Frauenfreundschaften brauchen Zeit, Vertrauen und Mut
05.11.2026 ElggWie entstehen Frauenfreundschaften, und was lässt sie über Jahre hinweg bestehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das ökumenische Frauezmorge am Donnerstag im katholischen Pfarreisaal in Elgg. Die Referentin Regula Schwab-Jaggi zeigte auf, weshalb Freundschaften für ...
Wie entstehen Frauenfreundschaften, und was lässt sie über Jahre hinweg bestehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das ökumenische Frauezmorge am Donnerstag im katholischen Pfarreisaal in Elgg. Die Referentin Regula Schwab-Jaggi zeigte auf, weshalb Freundschaften für die persönliche Entwicklung wichtig sind, welche Stolpersteine es gibt und warum es sich lohnt, trotz möglicher Verletzungen offen für neue Beziehungen zu bleiben.
Der katholische Pfarreisaal war gut gefüllt. Das ökumenische Vorbereitungsteam mit Claudia Müller, Dora Zihlmann, Yvonne Gilmann, Isabella Eigenmann und Sozialdiakonin Yvonne Maillard hatte die Tische liebevoll vorbereitet. Bei frischem Brot und der beliebten Konfitüre von Lotti Jucker genossen die Frauen das gemeinsame Frühstück und nutzten die Gelegenheit für angeregte Gespräche. In gemütlicher Atmosphäre entstand bereits vor dem Referat ein reger Austausch.
Regula Schwab-Jaggi arbeitet als Sozialarbeiterin und führt Beistandschaften im Kindesschutz. Daneben beschäftigt sie sich leidenschaftlich mit Lebensthemen und hält Referate. Das Thema Frauenfreundschaften begleitet sie auch als Autorin eines Buches. Im Zentrum ihres Vortrags stand die Überzeugung, dass Freundschaften eine Chance sind, aneinander und miteinander zu wachsen.
Menschen seien Beziehungswesen, erklärte die Referentin. Zwar unterschieden sich Frauen in ihrer Persönlichkeit und darin, wie sie Beziehungen pflegten. Während manche gerne allein seien, suchten andere den Austausch in Gruppen und ein grosses soziales Netzwerk. Das Bedürfnis nach Beziehungen verbinde jedoch alle. Menschen entwickelten sich nicht nur als Individuen, sondern auch im Miteinander. Ein gesundes Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit seien dabei wichtige Grundlagen für gelingende Beziehungen.
Auch der christliche Glaube biete Orientierung. In der Bibel heisse es, es sei nicht gut, dass der Mensch allein sei. Und das Gebot «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst» aus dem Lukasevangelium erinnere daran, dass auch die Beziehung zu sich selbst wichtig sei. Wer sich selbst mit Wohlwollen begegne und den eigenen Wert erkenne, könne anderen auf Augenhöhe begegnen.
Vom ersten Kaffee zur tiefen Verbundenheit
Eine Freundschaft entstehe nicht von heute auf morgen. Sie brauche Zeit, gemeinsame Erlebnisse und Vertrauen, das langsam wachsen dürfe. Aus einem ersten Gespräch beim Kaffee könnten sich gemeinsame Interessen, geteilte Hobbys oder Ferien entwickeln. Entscheidend sei, Interesse am Gegenüber zu zeigen und auch hinter die Fassade zu schauen.
Zu den Merkmalen einer Freundschaft zählten Freiwilligkeit, Respekt, Vertrauen, Dauer und eine besondere Verbundenheit. Gleichzeitig müsse eine Freundin nicht sämtliche Bedürfnisse erfüllen. Es sei wertvoll, verschiedene Freundschaften zu pflegen und ein breites Beziehungsnetz zu haben. Niemand könne zu einer Freundschaft gezwungen werden – sie müsse von beiden Seiten gewollt sein.
Freundschaft braucht Mut
Freundschaften seien allerdings nicht immer einfach. Unterschiedliche Ansichten, störende Angewohnheiten, falsche Erwartungen, Neid oder Eifersucht könnten zu Spannungen führen. Auch frühere Verletzungen könnten es erschweren, sich auf neue Menschen einzulassen. Wer aus Angst vor einer erneuten Enttäuschung stets auf Distanz bleibe, schütze sich zwar vor möglichen Verletzungen, riskiere aber auch Einsamkeit.
Schwab-Jaggi ermutigte die Teilnehmerinnen deshalb, sich trotz schwieriger Erfahrungen nicht vollständig zu verschliessen. Nicht jede neue Beziehung müsse gleich verlaufen wie eine frühere. Wenn sich bestimmte Konflikte wiederholten, könne es hilfreich sein, eigene Beziehungsmuster zu erkennen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Auch in einer Freundschaft sei es wichtig, eigenständig zu bleiben. Wer sich vollständig anpasse oder sich nur noch auf eine einzige Freundin konzentriere, verliere auf Dauer etwas Wesentliches. Ebenso könnten Konflikte besser in einem persönlichen Gespräch als über WhatsApp geklärt werden. Offenheit, gegenseitige Rücksichtnahme und die Bereitschaft, einander mit Stärken und Schwächen anzunehmen, seien entscheidend.
Aneinander reifen
Freundschaften könnten Menschen herausfordern und gleichzeitig stärken. Mit Respekt und Achtsamkeit lasse sich viel voneinander lernen. Auch wenn es einmal schwierig werde, könne eine Beziehung wieder wachsen, sofern beide Seiten bereit seien, aufeinander zuzugehen.
Die Referentin machte Mut, aktiv auf andere Menschen zuzugehen, Neues auszuprobieren und sich auch nach Enttäuschungen wieder auf Beziehungen einzulassen. Wer immer wieder mit ähnlichen Verletzungen kämpfe, dürfe sich Hilfe holen – sei es im Gespräch mit einer vertrauten Person oder im Glauben.
Das ökumenische Frauezmorge machte deutlich, wie wichtig es ist, Freundschaften zu pflegen. Dafür braucht es Vertrauen, gemeinsame Erlebnisse und die Bereitschaft, füreinander da zu sein. Manchmal ist ein gemeinsames Frühstück ein erster Schritt dazu.
EMANUELA MANZARI
Zur Person:
Regula Schwab-Jaggi
Regula Schwab-Jaggi arbeitet als Sozialarbeiterin und führt Beistandschaften im Kindesschutz. Daneben widmet sie sich als Referentin verschiedenen Lebensthemen. Mit Frauenfreundschaften hat sie sich auch als Autorin beschäftigt. Ihr Buch «Seelenschwestern – Weil tiefe Freundschaften uns durchs Leben tragen» widmet sich der Bedeutung tiefer Freundschaften. Das Buch ist inzwischen vergriffen. In ihren Vorträgen gibt Schwab-Jaggi Impulse für gelingende Beziehungen und zeigt auf, wie Menschen aneinander wachsen können.


