Gasversorgung in Aadorf endet 2035 – Herausforderung und Chance zugleich
12.05.2026 AadorfAardorf steht vor einem bedeutenden Wandel in der Energieversorgung: Die Gasversorgung durch die Technischen Betriebe Wil wird ab dem Jahr 2035 nicht mehr sichergestellt sein. Was zunächst auf den ersten Blick wie eine Einschränkung wirkt, ist für viele Haushalte mit Gasheizung ...
Aardorf steht vor einem bedeutenden Wandel in der Energieversorgung: Die Gasversorgung durch die Technischen Betriebe Wil wird ab dem Jahr 2035 nicht mehr sichergestellt sein. Was zunächst auf den ersten Blick wie eine Einschränkung wirkt, ist für viele Haushalte mit Gasheizung eine echte Herausforderung. Gleichzeitig bietet sich die Chance, auf klimafreundliche und zukunftsfähige Heizlösungen umzusteigen.
Energieabhängigkeit bleibt ein Thema
Die aktuelle geopolitische Lage zeigt deutlich, wie stark auch die Schweiz nach wie vor von fossilen Energieträgern abhängig ist. Spannungen im Nahen Osten, etwa im Zusammenhang mit dem Iran, wirken sich direkt auf Energiepreise und Versorgungssicherheit aus. Trotz spürbarer Fortschritte bei den erneuerbaren Energien bleibt die Schweiz in vielen Bereichen auf Importe von Öl und Gas angewiesen.
2035 ist näher, als man denkt
Der Zeithorizont bis 2035 erscheint auf den ersten Blick noch weit entfernt. Erfahrungsgemäss ist jedoch eine frühzeitige Planung entscheidend. Sei es bei der Wahl des Heizsystems, bei der Finanzierung oder im Zusammenspiel mit anstehenden Gebäudesanierungen. Wer sich rechtzeitig informiert, kann Kosten besser steuern und profitiert häufig von Förderprogrammen. Der Ersatz einer Heizung ist eine langfristige Investition und will gut vorbereitet sein.
Für Haushalte und Unternehmen stehen verschiedene Lösungen zur Verfügung – etwa Wärmepumpen, Pelletheizungen oder Fernwärme. Welche Variante geeignet ist, hängt stark vom Gebäude ab. In vielen Fällen lohnt es sich zudem, zuerst die Gebäudehülle zu verbessern: bessere Isolation, neue Fenster oder ein saniertes Dach. Dadurch kann das Heizsystem kleiner und effizienter ausgelegt werden.
Fernwärme als grosse Chance für Aadorf
Aadorf verfügt bereits seit vielen Jahren über ein gut ausgebautes Fernwärmenetz mit grossem Potenzial für die nachhaltige Wärmeversorgung. Rund 60 Prozent der Wärme stammen aus der Wärmezentrale des EKT auf dem Gelände der BESA, die mit Holz aus der Region (Transportdistanzen bis zu 25 km) betrieben wird. Weitere 40 Prozent liefert die Wärmezentrale der KIFA, die vorwiegend Restholz aus der eigenen Produktion nutzt. Dieses Holz fällt ohnehin an und kann direkt vor Ort energetisch genutzt werden, was aus CO2-Sicht sehr sinnvoll ist. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die teilweise fehlende Transparenz über die Herkunft des dort eingesetzten Holzes. Insgesamt bietet die Fernwärme jedoch eine sehr lokale und nachhaltige Wärmequelle.
Insbesondere für grössere Überbauungen stellt Fernwärme eine attraktive Alternative zu Wärmepumpen dar. Wärmepumpen benötigen vor allem im Winter und in den Nachtstunden viel Strom, also dann, wenn wenig Solarenergie zur Verfügung steht. Fernwärme bietet hier eine stabile und effiziente Ergänzung.
Wichtig ist auch die wirtschaftliche Perspektive: In Aadorf funktioniert das Fernwärmenetz unter anderem dank grosser Wärmeabnehmer wie Schulen (inklusive Hallenbad), Unternehmen und grösseren Überbauungen. In anderen Ortsteilen der Gemeinde wäre ein vergleichbares Netz aufgrund fehlender Grossverbraucher und der dominierenden Einfamilienhausstruktur deutlich schwieriger wirtschaftlich zu betreiben. In einem gemeinsamen Wärmenetz würden lange Leitungswege hohe Kosten und Wärmeverluste verursachen. Daher sind in solchen Fällen alternative Lösungen wie Wärmepumpen oft sinnvoller: ein pragmatischer und typisch schweizerischer Kompromiss.
Chancen für eine nachhaltige Zukunft
Der Wegfall der Gasversorgung kann somit auch als Chance gesehen werden. Er ermöglicht mehr Energieeffizienz, den Einsatz moderner Technologien und eine nachhaltigere Energiezukunft. Mit einer frühzeitigen Planung und gezielter Unterstützung lassen sich die anstehenden Veränderungen gut bewältigen.
Die Energiestadt Aadorf wird die Bevölkerung in den kommenden Jahren aktiv begleiten und über geeignete Lösungen sowie Förderangebote informieren. Ziel ist es, den Übergang für Haushalte, Unternehmen und die gesamte Gemeinde möglichst einfach und planbar zu gestalten.
(MITG)
