Elgg sagt der Asiatischen Hornisse den Kampf an
12.03.2026 ElggDie Asiatische Hornisse ist in Elgg im vergangenen Herbst erstmals aufgetaucht. Die Gemeinde und der Naturschutzverein wollen ihre Ausbreitung bremsen, zumal sie eine Gefahr für die Biodiversität und die Menschen darstellen kann. Dabei zählen die Akteure auf die Unterstützung ...
Die Asiatische Hornisse ist in Elgg im vergangenen Herbst erstmals aufgetaucht. Die Gemeinde und der Naturschutzverein wollen ihre Ausbreitung bremsen, zumal sie eine Gefahr für die Biodiversität und die Menschen darstellen kann. Dabei zählen die Akteure auf die Unterstützung der Bevölkerung.
Das Grün rund um Elgg beginnt in den ersten Märztagen allmählich wieder zu blühen. Der Frühling erwacht – und mit ihm auch die Asiatische Hornisse. Ab April beginnen die Königinnen mit dem Bau der ersten Primärnester. Die Gemeindeverwaltung Elgg und der Naturschutzverein rufen zum Handeln auf.
September 2025: Erstmals überhaupt ziehen Asiatische Hornissen ihre Runden über dem Elgger Herbsthimmel. Zwei Jahre nach dem Erstfund im Kanton Zürich fliegen sie auch in Elgg umher. Sofort machen sich Fachleute auf die Suche. Anfangs Oktober entdeckt eine Spaziergängerin in Neu-Elgg auf einem Baum das Nest. Daraufhin wird es unschädlich gemacht. Imkerin Dominique Ruckstuhl atmet auf, ein Wermutstropfen bleibt: «Die Chance ist gross, dass einige Königinnen ihr Winterlager bereits bezogen haben», sagt sie. Ruckstuhl betont, im Frühling weitere Massnahmen gegen die Vermehrung der Asiatischen Hornisse zu ergreifen.
Und das tut sie – und auch der Naturschutzverein Elgg und Umgebung sowie die Gemeinde Elgg, die Anfang März zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Asiatische Hornisse laden. So schwärmten am vergangenen Donnerstagabend keine Hornissen, sondern Menschen ins reformierte Kirchgemeindehaus in Elgg. Der Saal ist voll, das Interesse gross. «Wir wollen die Bevölkerung informieren, wachsam zu sein, damit wir zusammen diese Nester finden», sagt Gemeinderätin Stephanie Hugentobler.
«Sie ist sehr aggressiv gegen die Biodiversität»
Den Weg nach Europa hat die Asiatische Hornisse über die See von China gefunden. Von Südfrankreich her breitete sie sich aus – und landete in der Schweiz. Noch sind die Folgen ihrer Ankunft im Kanton Zürich geringfügig, doch es lauern Gefahren. «Sie ist sehr aggressiv gegen die Biodiversität», betont Ruckstuhl in ihrem Referat. Vor allem die Bienen stehen bei der Asiatischen Hornisse ganz oben auf dem Speiseplan. Sie verspeist Biene um Biene – und gefährdet somit die Bestäubungsleistung in der Landwirtschaft. Auch für Menschen sei das Flatterinsekt nicht ungefährlich: «Um die Nester sind die Hornissen hoch aggressiv, darum sind sie eine Gefahr für die Bevölkerung.» Das Problem liegt hierbei bei der Höhe ihrer Primärnester, zumal diese auf 1,50 Meter Höhe liegen. Die Sekundärnester befinden sich meist hoch in Baumkronen und sind deshalb schwer zu entdecken. Es sei wichtig, die Primärnester schnell zu erkennen, damit möglichst viele Königinnen gesammelt werden können, bevor sie sich weit über dem Boden einnisteten und vermehrten. Ruckstuhl hält fest: «Wir müssen etwas gegen die Ausbreitung machen.»
Locktöpfe als gemeinschaftliche Massnahme
Was kann die Bevölkerung tun, um die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse zu bremsen? Eine Lösung liegt in sogenannten Locktöpfen aus Alkohol und Zucker. Man fülle ein Honigglas oder sonst ein Gefäss mit je einem Drittel Bier, Wein und Zuckersirup. Deckel drauf und Loch rein. Dann stopft man ein Tuch bis zum Boden des Behälters, damit es die Flüssigkeit aufsaugt und nichts reinfallen kann. Dann heisst es ab auf den Gartentisch oder das Fenstersims damit (auf 1,5 bis 2 Metern Höhe) und beobachten. Sobald eine Asiatische Hornisse auftaucht: Fotografieren und auf der «Schweizer Meldeplattform für die Asiatische Hornisse» (www.asiatischehornisse.ch) melden.
Eine Asiatische Hornisse erkennt man an ihrem primär schwarzen Körper und den «auffällig» gelben Beinenden. «Sie ist sehr hübsch», sagt Ruckstuhl mit einem Lächeln. Dennoch will die Imkerin ihr Ausbreiten so gut wie möglich einschränken, wobei sie vermutet, dass das invasive Insekt nicht zu stoppen ist. «Wir werden es nicht schaffen, sie auszurotten. Wir hoffen, sie bremsen zu können. Wir werden nicht alle Nester finden, aber nichts machen ist keine gute Idee.»
Nichts machen ist auch für Urs Rutishauser keine Option. Der Präsident des Naturschutzvereins meint nach dem Informationsanlass: «Informiert sein ist der Anfang vom Handeln. Wir hoffen, dass die Bevölkerung breit mitmacht bei diesen sinnvollen Massnahmen.»
Nest-Suche soll effizienter werden
Bereits im vergangenen Herbst wurden diverse Locktöpfe aufgestellt, um die Hornissen anzulocken und diese dann von dort aus zu tracken und das Nest ausfindig zu machen – mit Erfolg. Die Nestsuche erwies sich jedoch als langwierig. Während vier Wochen und insgesamt 60 Stunden suchte Ruckstuhl nach dem Nest. Sie hat ihre Lehren daraus gezogen und zeigt sich zuversichtlich: «Ich glaube, dass wir jetzt viel effizienter sind.» So wolle man unter anderem auf Drohnen mit Wärmebildkamera setzen, die die Suche vereinfachen würden.
Und die Suche wird voraussichtlich ab April beginnen. Dann erwachen die Königinnen aus ihrem winterlichen Zuhause und erkunden die Weiten des Elgger Frühlingshimmels, nachdem sie sich im vergangenen Jahr erstmals in Elgg gezeigt hatten.
LINUS HÄMMERLI



