Herzensworte
14.02.2026Herzklopfen und Heimathafen
Zwei Redaktorinnen, zwei Liebesgeschichten
Heimathafen
Bald eineinhalb Jahrzehnte darf ich mit meinem «Valentine» gemeinsam den Ozean des Lebens befahren und immer wieder Neues entdecken. Wir haben ...
Herzklopfen und Heimathafen
Zwei Redaktorinnen, zwei Liebesgeschichten
Heimathafen
Bald eineinhalb Jahrzehnte darf ich mit meinem «Valentine» gemeinsam den Ozean des Lebens befahren und immer wieder Neues entdecken. Wir haben Stürme überstanden, sind gegen den Strom geschwommen, auf Felsen aufgelaufen – und doch immer wieder aufgestanden, haben das Segel neu gespannt, die Flagge gehisst und in den Wind gerufen: «Wir schaffen das.» Auch wenn die Liebesvorräte manchmal knapp waren und der Strudel des Alltags uns fast in die Tiefe gerissen hätte, sitzen wir bis heute nebeneinander im Boot – mit tiefer Dankbarkeit, nicht alleine gegen die Strömung strampeln zu müssen. Es ist diese Vertrautheit, die uns über die Wellen schaukelt: das gemeinsame Unterwegssein, das Ankommen nach langen Tagen, das beieinander Zuhause-Sein. Die mittlerweile alltäglichen Selbstverständlichkeiten wie das Teilen des Lavabos im etwas zu kleinen Badezimmer und das nebeneinander Zähneputzen mit wilder morgendlicher Haarmähne. Das Wissen, wie der andere seinen Kaffee am liebsten mag und welche kleinen Gesten das Gegenüber besonders glücklich machen – sei es ein kurzes Tänzchen mit dem Staubsauger, eine Entladung der überfüllten Geschirrspülmaschine oder ein Aufwärmen der kalten Füsse unter der Bettdecke. Auch wenn das Herzklopfen nicht mehr alle Schmetterlinge aus dem Häuschen bringt, so schenkt der Heimathafen Sicherheit und Wärme, auch in scheinbar unscheinbaren Momenten: beim gemeinsamen Einschlafen, beim gegenseitigen Ermutigen vor neuen Herausforderungen oder beim empathischen Kopfschütteln über die Kuriositäten des Alltags. Die Schönheit und das Geschenk eines kurvenreichen, langanhaltenden Lebensweges liegen für mich im «sich selbst sein dürfen» und sich doch immer wieder neu füreinander zu entscheiden. Definitiv keine Hollywood-Verfilmung, keine ständige Romanze, sondern das echte Leben: manchmal chaotisch, gleichzeitig wunderbar, bereichernd und auch nach all den Jahren immer wieder überraschend – ganz nach dem passenden Zitat von Schauspieler Kenneth Branagh: «Eine Beziehung wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.»
Sarah Utzinger
Frisch verliebt
Frisch verliebt zu sein und den ersten Valentinstag gemeinsam zu verbringen, fühlt sich an wie ein leiser Zauber. Alles ist neu, ungewohnt und voller Leichtigkeit. Die Schmetterlinge tanzen im Bauch, die Gedanken kreisen um diesen einen Menschen, an dessen Seite sich plötzlich alles richtig anfühlt. Es ist das schöne Gefühl, angekommen zu sein – bei jemandem, der Sicherheit gibt, den man verwöhnen möchte und der einen selbst ebenso liebevoll umsorgt.
Mit dem Verliebtsein kommen Hoffnung und Zuversicht. Die Vorstellung, mit diesem Menschen die Zukunft zu teilen, wächst behutsam heran, getragen vom Wunsch nach gegenseitigem Respekt, Vertrauen und echtem Miteinander. Auch wenn man sagt, dass die Schmetterlinge irgendwann leiser werden oder ganz verschwinden – wenn es wirklich passt, bleibt die Liebe. Sie verändert sich, wird ruhiger, aber auch tiefer. Frisch verliebt zu sein bedeutet gute Laune, Lebensfreude und das Gefühl, dass vieles plötzlich einfacher ist. Die Welt scheint heller, der Alltag leichter. Und selbst wenn die Schmetterlinge eines Tages weiterziehen, bleibt die Vorfreude: darauf, das Leben gemeinsam zu teilen, den Alltag miteinander zu verbringen und Seite an Seite weiterzugehen. Denn genau darin liegt die wahre Schönheit der Liebe.
Emanuela Manzari
Gedanken zur Liebe
Was geschieht, wenn die Liebe ruft: «Bist du bereit, dich auf eine Reise mit mir einzulassen?» Manchmal kommt sie auf leisen Sohlen, ab und zu mit voller Wucht. Wie auch immer … Wir – beide über siebzig und seit mehr als fünfzig Jahren verheiratet – erleben diesen Weg als grosses Abenteuer mit oft erstaunlichen Überraschungen, Wendungen und ungeahnten Herausforderungen. Unabhängig davon, wo wir in Beziehung treten, sei es bei der Arbeit, in der Familie, in einer Freundschaft oder Lebensgemeinschaft: Im Du werde ich zum Ich. Wenn wir der vorbehaltlosen Liebe Raum geben – auch in der Liebe und Annahme von uns selbst – beschenken wir uns gegenseitig mit dem Lebenselixier, das uns unsere Einzigartigkeit entdecken und entwickeln lässt und uns so Schritt um Schritt in unsere Sinngebung hineinwachsen lässt. Valentinstag: Kommerz hin oder her. Erinnern wir uns heute besonders daran: Was wirklich zählt, ist das wahre Leben!
Therese und Martin Zuber
Wolke 7
Ich schaue in den Himmel und sehe die siebte Wolke. Da drauf liegen und spazieren und tanzen ganz viele Menschen, inklusive dir und mir. Sanfte Wogen benebeln unsere Sinne und der Himmel ist blau und das Herz ist warm und du bist so nahe an mir dran, dass ich sowieso kaum denken kann. Ich schaue in den Himmel und sehe die siebte Wolke. Auf dieser Wolke sieht niemand mehr ganz klar. Niemand merkt, wie hoch sie schweben und wie verheerend ein Fehltritt über den Wolkenrand sein kann. Niemand sieht die Abgründe, die das Paradies umgeben. Schon als Kind habe ich mich gefragt, wie tief man fallen kann, ohne sich weh zu tun. Ich glaube Wolke sieben ist zu hoch. Neben all den Menschen, die auf dieser Wolke liegen und spazieren und tanzen sehe ich auch viele, die am Rand in die Tiefe fallen. Man kann es nicht verhindern; sie brechen sich die Beine, vielleicht auch das Genick. Das Leben auf Wolke sieben ist schön doch ob man bleiben darf oder nicht ist pures Glück.
Poetry Slam von Leandra Mattea (Auszug aus dem Kulturprojekt LEBENSKLANG)

