Freiwillige halten das Dorfleben lebendig
08.09.2026 AadorfMit einem Essen bedankte sich der Einwohner-Verein Aadorf Ende August bei seinen Helferinnen und Helfern. 45 Personen trafen sich im Gemeindesaal. Ohne ihren Einsatz wären viele Veranstaltungen kaum durchführbar. Doch genügend Freiwillige zu finden, ist eine Herausforderung. Einige ...
Mit einem Essen bedankte sich der Einwohner-Verein Aadorf Ende August bei seinen Helferinnen und Helfern. 45 Personen trafen sich im Gemeindesaal. Ohne ihren Einsatz wären viele Veranstaltungen kaum durchführbar. Doch genügend Freiwillige zu finden, ist eine Herausforderung. Einige erzählen, was sie zum Mitwirken motiviert.
Sie grillieren, bedienen, bereiten vor, bauen auf und ab oder packen dort an, wo gerade Unterstützung benötigt wird. Viele sind seit Jahren dabei und leisten unzählige Stunden freiwillige Arbeit. Am Freitagabend, 28. August, standen jene im Mittelpunkt, die sonst meist im Hintergrund wirken: die Helferinnen und Helfer des Einwohner-Vereins Aadorf.
Einmal jährlich lädt der Verein sie als Zeichen der Wertschätzung zu einem gemeinsamen Abend ein. 45 Personen folgten der Einladung in den kleinen Saal im Gemeindehaus. Ein grosses Programm gab es gemäss Präsident Stefan Bannwart bewusst nicht. Essen, trinken, miteinander plaudern und die Gemeinschaft pflegen, das sei das Ziel des Abends.
Ohne Helfer wären Anlässe nicht möglich
Bannwart begrüsste die Anwesenden im Namen des Vorstands und dankte ihnen für ihre aktive Mithilfe. Wie wichtig diese ist, zeigte sich unter anderem bei der Organisation und Durchführung der Bundesfeier. Mehr als 50 Freiwillige standen dort im Einsatz. Einige hätten dafür sogar ihre Ferien verschoben oder seien bewusst zu Hause geblieben, sagte der Vereinspräsident. Das sei nicht selbstverständlich. «Ohne diese Bereitschaft wären die zahlreichen Anlässe des Einwohner-Vereins während des Jahres nicht möglich.»
Dem Vorstand sei es ein Anliegen, den Verein und sein Angebot laufend zu verbessern und weiterzuentwickeln. Nach jedem grösseren Anlass nehme man sich Zeit für eine Nachbesprechung. Auch für Rückmeldungen und Vorschläge der Helfenden sei man dankbar. «Ihr erlebt jeweils vor Ort, was funktioniert und was man noch besser machen kann», so Bannwart.
Weitere Gelegenheiten zum Anpacken gibt es schon bald. In diesem Jahr stehen noch mehrere Anlässe auf dem Programm, darunter der Besuch eines Hockeymatches des HC Thurgau im Oktober, die «Metzgete» im November sowie die Samichlaus-Feier und die Adventsfenster im Dezember. «Für die Adventsfenster suchen wir noch kreative Personen, die ein Fenster gestalten.» Es sei dabei nicht zwingend notwendig, auch einen Ausschank anzubieten, erklärte der Präsident. Das beliebte Entenrennen im September wurde hingegen abgesagt, «um Flora und Fauna im Bach nicht zusätzlich zu belasten».
Ob aktives Mitglied, Helferin oder Helfer oder einfach Gast: Bei den Anlässen sind alle herzlich willkommen. «Wir schätzen die Gesellschaft, mögen es gemütlich und tauschen uns gerne aus», sagte Stefan Bannwart und leitete damit zum Buffet der Burger-Chuchi Winterthur über.
Jeder hilft dort, wo er kann
Beim Essen bot sich die Gelegenheit, mehr über die Freiwilligenarbeit im Verein sowie über die Aufgaben und die Motivation einzelner Helfender zu erfahren. Die Aufgaben seien vielfältig und würden möglichst nach den Fähigkeiten und Möglichkeiten verteilt, erklärte der Präsident. Wer körperlich fit sei, werde beispielsweise beim Aufund Abbau gebraucht. «Andere bereiten das Buffet vor, legen Besteck bereit oder übernehmen Aufgaben in der Küche oder im Service.»
Junge Freiwillige sind gefragt
Die Suche nach neuen Helferinnen und Helfern beschäftigt den Einwohner-Verein wie viele andere Vereine auch. Langjährige Freiwillige würden älter, andere nähmen sich erst nach der Pensionierung Zeit für ein solches Engagement. Besonders schwierig sei es deshalb, Personen für körperlich anstrengende Arbeiten wie den Auf- und Abbau zu finden. Hinzu komme, dass die Bundesfeier, für die am meisten Freiwillige benötigt werden, mitten in die Ferienzeit falle. Umso wichtiger sei es, auch jüngere Menschen für das Vereinsleben zu begeistern.
Dabei gehe es nicht allein darum, genügend Helfende für einen Anlass zu finden, sagt Bannwart. Für ihn habe das Engagement auch eine gesellschaftliche Bedeutung: «Freiwilliges Engagement schafft Begegnungen und soziale Kontakte und trägt dazu bei, Traditionen und ein lebendiges Dorfleben zu erhalten.»
Freiwilligenarbeit als aktive Erholung
Im Einwohner-Verein engagieren sich auch Personen, die voll im Berufsleben stehen und teilweise zusätzlich in anderen Vereinen aktiv sind, beispielsweise im Männerchor. «Sich trotzdem Zeit für ein Engagement zu nehmen, ist auch eine Frage der Prioritäten», sagt der Vereinspräsident. Wer sich freiwillig engagiere, schenke anderen seine Zeit, bekomme aber auch etwas zurück. Er spricht in diesem Zusammenhang von «aktiver Erholung». Vereinsarbeit könne gerade für Menschen mit einem anspruchsvollen Berufs- oder Familienalltag einen Ausgleich bieten. Dieses Bewusstsein sei heute teilweise verloren gegangen.
Ein langjähriger Helfer und gelernter Schreiner gehört zu denjenigen, die gerne kräftig anpacken. Er helfe vor allem beim Auf- und Abbau und stehe bei Festen als Grillmeister im Einsatz, erzählt er. Nicht nur an der 1.-August-Feier sei er dabei, sondern beispielsweise auch bei der Velobörse im Frühling oder beim Entenrennen im Herbst. «Was mich motiviert, ist vor allem die Kollegialität im Verein», sagt er.
Eine andere langjährige Freiwillige schätzt die gute Zusammenarbeit und den Zusammenhalt. Am liebsten helfe sie bei der 1.-August-Feier in der Küche mit. «Dort gibt es immer etwas zu tun, es ist immer lustig. Ich schätze besonders die Geselligkeit.»
Auch eine Frau, die ursprünglich aus der Südukraine stammt und seit vier Jahren in Aadorf lebt, gehört inzwischen zu den regelmässigen Helferinnen. Sie unterstützt den Verein im Service und schätzt dabei die positive Atmosphäre und den Kontakt zu den Menschen. Aufgewachsen sei sie in einem Dorf, später habe sie in einer Stadt gelebt. «Mein Lieblingsort ist aber das Dorf», sagt sie.
Ein noch voll berufstätiges Ehepaar aus Aadorf engagiert sich besonders gerne im Service bei der Bundesfeier. Das jeweilige Menü «Gehacktes mit Hörnli» sei bei den Gästen sehr beliebt, freut sich der Mann. «Bei den Leuten zu sein, ist uns wichtig», sagen beide. Der Kontakt mit den Menschen und die Möglichkeit, etwas zum Dorfleben beizutragen, seien wichtige Gründe für ihr Engagement. Auch sonst sind beide in Vereinen aktiv, beruflich haben sie jedoch nichts mit dem Gastgewerbe zu tun.
Für die Zeit nach der Pensionierung können sie sich vorstellen, noch stärker am Vereinsleben teilzunehmen. «Leider ist das heute nicht mehr selbstverständlich», bedauert die Frau. Besonders schätzen beide das Programm, das Engagement und den Zusammenhalt im Einwohner-Verein Aadorf.
Der gemütliche und bewusst einfach gehaltene Abend zeigte, was Stefan Bannwart bereits bei seiner Begrüssung und später auch im persönlichen Gespräch betont hatte: «Es geht vor allem ums Zusammensein und die Pflege der Gemeinschaft.»
BETTINA STICHER
Freiwilligenarbeit im Fokus
Ohne ehrenamtliches Engagement von engagierten Menschen jeden Alters würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Gemäss dem Bundesamt für Statistik waren in der Schweiz im Jahr 2024 etwa 2,9 Millionen Personen für andere oder die Allgemeinheit im Einsatz. Sie haben dafür im Durchschnitt rund 3,9 Stunden pro Woche unbezahlt gearbeitet.
Die Freiwilligenarbeit umfasst unentgeltliche Tätigkeiten für eine Organisation, einen Verein oder eine öffentliche Institution (institutionalisierte Freiwilligenarbeit) und unbezahlte Hilfeleistungen aus persönlicher Initiative für Personen, die nicht im selben Haushalt leben (informelle Freiwilligenarbeit).
Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Das Jahr würdigt den weltweiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beitrag von Ehrenamtlichen und soll das Engagement für die UN-Nachhaltigkeitsziele stärken.
Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, gibt es viele, auch in den Gemeinden im Einzugsgebiet der «Elgger/Aadorfer Zeitung». In einer losen Serie werden Freiwillige, ihre Einsatzorte und Aufgaben vorgestellt.

