eine sehr grosse. Meine Kinder, meine Familie und mein Umfeld geben mir viel Kraft.»
Sie haben eine lebensbedrohliche Krankheit (Aneurysma) überlebt. Was ist passiert?
«Bei mir wurde schon früher festgestellt, dass meine Aorta vergrössert war. Wenn sie einen bestimmten Durchmesser erreicht, besteht die Gefahr, dass sie platzt.
In unserer Familie gab es damit leider schon tragische Erfahrungen. Mein Bruder starb 2003 plötzlich auf der Autobahn an einem geplatzten Aneurysma. Das war für uns alle ein grosser Schock.
Am 19. Februar 2016 spürte ich plötzlich einen starken Schmerz in der Brust. Ich war gerade draussen mit meinem Hund unterwegs und musste mich bücken. Kurz darauf kam der Rettungswagen – dann weiss ich nicht mehr viel.»
Wie ging es weiter?
«Ich wurde zuerst ins Spital Frauenfeld gebracht und danach ins Universitätsspital Zürich verlegt. Dort lag ich drei Wochen auf der Intensivstation, teilweise im künstlichen Koma. Mein Leben war lange nicht ausser Gefahr.
Die Ärzte sagten mir später, dass nur sehr wenige Menschen so etwas überleben. Ich habe grosses Glück gehabt – und sehr viel den schnellen Rettungskräften und den Ärzten zu verdanken. Die Erholung dauerte etwa ein halbes Jahr. Alles ging zuerst wie in Zeitlupe. Aber heute geht es mir gut: Ich kann Treppen steigen, spazieren und ein aktives Leben führen
Nach dem ersten Ereignis schien die schlimmste Zeit überstanden zu sein – doch das war noch nicht alles. Einige später kam ein weiteres schweres Problem hinzu: Bei mir wurde eine stark vergrösserte Aorta festgestellt, die jederzeit hätte platzen können. Deshalb musste ich nochmals operiert werden. Dabei erhielt ich eine künstliche Aorta aus einem speziellen biologischen Material (Schweinegewebe). Gleichzeitig wurde auch meine Herzklappe verkleinert. Die Ärzte gaben mir damals eine Art «Garantie» von etwa zehn Jahren.
Bis heute bin ich schmerzfrei – und nächstes Jahr läuft diese sogenannte «10 jährige Garantie» ab. Wenn ich daran denke, was alles passiert ist, kann man wirklich sagen: Ich bin ein richtiger Glückspilz. Mein Hausarzt meinte einmal, dass nur etwa einer von 10’000 Menschen zwei solche Aneurysmen überlebt.»
Wie verbringen Sie Ihren Alltag?
Ich lebe den Tag so, wie er kommt, ohne Stress. Ich mache den Haushalt und gehe jeden Tag etwa eine Stunde spazieren. Bewegung tut gut. Bis 2024 hat mich mein Hund Saba begleitet – sie wurde 14 Jahre alt.
Mein Hausarzt sagt manchmal scherzhaft: «Herr Göldi, Sie sind nicht 80, sondern eher 50 – zumindest gesundheitlich.»
Hat das Erlebnis Ihren Blick auf das Leben verändert?
Ja, sehr. Man weiss nie, wann alles vorbei sein kann. Deshalb geniesse ich jeden Tag. Ich sage immer: Man soll den Tag leben, als wäre er der letzte.
Was hat Ihnen in schweren Zeiten Kraft gegeben?
Meine Familie, meine Kinder, mein Hund und mein Umfeld. Ohne diese Unterstützung wäre vieles viel schwieriger gewesen.
Wie feiern Sie Ihren 80. Geburtstag?
«Ich habe etwa zehn Familienmitglieder eingeladen, und wir feiern ganz entspannt bei Pizza und guter Musik. Silv und Dölf, werden live für uns singen und für Stimmung sorgen.»
Bild: Emanuela Manzari
Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Ich wünsche mir, dass es so weitergeht wie jetzt. Und ich möchte allen danken, die mir geholfen haben – den Ärzten, den Rettungskräften, den Pflegepersonen und allen, die für mich da waren.
Wenn meine Geschichte anderen Menschen Mut machen kann, würde mich das sehr freuen. Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» wünscht Herrn Göldi alles Gute zum Geburtstag und weiterhin viel Gesundheit.
INTERVIEW: EMANUELA MANZARI
Aneurysma der Aorta ascendens – verständlich erklärt
Ein Aneurysma der Aorta ascendens ist eine krankhafte Erweiterung der aufsteigenden Hauptschlagader. Die Aorta ist das größte Blutgefäss des Körpers und transportiert sauerstoffreiches Blut direkt vom Herzen in den gesamten Organismus. Der Abschnitt, der unmittelbar aus dem Herzen nach oben verläuft, wird als Aorta ascendens bezeichnet.
Bei einem Aneurysma wird die Gefässwand in diesem Bereich schwächer und dehnt sich mit der Zeit aus. Dadurch entsteht eine Art Ausbuchtung oder Erweiterung der Arterie. Die Ursachen können unterschiedlich sein, etwa altersbedingte Veränderungen der Gefäßwand, Bluthochdruck, genetische Bindegewebserkrankungen oder auch eine angeborene Schwäche der Gefässstruktur.
Das Tückische: Viele Betroffene bemerken lange Zeit keine Beschwerden. Das Aneurysma wird daher häufig zufällig bei bildgebenden Untersuchungen wie einer Ultraschalluntersuchung, einer Computertomografie oder einer Magnetresonanztomografie entdeckt.
Mit zunehmender Grösse steigt jedoch das Risiko, dass die Gefässwand einreisst oder sogar platzt. Eine solche sogenannte Aortendissektion oder Aortenruptur ist ein medizinischer Notfall und kann lebensbedrohlich sein. Deshalb wird ein Aneurysma der Aorta ascendens regelmässig ärztlich kontrolliert.
Erreicht die Erweiterung eine bestimmte Grösse oder wächst sie schnell, empfehlen Ärztinnen und Ärzte meist eine Operation. Dabei wird der erweiterte Abschnitt der Hauptschlagader durch eine künstliche Gefässprothese ersetzt. Ziel der Behandlung ist es, schwerwiegende Komplikationen zu verhindern und die Sicherheit der Betroffenen langfristig zu gewährleisten.


