Der Geist weht, wo er will
Ich erinnere mich an eine Velotour in der Primarschulzeit in Frankreich. Wie schön und mühelos war die Fahrt ans Mittelmeer, auf das wir uns so gefreut hatten! Der Wind hat uns quasi aus dem Landesinneren an die Küste geblasen. ...
Der Geist weht, wo er will
Ich erinnere mich an eine Velotour in der Primarschulzeit in Frankreich. Wie schön und mühelos war die Fahrt ans Mittelmeer, auf das wir uns so gefreut hatten! Der Wind hat uns quasi aus dem Landesinneren an die Küste geblasen. Und wie haben wir getobt, als der Gegenwind uns den Rückweg am Tag darauf nur im Schneckentempo hat erstrampeln lassen.
Mindestens genauso unverfügbar und unbeeinflussbar wie dieser Wind ist der Geist Gottes, der weht, wann und wo er will.
Gerade dieses Wissen droht aber in der heutigen Zeit wieder in den Hintergrund zu rutschen. Einmal mehr gibt es an verschiedenen Orten auf der Welt Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, sehr genau zu wissen, wo und wie dieser Geist Gottes zu wirken hat. Und sie geben vor, auch dafür sorgen zu können, dass dieser Geist dort wirkt. Dass der Geist so unverfügbar ist wie der Wind, erinnert daran, dass es diese Verfügbarkeit und Instrumentalisierbarkeit Gottes nicht gibt. Ja – Gott kann wirken in dieser Welt. Aber wo und wie er wirkt, haben wir nicht in der Hand. Uns bleibt, uns so zu verhalten, als ob Gott auf dieser Welt für Gerechtigkeit und für Frieden, für Vertrauen untereinander sorgen würde. Dann kann Gottes Geist wehen und dafür sorgen, woran wir zweifeln: Dass unser bescheidener Beitrag, den wir als kleines Rädchen in den viel zu grossen und komplizierten Zusammenhängen leisten können, auch tatsächlich gesehen und gehört wird und etwas verändern darf.
Zu entscheiden, was nötig ist zu tun ist deutlich schwieriger, als einfach für das, was ich tue, den Geist von Gott in Anspruch zu nehmen.
Es braucht einen Schritt zurück zu sich, in die Ruhe, vielleicht ins Gebet. Seit dem 9. Mai gibt es eine erneuerte Gelegenheit, diesen Schritt zurück ganz konkret zu machen: Im Guggenbühlwald gegenüber der Badi in Aadorf wurde der von der Katholischen Kirchgemeinde St. Aurelia, der Evangelischen Kirchgemeinde Aadorf-Aawangen und der Viva Kirche Aadorf erneuerte Spirit Parcours eingeweiht. An sieben Posten kann man einen Weg durch den Wald und in die Ruhe gehen. Der Wind weht im Moment herrlich durch den Frühsommerwald – und wenn er will, weht auch der gute Geist Gottes in den mutigen Gedanken, die wir aus der Stille fassen.
MANUELA STEINEMANN, PFARRERIN DER EVANGELISCHEN KIRCHGEMEINDE AADORF-AAWANGEN
Zum Mitnehmen in den Alltag
Machen Sie sich auf dem Spirit Parcours gegenüber der Badi Aadorf auf den Weg und geben Sie dem Geist Gottes Zeit, Raum und Gelegenheit, zu wirken. Für Erwachsene – und mit der Kindergeschichte unter dem QR Code auf den Tafeln – auch für Kinder, jederzeit geöffnet.