Handwerkliches Geschick mit Kelle und Natursteinen
21.05.2026 Thurgau, RegionLernende des Thurgauer Baumeistersverbands helfen mit bei der Sanierung der Ruine Sandegg in Salenstein. Vier stammen aus der Region: Noel Kägi, Lommis (Vetter AG, Lommis); Levin Dübendorfer, Oberwangen; Levin Rechsteiner, Hagenbuch; und Andrin Habegger, Tägerschen (alle drei Huldi ...
Lernende des Thurgauer Baumeistersverbands helfen mit bei der Sanierung der Ruine Sandegg in Salenstein. Vier stammen aus der Region: Noel Kägi, Lommis (Vetter AG, Lommis); Levin Dübendorfer, Oberwangen; Levin Rechsteiner, Hagenbuch; und Andrin Habegger, Tägerschen (alle drei Huldi Bauunternehmung AG, Balterswil)
Der Blick schweift hinüber zur Reichenau, zum Schienerberg, zum Gnadensee und zu den Hegau-Vulkanen. «Zurzeit führt der Thurgauer Baumeisterverband mit den Lernenden des zweiten Lehrjahrs in der historischen Anlage Sandegg seine traditionelle Landwoche durch», erklärt Geschäftsführer Gian Nauli auf der restaurierten Aussichtsterrasse westlich von Salenstein und hoch über dem Untersee. Er weist darauf hin, dass die Lernenden von zehn thurgauischen Bauunternehmungen hier einen Beitrag leisten an die Öffentlichkeit und hebt hervor: «Sie erweitern dabei ihre Fachkenntnisse im Bereich der Restaurierung und auch für den Erhalt einer Ruine.» Der 18-jährige Kreuzlinger Celilcan Taspinar absolviert seine Lehre als Maurer bei der Firma Stutz AG. Während er sorgfältig einen der Sandsteine – alle entstammen der Ruine – in die Hand nimmt und professionell in die rundförmige Mauer des Eingangsbereichs einfügt, erklärt er: «Mein Lehrlingsausbildner hat mich motiviert, an diesem besonderen Projekt mitzuarbeiten und ich bin begeistert von der Arbeit hier.» Ein besonderes Augenmerk richtet er auf das richtige Anordnen der Stossfugen und das Anbringen des Mörtels auf der für das Auge abgewandten Seite. Wichtig ist für ihn: «Die Bauweise muss derjenigen von früheren Jahrhunderten entsprechen und sich in das historische Gesamtkonzept einfügen.» Im Gegensatz zur täglichen Arbeit auf der Baustelle sei hier Geduld und Fingerspitzengefühlt gefragt, dies auch wegen der Andersartigkeit des Baustoffs, stellt der junge Berufsmann fest. Und bevor er an der Mauer weiterarbeitet, sagt er strahlend: «Ich schätze an meinem Beruf die Vielseitigkeit, man bleibt körperlich fit und insbesondere das Arbeiten im Freien und in einem Team finde ich ausgezeichnet.»
Zugänglich für die Öffentlichkeit
Die Ruine Sandegg liegt unweit des Schlosses Eugensberg und die Anlage, die sich aus einer Aussichtsterrasse und einem Park zusammensetzt, war in den letzten Jahren in einem schlechten Zustand. So stürzte 2004 die Nordwestecke der Terrasse ein und in der Folge war es unumgänglich, den Zugang zur Ruine aus Sicherheitsgründen zu sperren. «Nun soll die Anlage saniert und wieder öffentlich zugänglich werden», sagt der Geschäftsführer. Er weist dabei darauf hin, dass die Gemeinde Salenstein in Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Amt für Archäologie ein Sanierungsprojekt erarbeitete. Bereits vor Beginn der laufenden Sanierungsarbeiten nutzten die Archäologen die Gelegenheit, mögliche Reste älterer Bausubstanz bei der Ruine zu untersuchen. Denn der Ort hat eine bewegte Geschichte: Das Plateau wurde über Jahrhunderte hinweg immer wieder genutzt und bebaut. Gemäss dem Amt für Archäologie blieb auf der Sandegg kaum ein Abschnitt dauerhaft unverändert. Nach schriftlichen Quellen soll die Burg bereits im 8. Jahrhundert bewohnt gewesen sein und wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach die Besitzer. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schien sie zudem weitgehend verfallen zu sein und 1540 wurde sie als «höchst baufällig und ohne Wert» beschrieben. Auch zwischen dem 17. und 19 Jahrhundert blieb die Anlage im Wandel und wurde mehrfach umgebaut, rückgebaut und renoviert. 1814 wurde der Turm abgetragen, das Hauptgebäude saniert und fortan als Schloss Sandegg bezeichnet. Im Jahr 1833 brannte die Anlage schliesslich bei Renovierungsarbeiten nieder. Zehn Jahre später wurden die letzten Reste abgetragen und auf dem alten Kellergewölbe des Schlosses eine Aussichtsplattform errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts folgte dann die erste Gartengestaltung, die um 1920 ihre heutige Form erhielt.
Arbeiten am Eingangsbereich und am Brunnen
«Im Vordergrund der laufenden Sanierungsarbeiten steht die Sicherung der bisherigen Mauern und da bei diesen Arbeiten mit einem erhöhten Risiko zu rechnen ist, sind sie für die Lernenden nicht zumutbar», sagt Nauli. In Absprache mit der Bauleitung bietet sich ihnen deshalb die Gelegenheit, ihr handwerkliches Geschick bei der Sanierung des Eingangsbereichs des ehemaligen Schlosses, bei Teilarbeiten am Brunnen und bei der Wiederherstellung der Plateau-Mauern unter Beweis zu stellen. Den insgesamt 15 Lernenden bietet sich somit bei der Ausführung dieser Arbeiten im Rahmen von 1300 Arbeitsstunden die einmalige Chance, an einem Baudenkmal mitzuwirken. Gearbeitet wird mit bisherigem Material und dabei gilt es, die Vorgaben des Amtes für Archäologie einzuhalten. Das Amt begleitet die Lernenden während der Arbeit und führte sie in das Bauprojekt ein. Die Kosten für den Zeitaufwand von Geschäftsleiter und Instruktor übernehmen der Thurgauer Baumeisterverband und die Gemeinde, die Materialkosten gehen zu Lasten der Gemeinde. Der Arbeitseinsatz der Lernenden erfolgt traditionell unentgeltlich.
WERNER LENZIN

