Frühe Elgger Badevergnügen in Bächen und Weihern
23.05.2026 HISTORIEDie diesjährige Badesaison hat in Elgg etwas holprig begonnen. Das im Jahre 1935 eröffnete, dann immer begehrter gewordene öffentliche Schwimmbad führt sein begrenztes Parkumfeld vor Augen. Aber Baden und Schwimmen im Freien ist für Teile der Bevölkerung ein ...
Die diesjährige Badesaison hat in Elgg etwas holprig begonnen. Das im Jahre 1935 eröffnete, dann immer begehrter gewordene öffentliche Schwimmbad führt sein begrenztes Parkumfeld vor Augen. Aber Baden und Schwimmen im Freien ist für Teile der Bevölkerung ein menschliches Bedürfnis. Es hat in Elgg einen interessanten Werdegang.
Die Bäche
Am Anfang waren es die vielen offen gehaltenen Bäche, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts aus allen Himmelsrichtungen zu Tale flossen und teilweise insgeheim und ungefragt in der Hitze zur Abkühlung luden:
Der Ramensbach, der Schneitbach, der Hübschackergraben, die Eulach, der Erdmännligraben, der Nidistelbach, der Krummenbach, der Seegraben, der Birmensbach, der Wolfgraben, der Tümmelbach, der Fahrenbach, der Tüllbach und der Moosbach. Nicht zu vergessen ist die erst kürzlich revitalisierte Lützelmurg, die lange genug im Aatal bei Elgg und Aadorf in einen engen Kanal gezwängt war. Karl Mietlich hat der langen Liste von Bächen eine aufschlussreiche geografische Skizze beigelegt.
Die Weiher
Im Blick auf das heute umschwärmte Schwimmbad und seinen Werdegang gehören aber auch die Weiher erwähnt. Der Guhwilmühleweiher, auch Heurütiweiher genannt, ist der grösste von ihnen und soll von unterirdischen Quellen gespiesen sein. Ursprünglich ein Teich, ist er für den nahen Mühlenbetrieb ausgebaut und vergrössert worden.
Am Fusse des Elgger Schlosshügels lag, heute schwer vorstellbar, der natürlich entstandene Rietweiher. In einem Kaufbrief von 1590 als «ein Wyger im Boden gen Flecken» aufgezählt. Die Elgger kauften ihn 1671 vom Schlossgut ab, um die wasserrechtlichen Konflikte mit den Gerichtsherren zu vermindern. Im Jahre 1719 beschlossen sie, den auf mehrere Jucharten gross geschätzten Rietweiher teilweise zu entleeren. Seither hat er sich kontinuierlich verkleinert, zuletzt vor allem mit Schutt aus dem Grossen Brand von Elgg im Jahre 1876 – vor 150 Jahren. Der Brandschutt veränderte die offen gehaltene Gegend südlich des verschont gebliebenen Ortskerns gründlich. Er verhalf auch zur Überbrückung des Tüllbaches im westlichen Teil der Hintergasse und diente der neuen Strassenführung. Diese führte anstelle der begrenzten Strehlgasse nun als Poststrasse aus dem Flecken heraus, südwärts und in einem Bogen westwärts. Sie diente neu der weiteren Verbindung ins Tösstal über die Steig, Wenzikon, Waltenstein, Heitertal nach Kollbrunn. Die gänzliche Auffüllung des Rietweihers jedoch erfolgte erst 1927, als die Wasser vom Blankenmoos in einer Leitung nach dem Tüllbach geführt wurden.
Menschliche Nutzungsabsichten hatten den natürlichen Fahrenbach unterhalb seiner zischenden Fälle den romantischen, von mächtigen Buchen und Ahornen beschatteten Fahrenbachweiher geschaffen. Er sollte als Reservoir dienen für Mühlen, Sägereien, Papier- und Zigereifabriklein und weitere Kleinhandwerksbetriebe. Das Wasser aus dem Fahrenbachtobel sollte ausserdem reichlich beim Bleichen der aus Flachs und Hanf gewonnenen Tücher dienlich sein. Der alte Flurname «Bleicherwiese» erinnert an den Ort mit seinen verschiedenen Funktionen bei der Stoff- und Kleiderherstellung aus einheimischen Rohstoffen.
Offenbar aber zog der lauschige Ort zunehmend Unbefugte zu sich, was den Eigentümer wenig amüsierte. Im August 1925 liess er dem Tun und Lassen juristisch den Stecker ziehen und ein allgemeines Verbot inserieren:
Liegenschaft zur «Ziegerreibe», bestehend in: 1. Dem ehemaligen Ziegereigebäude mit Anbau und Schopf, 2. Ca. 2 Hektaren 31 Aaren Wiesen, inbegriffen der Gebäudeplatz und der Weiher in der Bleicherwiese, grenzend 1. An die neue Fahrenbachstrasse, 2. und 3. an die Gemeindewaldung Elgg, 4. an die Strasse nach Kollbrunn, von Unberechtigten begangen und betreten, wird hiermit jedermann das Betreten, Begehen und Befahren der obengenannten Grundstücke sowie das Baden und Fischen im obengenannten Weiher gerichtlich verboten.
Der vom Moosbach gespiesene Torweiher war im Jahre 1540 nicht als Badeweiher gebaut worden, sondern «aus Fürsorg uf Fürnot.» Er wurde vom Moosbach gespiesen. Sein Abfluss führte in einem stellenweise durch Steinplatten gedeckten Bett als Fleckenbach durch die Ober-, Vorder- und Untergasse nach dem Tüllbach. Eine Abzweigung ging von der Obergasse nach der Hintergasse. Der Fleckenbach funktionierte als Kanalisation zur Wegschwemmung von Verunreinigungen und eignete sich nicht zu Schwimmund Badefreuden.
Die Brunnen im Flecken gehörten früher, als daraus Menschen und Tiere ihr lebenserhaltendes Wasser bezogen, welches noch nicht durch Röhren bis in die Häuser geleitet worden war, aus Gründen der Hygiene zu den sensibelsten Anlagen im Flecken! Sie galten als Tabuzonen: undiskutabel und unverhandelbar. Mit Recht drang der Rat darauf, dass bei den Brunnen Reinlichkeit herrschte. Dem Hutmacher wurde 1668 untersagt, seine Hüte im Brunnen zu waschen.
Eindringlich ermahnte der Rat an der Johannigemeinde im Sommer 1680 die Einwohner, an den Brunnen auf grössere Reinlichkeit zu halten, damit das Vieh gutes Wasser habe. Da diese Aufforderung nichts fruchtete, wurden im folgenden Jahre Aufseher bezeichnet, welche die «Sudleren» verzeigen mussten. Im Jahre 1707 erhielt der Brunnenmeister eine Rüge, weil er ein Auge zudrückte, wenn die Metzger Därme in den Brunnen wuschen.
Hingegen nahmen die Jugendlichen bei sommerlichen Temperaturen die Gelegenheit wahr, «im See» zu schwimmen und ein Bad zu nehmen. Der Name «im See» hat sich verbreitet, weil in dem ebenen, zum Teil abflusslosen Gelände nach grossen Niederschlägen der Grundwasserstrom an die Oberfläche trat und sich ausgedehnte Tümpel bildeten.
Im Blankenmoos, östlich des heutigen Schwimmbades, lagen jedoch seit Jahrhunderten drei Weiher, die alle künstlich durch Dammbauten angelegt worden waren; zwei von ihnen bereits im 17. Jahrhundert, der dritte oberhalb von Horben sogar schon im 16. Jahrhundert. Hier liegen die frühesten Spuren von Elggs Bade- und Schwimmfreuden!
Im Jahre 1934 liess die Zivilgemeinde an Stelle des «Blanki», wie man den alten Badweiher nannte, ein stattliches, modernes Schwimmbad erstellen, das 1935 die ersten begeisterten Badenden und Schwimmenden begrüsste. Im Jahre 1946 hält die örtliche Geschichtsschreibung fest: «Die neue Anlage mit einem betonierten Schwimmbassin von 50 auf 20 Metern, mit dem Sprungturm, den beiden Planschbecken, den Duschen, mit schattenspendenden alten Bäumen in dem grossen, eingehegten Umgelände war als eine der schönsten weitherum bezeichnet worden.»
MARKUS SCHÄR


