Zur Erinnerung an den vor 100 Jahren verstorbenen Wilhelm Rüegg, Stoos-Hofstetten
Am 31. März 1926 starb in der Pflegeanstalt Rheinau im 82. Altersjahr der dem Leserkreise des damaligen Lokalblattes bekannte Wilhelm Rüegg, gebürtig von Stoos-Hofstetten. Die Erinnerung ...
Zur Erinnerung an den vor 100 Jahren verstorbenen Wilhelm Rüegg, Stoos-Hofstetten
Am 31. März 1926 starb in der Pflegeanstalt Rheinau im 82. Altersjahr der dem Leserkreise des damaligen Lokalblattes bekannte Wilhelm Rüegg, gebürtig von Stoos-Hofstetten. Die Erinnerung geschieht nicht seines Wirkens halber, sondern vielmehr wegen seiner Originalität, der Anhänglichkeit an seine Heimatgemeinde und seiner vielen Freunde und Bekannten.
«Wilhelm», der Bürstenbinder besass in Hofstetten keine Verwandten, aber während seines 34 jährigen Aufenthaltes in der Anstalt Rheinau zog ihn das Heimweh alle Jahre nach seiner Bergheimat. Unzählige Briefe und Karten hat er an seine Bekannten und an seine Freunde geschrieben, damit sie ihm einen Urlaub erwirkten. Waren seine Bittgesuche an die Armenpflege erfolglos, so war es der Vormund oder sonst ein guter Bekannter, der ihm zu einem Ferienbesuch verhalf.
«Das Heimweh lässt mir einfach keine Ruhe, ich muss heim.»
Wie strahlte sein Gesicht vor Freude, wenn er bei seinen Ferienbesuchen in ein Haus trat ! «Bin au wieder da. Ha halt Heimweh gha. De Fritz hät mer gschribe sell au wider emol cho, sell in au wider emal bsueche. Tuet mer guet bediene d’Anna. D’Lüüt händ mi halt gärn; cha nüt defür; händ mi halt gärn. Händ gseit, sell wider cho, sell wider choh, händ halt Freud wänn ich chume, händ halt Freud. Jaaa, ebe, Jaaa. De Herr Zäller z’Männedorf hät mi au iiglade und dä Härr Pestalozzi z’St. Galle; händ halt Freud, wänn i chume, händ halt Freud, händ mi halt gärn. Jaaa händ mi halt gärn. Morn gani dänn zu s’Uhremacher Hegnauers uf Elgg abe und dänn mues i na en Gruetz usrichte vom Härr Werkmeister Meier z’Rhinau, vom Härr Meier, wo eini hät vom Haupme Büchis z’Elgg. Und dänn no en Gruetz an Gujer im Turbenthal, em Här Gujer.
Bis Gmeindames Lina bin i au gsie und bim Präsident sim Sohn. Händ Freud gha, lönd i grüetze, händ gseit, sell au wider emol cho. Bin au bim Här Pfarrer gsie, bim Här Pfarrer, hät mer no en Franke gäh, hät gseit, sell wider cho, sell au wider emal cho, jaaa.
Glücklicher Wilhelm Rüegg, der die Menschen nur von der guten Seite kennen wollte! In seinem Notizbüchlein waren Hunderte von Adressen verzeichnet. Vom Grossvater bis zum Enkelkind und allen bewahrte er eine rührende Anhänglichkeit, nahm Teil an ihren Freuden und an ihren Leiden. Und er wusste ihren Wohnort zu finden, wenn es auch im engsten Gässchen der Stadt Zürich war.
Nur ein «Armenhaus̈ ler» aber in seiner Gesinnung mit einer Heimatliebe bekundend, die manchen geistig und körperlich gesunden Menschen beschämt. Wilhelm Rüegg hat seiner Heimatgemeinde unbewusst grosse Opfer auferlegt. Aber er hat sich dankbar gezeigt durch seine Liebe, die er seiner Heimatgemeinde bewahrte.
MARKUS SCHÄR