«Hagenbuch konnte seinen Wasserbedarf bis vor Kurzem selbst decken»
17.10.2026 HagenbuchIm Rekordsommer 2026 gab es nicht nur ausserordentlich viele Hitzetage, sondern auch grosse Trockenheit. Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» hat in ihrem Einzugsgebiet nachgefragt, was das für die Gemeinden bedeutet. In Hagenbuch ist die Versorgung gewährleistet. Investitionen sind ...
Im Rekordsommer 2026 gab es nicht nur ausserordentlich viele Hitzetage, sondern auch grosse Trockenheit. Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» hat in ihrem Einzugsgebiet nachgefragt, was das für die Gemeinden bedeutet. In Hagenbuch ist die Versorgung gewährleistet. Investitionen sind geplant. Es wurde aufgefordert, sparsam mit dem Wasser umzugehen.
Herr Falgetano, wie stand es diesen Sommer mit der Hitze und vor allem der langen Trockenperiode um die Wasserversorgung in der Gemeinde Hagenbuch ganz allgemein? Fausto Falgetano (Bereichsleiter Wasserversorgung Hagenbuch): Die Wasserversorgung in Hagenbuch war trotz der langen Trockenperiode über den ganzen Sommer sehr gut aufgestellt und konnte lange normal bewirtschaftet werden. Erst seit einigen Wochen beobachten wir einen tieferen Grundwasserspiegel von aktuell etwa 496,8 Metern über Meer. Normalerweise liegt dieser bei rund 498,5 bis 500 Meter über Meer. Auch die Quellen führen aufgrund der langen Trockenheit zurzeit nur noch geringe Wassermengen. Die Versorgungssicherheit der Gemeinde Hagenbuch ist jedoch weiterhin gewährleistet.
Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, sparsam und bewusst mit dem Trinkwasser umzugehen.
Können Sie konkrete Zahlen oder Vergleiche mit einem durchschnittlichen Jahr nennen?
Seit meinem Stellenantritt vor rund drei Jahren ist der Wasserverbrauch relativ konstant. Durch die Aufarbeitung des Leitungsnetzes und die Behebung verschiedener Leckagen konnten wir die Wasserverluste um fast 20 Prozent reduzieren. Der Verbrauch liegt bei rund 300 bis 350 Litern pro Einwohner und Tag. Dieser Wert ist zwar noch etwas hoch, aufgrund der vielen Tierhaltungsbetriebe in der Gemeinde jedoch plausibel.
Woher stammt Hagenbuchs Trinkwasser? Aus eigenen Quellen, vom Grundwasser oder von externen Wasserversorgungen?
Hagenbuch verfügt über viele eigene Quellen sowie eine eigene Grundwasserfassung. Die Gemeinde kann ihren gesamten Trinkwasserbedarf aus diesen eigenen Ressourcen decken und ist im Normalbetrieb nicht auf Fremdwasser angewiesen.
Wie viel Wasser verbraucht die Gemeinde durchschnittlich pro Tag (Privathaushalte, Industrie, Landwirtschaft)? Ist der Verbrauch an besonders heissen Tagen grösser?
Der durchschnittliche Wasserverbrauch lag in den letzten drei Jahren bei rund 450 bis 600 Kubikmeter pro Tag. Allein die Laufbrunnen in den Aussenwachten benötigen normalerweise rund 35 Kubik pro Tag; diese sind aufgrund der aktuellen Trockenperiode zurzeit abgestellt. In den Monaten Mai, Juni und Juli ist der Verbrauch jeweils etwas höher, unter anderem durch das Befüllen von Pools. Grössere Poolfüllungen werden mit mir abgesprochen, sodass wir diese entsprechend koordinieren können. Das funktioniert in Hagenbuch sehr gut.
Musste die Gemeinde Hagenbuch zusätzliches Trinkwasser von anderen Gemeinden oder einem regionalen Verbund beziehen? Wenn ja, woher?
Bis vor rund einem Monat konnte Hagenbuch seinen Trinkwasserbedarf vollständig aus eigenen Ressourcen decken. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des gesunkenen Grundwasserspiegels beziehen wir inzwischen täglich rund 140 bis 150 Kubikmeter Trinkwasser über Aadorf und Elgg. Dadurch können wir unsere eigene Grundwasserfassung entlasten. Gleichzeitig liefern wir weiterhin Trinkwasser an das Brinerareal in Elgg.
Wie gross ist normalerweise der Anteil des eigenen Wassers und wie gross der Anteil des zugekauften Wassers?
Seit meinem Stellenantritt konnten wir die Wasserversorgung immer mit eigenem Wasser sicherstellen. Lediglich zur Spülung der Verbindungsleitung zu Elgg beziehen wir alle zwei Wochen rund fünf bis zehn Kubikmeter Wasser, damit kein Wasser in der Leitung stagniert.
Aufgrund der aktuellen Trockenheit beziehen wir seit rund einem Monat täglich 140 bis 150 Kubikmeter Trinkwasser von Aadorf über Elgg, um unsere eigene Grundwasserfassung zu entlasten. Die Bewirtschaftung unserer Wasserversorgung überprüfe ich täglich und passe sie laufend den aktuellen Gegebenheiten an. Dabei ist es mir besonders wichtig, unsere vorhandenen Wasserressourcen möglichst effizient und nachhaltig zu nutzen. Gerade in der aktuellen Situation setze ich mich mit viel Engagement und Leidenschaft dafür ein, die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.
Mussten Sie aufgrund der Trockenheit bereits besondere Massnahmen ergreifen? Gab oder gibt es zum Beispiel einen Aufruf zum Wassersparen?
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit haben wir die Bevölkerung schriftlich darum gebeten, vernünftig und bewusst mit dem Trinkwasser umzugehen. Die Versorgungssicherheit in Hagenbuch ist jedoch gewährleistet.
Beobachten Sie, dass der private Wasserverbrauch während Hitzeperioden stark zunimmt? Wenn Ja, um wie viel etwa?
Nein, einen starken oder konstanten Anstieg des privaten Wasserverbrauchs während Hitzeperioden stellen wir nicht fest. Es gibt einzelne Tage, an denen der Verbrauch etwas höher ist, danach aber auch wieder Tage mit tieferem Verbrauch. Insgesamt bleibt der Verbrauch relativ konstant.
Sind Investitionen vorgesehen, etwa in Reservoirs, Leitungen, zusätzliche Wasserfassungen oder eine stärkere Vernetzung mit anderen Versorgungen? Ja, in den kommenden Jahren sind wichtige Investitionen vorgesehen. Zurzeit befindet sich die Generelle Wasserversorgungsplanung (GWP) in der Fertigstellung. Sie bildet eine wichtige Grundlage für die langfristige Entwicklung unserer Wasserversorgung. Damit können wir notwendige Investitionen frühzeitig erkennen, sinnvoll priorisieren und die finanziellen Mittel gezielt und nachhaltig einsetzen.
Eine wichtige Massnahme ist der Aufbau eines zweiten, unabhängigen Standbeins zur Erhöhung der Versorgungssicherheit.
Ein weiteres wichtiges Projekt war der bereits abgeschlossene Umbau unseres Quellwasserpumpwerks Hagenbuch. Durch die Modernisierung können wir jährlich rund 25’000 bis 30’000 m³ zusätzliches Quellwasser nutzen. Damit haben wir unsere bestehenden Wasserressourcen besser erschlossen, die Eigenversorgung gestärkt und einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Versorgungssicherheit geleistet.
Neben der langfristigen Planung ist mir auch die tägliche Bewirtschaftung unserer Wasserversorgung sehr wichtig. Zahlreiche Unterhalts- und Optimierungsarbeiten führen wir mit unserem eigenen Fachwissen selbständig aus. Dadurch kennen wir unsere Anlagen genau, können effizient handeln und Kosten bewusst einsetzen.
Ich persönlich stecke sehr viel Herzblut in diese Aufgabe. Mir ist es wichtig, mein Fachwissen täglich einzubringen, bestehende Abläufe zu hinterfragen und die Wasserversorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Bevölkerung soll darauf vertrauen können, dass wir uns täglich mit grossem Engagement und Verantwortungsbewusstsein für eine sichere, nachhaltige und wirtschaftliche Trinkwasserversorgung einsetzen.
Gibt es ein Szenario, bei dem trotz der guten Vernetzung tatsächlich mit einer Wasserknappheit gerechnet werden müsste? Oder anders gefragt, wie lange wäre die Gemeinde Hagenbuch ohne Niederschläge noch problemlos mit Wasser versorgt?
Die Trinkwasserversorgung in Hagenbuch ist weiterhin gewährleistet. Trotz der anhaltenden Trockenheit bin ich zuversichtlich, dass wir die Versorgung auch künftig sicherstellen können. Entscheidend ist dabei, dass wir die Situation laufend überwachen, unsere Anlagen gezielt optimieren und frühzeitig die notwendigen Massnahmen ergreifen.
So haben wir beispielsweise unser Grundwasserpumpwerk bereits mittels Kamerabefahrung untersucht. Dabei wurden Ablagerungen und teilweise zugesetzte Zulaufschlitze festgestellt. Gemeinsam mit Fachspezialisten prüfen wir nun, mit welchen Massnahmen die Leistungsfähigkeit des Grundwasserbrunnens nachhaltig verbessert werden kann.
Auch unsere zahlreichen Quellfassungen werden laufend unterhalten und schrittweise saniert, um die vorhandenen Wasserressourcen langfristig optimal nutzen zu können.
Zusammen mit der geplanten stärkeren regionalen Vernetzung schaffen wir damit wichtige Voraussetzungen für die zukünftige Versorgungssicherheit. Wie lange wir ohne weitere Niederschläge auskommen würden, lässt sich allerdings nicht pauschal vorhersagen.
Ich bin überzeugt, dass wir mit einer vorausschauenden Planung, gezielten Investitionen und einer sorgfältigen Bewirtschaftung gut für die Zukunft aufgestellt sein können.
Dennoch bleibt ein bewusster Umgang mit unserem Trinkwasser wichtig. Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und ein wertvolles Gut, das wir gemeinsam schützen müssen.
INTERVIEW: BETTINA STICHER


