Seit 15 Jahren treffen sich im Katholischen Kirchgemeindesaal einmal monatlich über 60 Pensionäre zum donnerstäglichen Mittagstisch. Die Gäste schätzen die Pflege der Gemeinschaft und wohl alles, was aus der Küche kommt.
Die drei Tischreihen, liebevoll ...
Seit 15 Jahren treffen sich im Katholischen Kirchgemeindesaal einmal monatlich über 60 Pensionäre zum donnerstäglichen Mittagstisch. Die Gäste schätzen die Pflege der Gemeinschaft und wohl alles, was aus der Küche kommt.
Die drei Tischreihen, liebevoll dekoriert mit Hortensien und Ziergras, füllen sich mit Pensionierten, worunter nur eine Handvoll Männer auszumachen sind. Das Stimmengewirr ist jedoch beträchtlich, zumal sich die meisten Ankömmlinge aus vielen vergangenen Jahren zu kennen scheinen. Der Lärmpegel verstummt jäh, als Gertrud Ullrich zur Begrüssung schreitet. Seit gut zehn Jahren tut sie das regelmässig als Organisatorin und Administratorin und heisst dabei die Gäste willkommen. Eingestimmt wird jeweils mit einem profanen Lied. Diesmal ist es «Im schönsten Wiesengrunde».
Erfolgreiche Weiterführung
In der kleinen Küche und hinter dem Office, wo die letzten Anpassungen vorgenommen werden, herrscht indessen Hochbetrieb. Lina Voser aus Schwarzenbach führt dort das Zepter. Seit 17 Jahren kennt sie das Metier aus dem Effeff. Alle sind froh, dass der Anlass nach einem Intermezzo von Alberto Amstutz weitergeführt werden konnte. Dieser brillierte in den vergangenen vier Jahren mit kulinarischen Höhenflügen, derweil die St. Gallerin nun mit gutbürgerlicher Kochkunst aufwartet, die bei den Gästen ebenfalls gut ankommt. Die originell gestaltete Menükarte verrät, was auf den Tisch kommen wird, nämlich eine Lauchcrème-Suppe, Nierstückbraten an Rotweinsauce, Spiralnudeln, Rüebli und Kohlräbli. Als Getränk gibt es gratis Zitronenwasser und allenfalls Wein gegen einen Unkostenbeitrag. Stracciatella-Crème mit Birnen zum Dessert rundeten die Köstlichkeiten ab.
Ein Gemeinschaftswerk
Es wäre ein Fehler, das Erfolgsmodell an einer Person festzumachen. Es ist ein Zusammenspiel von freiwillig Helfenden, die den beträchtlichen Aufwand nicht scheuen. Die Gästeschar schätzt offensichtlich das Wohlfühlklima und den verbalen Austausch im Kreise Gleichgesinnter. Ob es sich, wie heute, um die älteste Anwesende mit 96 Jahren handelt oder um jüngere Frauen und Männer. Selbst kleinere Kinder mischen sich zuweilen unter die muntere Gästeschar. So gesehen ist zu hoffen, dass der Mittagstisch noch weiterhin seine gesellschaftliche und kulinarische Aufgabe erfüllen möge.
KURT LICHTENSTEIGER