Farbenpracht am Wasser – Der Eisvogel in der Schweiz
13.01.2026Mit seinem leuchtenden Gefieder und seiner spektakulären Jagdtechnik steht der Vogel des Jahres 2026 für intakte, dynamische Gewässer – und macht zugleich auf bedrohte Lebensräume aufmerksam.
Kein anderer heimischer Vogel präsentiert sich in solch ...
Mit seinem leuchtenden Gefieder und seiner spektakulären Jagdtechnik steht der Vogel des Jahres 2026 für intakte, dynamische Gewässer – und macht zugleich auf bedrohte Lebensräume aufmerksam.
Kein anderer heimischer Vogel präsentiert sich in solch leuchtenden Farben wie der Eisvogel: Sein Rücken schimmert in kräftigem Türkisblau, sein Bauch leuchtet in intensivem Orange – ein echter Edelstein an unseren Gewässern. Häufig macht zunächst sein scharfer, durchdringender «Zjii»-Ruf auf ihn aufmerksam, bevor er mit schnellen Flügelschlägen pfeilgerade und dicht über die Wasseroberfläche dahinschiesst. Trotz seines auffälligen Gefieders bleibt der Eisvogel für viele Menschen schwer zu entdecken, denn er ist gut getarnt und meist nur für einen kurzen Moment im Flug zu sehen.
Lebensraum und Vorkommen
Der Eisvogel ist auf langsam fliessende oder stehende Gewässer angewiesen.
Für sein Vorkommen sind eine grosse Anzahl kleiner Fische, klares Wasser und genügend Ansitzmöglichkeiten wie Äste oder Steine entscheidend, von denen aus er nach Beute Ausschau hält. Sobald er einen Fisch erspäht, taucht er blitzschnell kopfüber ins Wasser, packt das Tier mit seinem langen Schnabel, kehrt zurück auf einen Ansitz und verschlingt die Beute kopfvoran.
Für die Aufzucht seiner Jungen braucht der Eisvogel steile, unbewachsene Sand- oder Lehmwände, in die er seine Bruthöhle hinein gräbt. Solche natürlichen Uferabbrüche entstehen häufig durch Hochwasserereignisse und die natürliche Dynamik der Gewässer.
Anpassung, Bedrohungen und Schutz
In der Schweiz gibt es derzeit etwa 400 bis 500 Eisvogel-Brutpaare. Wie viele wirklich vorkommen, hängt jedoch stark von der Qualität ihres Lebensraums ab. So gab es in den 1990er-Jahren an der Thur kaum noch passende Brutmöglichkeiten. Erst durch gezielte Schutzprojekte und Renaturierungen entstanden neue, steile Uferwände, die der Eisvogel schnell als Nistplätze nutzte. Mittlerweile brüten dort zwischen fünf und zwölf Paare. Dennoch zählt der Eisvogel weiterhin zu den gefährdeten Arten und steht auf der Roten Liste. Die grösste Bedrohung stellt der Verlust geeigneter Lebensräume dar: Durch die Verbauung und Kanalisierung vieler Flüsse und Bäche verschwinden natürliche Uferabbrüche und damit auch Brutplätze. Bird-Life Schweiz engagiert sich mit Renaturierungen und Schutzmassnahmen aktiv für den Eisvogel. Durch künstliche Brutwände und die Wiederherstellung naturnaher Gewässer werden wichtige Voraussetzungen geschaffen, damit der «fliegende Edelstein» auch künftig bei uns leben kann.
Beobachtungsmöglichkeiten
Mit etwas Glück kann man den Eisvogel im Thurgau etwa am Bodensee, Untersee, entlang des Rheins oder der Thur entdecken. Für eine erfolgreiche Beobachtung braucht es neben Geduld auch ein geschultes Auge, denn obwohl sein Gefieder farbenprächtig schimmert, bleibt er dank seiner Tarnung meist verborgen und zeigt sich oft nur im schnellen Flug knapp über dem Wasser. Wer ihn länger bestaunen möchte, sollte Ausschau nach einem Eisvogel halten, der auf einem Ast verweilt und nach Beute späht. Besonders im Februar und März, während der Balz, macht er mit seinen lauten Rufen verstärkt auf sich aufmerksam.
JÖRG HELFENSTEIN, NATUR- UND VOGELSCHUTZVEREIN AADORF
Eine wichtige Botschaft
Der Eisvogel steht exemplarisch für naturnahe, lebendige Fliessgewässer und macht deutlich, wie wichtig dynamische Lebensräume sind. Er mahnt uns, diese wertvollen Lebensräume zu bewahren und uns aktiv für ihren Schutz einzusetzen.
Tipp: Ein Kurzfilm zum Eisvogel ist unter www.birdlife.ch/eisvogelzufinden.

