Frischer Wind fürs Vereinsleben
17.03.2026 AadorfDer Thurgauer Vereinscoach Hanu Fehr gab vergangene Woche im Gemeindezentrum Aadorf Denkanstösse für ein zeitgemässes, lebendiges, und erfolgreiches Vereinsleben.
Die Einstimmung mit Mani Matters Lied «Mir hei e Verein», dazu Bilder von ...
Der Thurgauer Vereinscoach Hanu Fehr gab vergangene Woche im Gemeindezentrum Aadorf Denkanstösse für ein zeitgemässes, lebendiges, und erfolgreiches Vereinsleben.
Die Einstimmung mit Mani Matters Lied «Mir hei e Verein», dazu Bilder von Vereinsaktivitäten und der Einbezug des Publikums zeigte, was in der folgenden Stunde zu erwarten war. Lebendige und interaktive Kommunikation und abwechslungsreiches Erleben, was der erfahrene Vereinscoach Hanu Fehr auch für die Vereinsarbeit empfiehlt.
Wie bleiben Vereine lebendig und attraktiv? Zu dieser Frage gab er wertvolle Anregungen. Das Impulsreferat wurde von der Kommission für Kultur, Freizeit und Sport der Gemeinde Aadorf organisiert. Gemeinderat Patrick Meyer begrüsste im Gemeinde- und Kulturzentrum denn auch persönlich die rund 40 anwesenden Vereins-Vertreterinnen und -Vertreter.
Mangelndes Engagement junger Menschen, sinkende Mitgliederzahlen und Schwierigkeiten bei der Besetzung von Vorstandsämtern, nannte Fehr als die drei grössten Herausforderungen, mit denen viele Vereine heute konfrontiert sind. «Das haben wir schon immer so gemacht» bezeichnete er als «Motivations-Killer Nr. 1». Traditionen seien wertvoll, dürften aber nicht zur Blockade für notwendige Veränderungen werden.
Angebot anpassen
Im Zentrum seiner Präsentation stand die Frage, ob die Vereinsangebote noch zur Lebensrealität im Jahr 2026 passen. Statt ausschliesslich neue Mitglieder für bestehende Strukturen zu suchen, müssten Vereine ihr Angebot kritisch hinterfragen: Ist es zeitgemäss, flexibel, sichtbar und niederschwellig genug? «Es braucht Stimmung, Leben» ist er überzeugt. Viele Vereine hätten immer dieselben Anlässe, Strukturen, Sitzungsformen und wunderten sich, wenn die Jungen nicht kämen. Statt das Programm zu erneuern, werde Werbung gemacht. «Das ist, wie wenn ein Restaurant keine Gäste hat und statt die Karte anzupassen, einfach mehr Flyer druckt.»
Integration als Chance
Ein weiterer Vorschlag war die Einbindung neuer Bevölkerungsgruppen. Menschen mit Migrationsgeschichte oder neu Zugezogene würden häufig als potenzielle Mitglieder übersehen, brächten jedoch wertvolle Kompetenzen und neue Perspektiven mit. «Integration ist keine Zusatzaufgabe, sondern eine Chance und Bereicherung für das Vereinsleben», so der Coach.
Auch beim Ehrenamt nannte er einen Wandel der Bedürfnisse. «Viele Freiwillige wollen sich nicht mehr jahrelang verpflichten, sondern lieber klar umrissene Projekte übernehmen. Menschen wollen wirken – nicht verwalten», sagte er. Statt starrer Ämter empfahl er Engagement-Pakete: überschaubare Aufgaben auf Zeit, etwa die Organisation eines Anlasses, das Schreiben eines Jahresberichts oder die Gestaltung von Dekorationen: «Wer unkompliziert mitmachen kann, bleibt oft länger dabei.»
Kommunikation und Wertschätzung
Neben inhaltlichen Fragen sprach Fehr auch über Strukturen und Kommunikation. Moderne Vereinsleitungen könnten flexibler organisiert sein, mit klar definierten Ressorts und Aufgaben statt klassischer Hierarchien. Digitale Vereinsverwaltungsplattformen erleichterten zudem Administration, Buchhaltung und Mitgliederkommunikation: «Besonders wichtig für den Vereinsauftritt ist heute auch unkomplizierte Kommunikation und schnelle Erreichbarkeit, etwa via App.»
Nicht zuletzt betonte der Referent die Bedeutung von Wertschätzung. «Nicht nur Jubiläen feiern, sondern auch kleine Erfolge sichtbar machen, vom gelungenen Anlass bis zum neuen Mitglied: Solche Momente stärkten das Wir-Gefühl und fördern die Motivation», sagt er.
Mit vielen praxisnahen Beispielen, Humor und klaren Botschaften regte Hanu Fehr die Vertreter der Aadorfer Vereine zum Nachdenken über Gestaltungsmöglichkeiten im eigenen Verein an, darunter digitale, aber auch analoge und vor allem zwischenmenschliche. «Die Impulse sind vermittelt. Jetzt seid ihr dran», schloss der Vereinscoach seine Ausführungen.
Im anschliessenden, von der Gemeinde spendierten Apéro, konnte man sich über das Gehörte und eigene Ideen austauschen.
BETTINA STICHER

