«Generell wird viel entsorgt, das noch funktionsfähig ist»
17.01.2026 WittenwilNach den Feiertagen gibt es in vielen Bereichen Anfang Jahr das berühmte Januar-Loch. Nicht aber bei den Entsorgungsstellen. Auch im Sammelhof der Kägi AG in Wittenwil hatten die Mitarbeitenden in den ersten beiden Wochen des Jahres alle Hände voll zu tun. Marlies Kägi ...
Nach den Feiertagen gibt es in vielen Bereichen Anfang Jahr das berühmte Januar-Loch. Nicht aber bei den Entsorgungsstellen. Auch im Sammelhof der Kägi AG in Wittenwil hatten die Mitarbeitenden in den ersten beiden Wochen des Jahres alle Hände voll zu tun. Marlies Kägi erklärt im Gespräch mit der «Elgger-Aadorfer-Zeitung», welches die grössten Herausforderungen sind.
Frau Kägi, nach den Feiertagen wird ja gerne entsorgt. Sind Sie in diesen Tagen mit mehr Leuten im Einsatz?
Ja, am ersten Tag war eine Person mehr im Einsatz. Danach hat es sich eingependelt.
Mit wie vielen Leuten arbeiten sie normalerweise?
Grundsätzlich sind unter der Woche zwei Personen vor Ort, am Samstag drei.
Sind es hauptsächlich Private oder auch das Gewerbe?
Wir haben mehrheitlich Private, wobei die Gewerbetreibenden auch als Privatpersonen entsorgen. Fürs Gewerbe sind wir oft auch mit Mulden im Einsatz, weshalb diese Mengen nicht angeliefert werden und somit auch nicht in den Mengen vom Sammelhof erfasst sind.
An welchen Tagen ist derzeit am meisten los?
In der Regel ist es der Samstag, weil mehr Leute an diesem Tag Zeit haben, zu entsorgen.
Was entsorgen die Leute in diesen Tagen hauptsächlich?
Flaschenglas, Getränke-PET und Karton gehören sicher zu den Hauptentsorgungsgütern.
Auch Möbel und andere Haushaltgegenstände, weil sie Zeit haben, um auszumisten an den freien Tagen?
Auch diese Stoffe kommen nach den Festtagen. Dies ist sicherlich mitunter der freien Zeit geschuldet. Es gibt aber in diesen Tagen keine signifikante Mengensteigerung dieser Güter.
Wie sieht es bei den Elektrogeräten aus? Solche Artikel kommen das ganze Jahr in grossen Mengen, da sich Reparaturen von den Kosten her meist nicht lohnen – ein neues Gerät ist in der Regel kostengünstiger als eine Reparatur – oder weil es technisch nicht mehr unterstützt wird. Ein Hauptgrund ist aber, dass man all den Aktionen und Sonderangeboten nicht widerstehen kann. Zum Beispiel ist bei einer Fussball-WM oder -EM der Rückfluss an Bildschirmen höher als üblich. Vermutlich weil man den Ball bei solchen Spielen besser sehen möchte. Dabei setzt man auf die neueste Bildqualität und grössere Bildschirme.
«Bei einer Fussball-WM oder -EM ist der Rückfluss an Bildschirmen höher als üblich.»
Was ist mit überflüssigen Geschenken und Verpackungen davon?
Ob überflüssige Geschenke entsorgt werden, entzieht sich unseren Kenntnissen. Die Kunden erzählen uns nicht, dass das jetzt ein Geschenk war, das nicht gefällt. Generell wird viel entsorgt, was noch funktionstüchtig wäre und auch noch schön aussieht. Aber es passt nicht mehr oder man findet keine Abnehmer, die es weiterverwenden könnten.
Reste vom Feiern, zum Beispiel Glas?
Trinkgläser und Geschirr beziehungsweise Glas- und Geschirrbruch fallen an Festtagen sicherlich mehr an als unter dem Jahr und entsprechend dann auch die ersetzten Gläser, die nicht mehr zu den neuen passen, weil die Menge aufgestockt wurde.
Anderes?
Nichts, das konkret aufgefallen wäre und nicht schon genannt wurde.
Gibt es noch andere Zeiten im Jahr, in denen der Sammelhof besonders beansprucht wird?
Früher waren sicherlich die Zügeltermine spürbar. Seit jedoch mehrheitlich monatlich gekündigt werden kann, gibt es diese Spitzen nicht mehr. Man kann jedoch an den Mengen von zurückgebrachtem Getränke-PET abwägen, ob der Sommer heiss oder regnerisch war.
Wie ist normalerweise etwa das Verhältnis Private-Gewerbe?
Wir erheben keine Daten, wer entsorgt, ob Privat oder Gewerbe. Wir haben genug zu tun mit der gesamten Erfassung des Mengenflusses. Es sind aber mit Bestimmtheit mehr Private als Gewerbetreibende.
Wie viele Tonnen kommen in einem Tag, Woche, Monat oder Jahr etwa zusammen?
Als Sammler von Haushaltkunststoff der ersten Stunde (seit über zehn Jahren) ergeben sich bei uns pro Jahr etwa 38’000 Kilogramm an gelben Sammelsäcken «bring Plastic back», welche uns die Kunden zurückbringen. In dieser Menge sind Getränke-PET, andere Kunststoffe und Folien nicht mit eingerechnet.
Auch die Kartonmenge mit über 200 Tonnen pro Jahr steigert sich stetig, weil immer mehr Onlinebestellungen erfolgen, was entsprechend mehr Verpackungsabfall auslöst. Bei Elektro- und Elektronikschrott kommen etwa 1’700 Kilo pro Woche zusammen. Alles in Allem sammelt sich pro Stunde Öffnungszeit etwa 800 Kilo sogenannter Abfall in unserem Sammelhof an.
«Die Kartonmenge mit über 200 Tonnen pro Jahr steigert sich stetig, weil immer mehr Onlinebestellungen erfolgen, was entsprechend mehr Verpackungsabfall auslöst.»
Haben Sie Tipps für die Bevölkerung, wie sie sich am besten verhalten sollen, damit das Entsorgen bei hohem Aufkommen möglichst reibungslos abläuft?
Wir haben grösstenteils sehr angenehme und rücksichtsvolle Kunden, welche auch die Sortenreinheit respektieren, so dass es in der Regel generell, aber auch bei höherem Kundenaufkommen recht reibungslos abläuft. Bestimmt braucht man bei höher frequentierten Zeiten etwas mehr Geduld. Aber wer regelmässig kommt, kennt das und rechnet Wartezeiten mit ein, sodass es selten zu Gehässigkeiten kommt.
Was uns aber die Arbeit erschwert und den normalen Ablauf stört, sind die Leute, die Fehlwürfe produzieren. Dabei geht es um diejenigen, die zum Beispiel Windeln, Altöl, Möbelteile oder auch Elektronikschrott in die Papieroder Kartonmulde werfen. Das muss dann wieder mühsam aus den Mulden gefischt und den korrekten Stoffkreisläufen zugeführt werden. Bei Öl oder Windeln, aber auch bei gebrauchten Papiertaschentüchern und Haushaltpapier ist das sehr unangenehm. Solche Abfälle gehören in den Kehricht, genau wie Geschenkpapier.
Auch diejenigen, die Sperrgut in Abfallsäcken bringen und die trotz Nachfrage, ob sich Elektro/Elektronik darin befindet, verneinen. In den meisten Fällen zeigen sich bei den Kontrollen, dass dem nicht so ist. Dabei geht es nur um Brandverhütung. Die Leute sind sich nicht bewusst, was passiert, wenn Batterien, die sich in der Regel in den Elektro- oder Elektronikgeräten befinden, nicht entfernt werden und durch die maschinelle Bearbeitung der Stoffe beschädigt werden. Immer wieder brennt es in Entsorgungshöfen, weil die Kunden batteriebetriebene Abfälle unsachgemäss irgendwo hineinwerfen und die anderen Gegenstände Feuer auslösen. Es kam schon vor, dass wir ganze Mulden ausräumen mussten, weil plötzlich irgendwo ein Spielzeug zu piepsen begann oder Musik vom Muldenboden aufstieg.
Wenn Dinge entsorgt werden, die die Partnerin oder der Sohn gar nicht entsorgen wollten und wir die Gebinde nach genau diesen Dingen durchsuchen müssen, kann das den regulären Ablauf natürlich auch behindern. Wenn dann aber die Freude über das Gefundene und das Lächeln beim Kunden im Gesicht steht, dass er die nächste Nacht nun doch nicht in der Garage verbringen muss, entschädigt das dann doch die Mühe.
INTERVIEW: BETTINA STICHER



