Gemeinsamkeiten der Fastenzeit hervorgehoben
03.03.2026 ElggDass Christen und Muslime gleichzeitig fasten, ist eine Seltenheit. Heuer ist das der Fall und dies bot letzte Woche in Elgg Anlass für einen spannenden Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Religionen.
Seit dem 18. Februar ist Fastenzeit. Im Christentum ...
Dass Christen und Muslime gleichzeitig fasten, ist eine Seltenheit. Heuer ist das der Fall und dies bot letzte Woche in Elgg Anlass für einen spannenden Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Religionen.
Seit dem 18. Februar ist Fastenzeit. Im Christentum dauert sie 40, im Islam 30 Tage. Auch in der konkreten Ausgestaltung gibt es Unterschiede, im Sinn jedoch viele Gemeinsamkeiten. Diese wurden im Rahmen des Café International im reformierten Kirchgemeindehaus Elgg hervorgehoben. Das zeitliche Zusammentreffen der beiden Fastenzeiten kommt nur alle 33 bis 34 Jahre vor, und ist daher etwas Besonderes. Die Verantwortlichen der Abteilung Integration der Gemeinde Elgg, die den Anlass organisieren, nutzten deshalb die Gelegenheit und machten das Fasten zum Thema für den gemeinsamen Nachmittag.
Der Anlass wird normalerweise von der Integrationsbeauftragten Amal Savasci, Bereichsleiterin Soziales und Gesellschaft, geleitet. Vergangenen Donnerstag führten Imane Abderrahim und Irena Gasparevic, unterstützt von Fahrije Kadriu und Peter Zinggeler, durch das Programm.
Rund 25 Personen, darunter auch ein Kleinkind, sitzen um 14 Uhr im Café.
Es wird geplaudert und diskutiert. Nach und nach treffen weitere Gäste ein. Auf den Tischen stehen Datteln und Gebäck, auch werden Milch, Wasser und Kaffee angeboten. Nicht alle greifen zu, da einige der Anwesenden nach religiösen Regeln fasten. An der Decke hängen Fähnchen mit der Begrüssung «Willkommen» in rund 20 verschiedenen Sprachen.
Die Organisatorinnen haben Informationsunterlagen zum Fasten in fünf Sprachen vorbereitet, auf Deutsch, Türkisch, Arabisch, Ukrainisch und Dari (afghanisches Persisch), und verteilen diese. «Wir sind flexibel und können die Sprachen bei Bedarf anpassen», sagt Abderrahim. Sprachprobleme habe es bisher keine gegeben. Viele Teilnehmende sind mehrsprachig, unterstützten sich gegenseitig beim Übersetzen oder nutzten elektronische Hilfsmittel, so auch an diesem Nachmittag.
Gleicher Zweck, unterschiedliche Umsetzung
Um 14.30 Uhr gaben Irena Gasparevic und Imane Abderrahim je einen Input zur christlichen Fastenzeit – auch Passionszeit genannt – und zum Ramadan. Beide stehen für Verzicht, Besinnung und Gottesnähe, unterscheiden sich jedoch in Praxis und religiöser Bedeutung. Für Muslime begann dieses Jahr am Abend des 18. Februar der Fastenmonat Ramadan; vom 19. Februar bis zum 20. März wird gefastet. Christen fasten zwischen Aschermittwoch, der 2026 auf den 18. Februar fiel, und Karsamstag am 4. April. In beiden Religionen geht es um innere Einkehr und die bewusste Hinwendung zu Gott.
Zum Fasten im Christentum, mit Fokus auf die katholische Tradition, informierte Gasparevic: Die Fastenzeit ist die Zeit vor Ostern und dauert 40 Tage. «Christen erinnern sich an Jesus in der Wüste, beten, denken nach und bereiten sich auf Ostern vor». Fasten bedeute, auf etwas zu verzichten, etwa auf Süssigkeiten, Fleisch, Alkohol oder soziale Medien. «Manche essen weniger, manche essen freitags kein Fleisch. Ihre Mutter zum Beispiel nehme nur Brot und Wasser zu sich, erzählte sie. Das Fasten habe sich mit der Zeit verändert, bedeute auch einfach Verzicht auf etwas, das einem wichtig sei, kein Streit und freundlich sein zu den Menschen. «Fasten ist freiwillig, aber für viele Christen wichtig», so Gasparevic.
Eine Frau aus der Ukraine ergänzte mit einem kurzen Einblick in die orthodoxe Kirche: «Während der Fastenzeit wird auf tierische Produkte verzichtet, auch auf Milchprodukte; Fisch ist nur sehr eingeschränkt erlaubt.»
Warum fastet man im Christentum? «Um Gott näher zu sein, über das eigene Leben nachzudenken, sich zu verändern und bewusster zu leben», erklärte die Referentin. Als Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam nannte sie das Fasten als Zeit der Besinnung, des Gebets, der Nächstenliebe und der Hinwendung zu Gott. «Weniger im Aussen, mehr im Inneren, unterschiedliche Wege, ähnliche Gedanken», fasste sie zusammen.
Zum Fasten im Islam hob Imane Abderrahim den Ramadan als besonderen Monat im Mondkalender hervor. Fasten bedeute, tagsüber nichts zu essen und nichts zu trinken. Zum Verzicht gehörten auch Rauchen und Geschlechtsverkehr; zudem solle man nicht schimpfen und streiten. «Früh am Morgen, vor Sonnenaufgang, stehen wir auf, um zu essen und zu trinken, das nennt man Suhur», erklärte sie. «Bei Sonnenuntergang brechen wir das Fasten traditionell mit einer Dattel und einem Glas Milch.»
Der Ramadan sei eine Zeit des Gebets, der Ruhe, des Nachdenkens und des guten Handelns. Gegessen und getrunken werde nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Für erwachsene und gesunde Muslime sei das Fasten Pflicht. Ausgenommen seien kranke oder alte Menschen, schwangere Frauen, Kinder und Reisende. Wer aus triftigem Grund nicht fasten könne, dürfe die Tage später nachholen. Man faste, um Gott näher zu sein, Dankbarkeit zu lernen, Geduld zu üben, an andere Menschen zu denken und sich selbst zu kontrollieren. «Fasten ist nicht nur Hunger, es betrifft auch Herz und Verhalten.»
Die Anwesenden wurden eingeladen, zu erzählen, wie sie einen Fastentag verbringen, und besprachen dies daraufhin angeregt miteinander an den Tischen. Eine Seniorin merkte im Plenum an, dass es früher einfacher gewesen sei zu verzichten. «Es gab weniger Snacks, weniger Fleisch und keine Handys und andere Ablenkung».
Café International
Das Café International ist ein Begegnungsort, an dem in ungezwungener Atmosphäre Kaffee getrunken werden kann. Die Teilnehmenden leisten einen kleinen symbolischen Unkostenbeitrag. Zusätzlich findet jeweils ein Rahmenprogramm statt, das zum Mitmachen anregen soll, etwa Bastelangebote oder Spielnachmittage. Dieses Programm ist kostenlos.
Anwesend sind stets mindestens zwei Kulturvermittlerinnen, die verschiedene Sprachen sprechen und als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen. Grundsätzlich wird jedoch Deutsch gesprochen. Das Café International findet einmal im Monat im Werkraum des reformierten Kirchgemeindehauses statt.
Gemäss Imane Abderrahim nehmen am Café jeweils unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Ländern teil, aber auch Elggerinnen und Elgger, nicht zuletzt im Seniorenalter. In der Regel sind es 30 bis 35 Personen, bei einem besonderen Anlass über 50, wobei bei schönem Wetter der Platz draussen und bei schlechtem der Vorraum ebenfalls genutzt werden. Die Kinder kommen jeweils nach der Schule ins Café. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterstützen einander, zum Beispiel bei den Hausaufgaben der Kinder.
BETTINA STICHER


