Eröffnung mit Trachten und Trompeten
07.05.2026 ElggDie Präsidentin des Heimatmuseums, Renate Katterbach, durfte am vergangenen Sonntag zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher in der Humbergtrotte zur Saisoneröffnung des Heimatmuseums willkommen heissen. Im Zentrum standen der wohl jüngste Verein, «Musig Elgg», ...
Die Präsidentin des Heimatmuseums, Renate Katterbach, durfte am vergangenen Sonntag zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher in der Humbergtrotte zur Saisoneröffnung des Heimatmuseums willkommen heissen. Im Zentrum standen der wohl jüngste Verein, «Musig Elgg», sowie die Frauen der Trachtengruppe Elgg.
Ein gutes Dutzend Bläserinnen und Bläser, rhythmisch unterstützt von einem Schlagzeug, eröffnete bei Sonnenschein die diesjährige Museumssaison. Obwohl erst vor fünf Monaten gegründet, überzeugten die Elgger Musikantinnen und Musikanten unter der Leitung von Christian Meier mit frischem und engagiertem Spiel. Ganze 18 Jahre war Elgg ohne Musikverein – nun hat das Warten ein Ende. Ein Blick auf die Vereinsaktivitäten zeigt, wie wichtig dieser Neuanfang für das Dorf ist: Bereits jetzt ist der Terminkalender der «Musig Elgg» gut gefüllt, und für 2026 sind mehrere Auftritte an Dorfanlässen geplant.
Alles war liebevoll für den Anlass geschmückt: Renate Katterbach hatte für eine stimmungsvolle Dekoration gesorgt, und die Trachtengruppe Elgg hatte Blumenarrangements ausgestellt. Die festliche Atmosphäre, verbunden mit schönem Wetter, liess den Sonntagsnachmittag für Besucherinnen und Besucher sowie alle Beteiligten zu einem sehr angenehmen Erlebnis werden. Im Museum selbst bot sich den Besuchenden ein lebendiges Bild: Überall traf man auf dekorativ platzierte Trachtenfrauen. Einige spielten Karten, andere strickten oder unterhielten sich – eingebettet zwischen historischen Kleidungsstücken aus dem Fundus des Museums. Zu bestaunen gab es unter anderem Zylinder, Nachthauben, schwarze Hochzeitskleider sowie zahlreiche Fotografien aus früheren Zeiten unter dem Motto «Kleider machten Leute».
Ein besonderes Augenmerk galt auch historischen Details: So erinnert ein Exponat im Schweizerischen Nationalmuseum an den sogenannten «Toten von Elgg», der um 1650 nach einer Rauferei im Gasthaus Krone ums Leben kam. Auf einem ausgestellten Bild ist bei genauem Hinsehen sogar der originale Blutfleck der tödlichen Stichwunde auf der damaligen Tracht zu erkennen. Ebenso spannend ist ein Zeitungsinserat von 1912, das für «Miss Arabella» wirbt – eine tätowierte Attraktion, die über Pfingsten im Restaurant Krone in Elgg auftrat.
Trachtenfrauen im Gespräch
Zum Abschluss führte Emanuela Manzari, Teamleiterin Redaktion, bei der «Elgger/Aadorfer Zeitung» – selbst stilecht in der originalen Elgger Tracht gekleidet – ein Gespräch mit Klara Aebi, Mitglied bei der Trachtengruppe Elgg sowie mit Anita Bachmann, Trachtenschneiderin und Präsidentin der Trachtengruppe Weinland Bezirk Winterthur.
Die originale Tracht, die Emanuela Manzari trug, wurde von Margrith Kupper für die besondere Veranstaltung zur Verfügung gestellt, welche die Redaktorin mit Stolz tragen durfte.
Manzari erwähnte, wie genau die Trachten getragen werden und wie bis ins Detail alles stimmen soll. Die Trachten werden nicht einfach nur getragen, sondern ihre Schönheit kommt erst durch das richtige Tragen zum Vorschein.
Im Gespräch mit Klara Aebi richtete Manzari den Blick zurück in die Vereinsgeschichte und wollte wissen, was 1951 den Ausschlag zur Gründung der Trachtengruppe Elgg gab und welche Persönlichkeiten damals die treibenden Kräfte waren. Ebenso sprach sie die nicht ganz einfache Anfangszeit an und fragte nach den damaligen Widerständen bei der Anerkennung der Elgger Tracht im kantonalen Verband sowie danach, was sich seither verändert hat. Aebi schilderte eindrücklich die Entwicklung des Vereins und die gewachsene Bedeutung der Tracht für die regionale Identität.
Aktiv im Dorfleben
Auch Anita Bachmann gab Einblicke aus fachlicher Sicht: So interessierte sich Manzari dafür, was die Elgger Tracht aus Sicht einer Schneiderin besonders macht und worauf bei der Anfertigung besonders geachtet wird. Darüber hinaus ging es um aktuelle Herausforderungen für Trachtengruppen sowie um die Frage, wie sich jüngere Generationen für das Tragen und Pflegen der Tracht begeistern lassen. «Der Beruf der Schneiderin ist sehr speziell, und wie es in Zukunft aussieht und ob die Tradition der Trachten erhalten bleibt, steht in den Sternen», meint sie. Auch Clara Aebi wünscht sich, dass diese wichtige und schöne Tradition mit jungen Leuten weitergeführt werden kann.
Im Gespräch wurde deutlich, dass insbesondere der kunstvoll gestaltete Latz ein prägendes Element der Elgger Tracht ist. Die Mitglieder des Trachtenvereins engagieren sich zudem aktiv im Dorfleben: Sie kümmern sich um den Blumenschmuck der Elgger Brunnen, pflegen gemeinsames Singen und widmen sich kreativen Bastelarbeiten – bevorzugt mit floralen Materialien.
Heute trifft sich die Trachtengruppe noch regelmässig, nimmt an Nähkursen teil und kommt zusammen, um zu plaudern und bei schönen Anlässen die Trachten zu tragen.
Der traditionsreiche Verein zählt aktuell 22 Mitglieder und blickt auf eine 75-jährige Geschichte zurück. Damit auch das 100-jährige Jubiläum gefeiert werden kann, sind neue, insbesondere jüngere Mitglieder herzlich willkommen.
Zum Schluss bedankte sich die Präsidentin bei den Besuchenden für ihr Interesse an der Saisoneröffnung und verabschiedete sich mit einem Präsent bei den drei am Interview Beteiligten.
CHRISTOPH ZIEGLER, EMANUELA MANZARI
Information
Jeden ersten Sonntagnachmittag im Monat und zusätzlich am 10. und 17. Mai ist das Heimatmuseum geöffnet. Jeweils um 15 Uhr gibt es für Interessierte eine Führung, bei der man alle verborgenen Schätze vor und hinter den Kulissen der Humbergtrotte entdecken kann.








